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bt-Redakteur Christoph Wiedemann testet Bogenschießen beim BTS in Bayreuth.

Bogenschießen beim BTS Bayreuth im Test: Anstrengender als gedacht

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Zielen, spannen, schießen – hört sich zwar einfach an, ist aber unfassbar schwierig. Bogenschießen ist allerdings eine der komplexesten Sportarten – nach Aussagen der Bogenschützen. Ob es wirklich so komplex ist, oder das Ziehen an einer Schnur ausreicht, um in Gelbe zu treffen, hat bt-Redakteur Christoph Wiedemann getestet. Er war bei den 1. Bayreuther Bogenschützen der Bayreuther Turnerschaft von 1861 e.V., die hinter der Tribüne im Hans-Walther-Wild-Stadion in Bayreuth trainieren.

Bogenschießen beim BTS Bayreuth im Test

Wintertraining ist bei den Bogenschützen des BTS angesagt. Die Scheiben stehen in 18 Metern Entfernung – zum Vergleich: Im Sommer werden die viele Meisterschaften auf 70 Meter Entfernung geschossen. Doch schon 18 Meter sind dann doch weit weg, um einen Pfeil in der gelben Mitte zu platzieren.

Doch bevor man überhaupt einen Pfeil abschießen darf, dauert es lange. Zuerst müssen die Bewegungsabläufe gelernt werden. Anfänger lernen zuerst vier Bewegungen, auf die geachtet werden muss, erklärt Jürgen Narkott vom Bogenschießverein BTS Bayreuth – er selbst geht vor jedem Schuss 20 Punkte durch – immer wieder, um immer wieder die gleichen Körperhaltungen und Bewegungen einzunehmen.

Bogenschießen für Anfänger

Bis es bei einem Anfänger so weit ist, ist Geduld gefragt. Gestartet wird mit der Fußstellung: Beine auseinander, Füße parallel, idealerweise minimal in die Hocke gehen. Das sorge für einen festen Stand, denn wenn es bei einem Freiluftschießen mal windig wird, darf der Schütze nicht wie ein Fähnchen im Wind herumwackeln, erklärt mir Narkott.

Die Füße sind also eingerichtet, folgt der Oberkörper, der in Richtung der Zielscheibe gedreht werden muss. Der Kopf richtet sich dann auf das Ziel und darf sich nun nicht mehr bewegen. Bei einem Linkshänder muss dann der rechte Arm in Richtung Ziel ausgestreckt werden – in dieser Hand wird später mal der Bogen gehalten.

Die T-Stellung des Körpers

Doch ausstrecken alleine recht nicht. Handstellung in einer Linie, dazu den Ellenbogen leicht nach außen abwinkeln. Die Schulter muss unten bleiben und darf nicht zum Hals hochgezogen werden. Mit der linken Hand wird dann die Sehne des Bogens gezogen – die ich mir vorstellen musste, da es zu Beginn keinen Bogen in die Hand gibt.

Dabei muss die Hand unterhalb des Kinns angelegt werden, der Ellenbogen darf nicht zu hoch oder zu tief sein. In einer perfekten Stellung würde mein Körper ein T bilden. “Das sind die ersten vier Schritte”, erklärt Narkott – und die sind kompliziert genug.

Wiederholen und nochmal wiederholen

Dieser Bewegungsablauf wird dann dutzende Male wiederholt – erst ohne, dann mit Bogen. Einen Pfeil schieße ich allerdings noch nicht ab. Mein Bogen hat ein Zuggewicht von 16 Pfund, ein Profi zieht allerdings mit 32 Pfund das doppelte. Ich darf mich auch kurz daran versuchen und bekomme die Sehne gerade so gezogen: Halten und zielen wären damit allerdings für mich undenkbar.

Doch mit meinem 16-Pfund-Bogen klappen die Bewegungen ganz ordentlich, so dass ich auch meinen ersten Pfeil einlegen und abschießen darf: Auf eine weiße Fläche ohne Zielscheibe. “Auf Zielscheiben schießen wir fast nur im Wettkampf”, beim Training gibt es kleine Striche, die anvisiert werden. “So übt man, immer wieder die gleichen Bewegungen auszuführen”, erläutert Narkott.

Fazit vom Bogenschießen

Es ist ein unglaublich komplexer Sport. Dafür gibt es schon nach kurzer Zeit schnelle Erfolge. Vom flatternden Pfeil, den ich gerade 5 Meter geschossen habe, bis zur Zielscheibe in 18 Metern Entfernung – bei der ich sogar eine 8 geschossen habe. Die Motivation wird so schnell also nicht nachlassen.

Außerdem ist dieser Sport auch körperlich anstrengend. Um die Sehne zu halten müssen die Muskulaturen von Rücken, Schulter und Armen ordentlich trainiert sein, denn bei Wettkämpfen müssen bis zu 60 Schüssen abgegeben werden. Ich hatte ungefähr 15 Schüsse und habe deutlich gemerkt, wie sich die Kraft in meiner Schulter so langsam dem Ende entgegen neigt.

Kommt natürlich die geistige Anstrengung dazu. Vor jedem Schuss die Punkte durchzugehen, die Bewegung in Perfektion auszuführen – das ist anstrengend. Wer also beim Sport den Kopf ausschalten will, für den ist Bogenschießen nicht geeignet. Wer allerdings Spaß an Herausforderungen hat, Körper und Geist trainieren will, der ist beim Bogenschießen richtig. Hier sind die Trainingszeiten der Bogenschützen des BTS zu finden.

Bogenschießen: „Einfach mitmachen bei dem Wahnsinn!“

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Die Bayreuther Bogenschützen behaupten sich in der 1. Bundesliga auf höchstem Niveau und schnuppern an der Final-Teilnahme um die Deutsche Meisterschaft.”

Mit einer starken Mannschaftsleistung klettern besagte Bogenschützen am zweiten Wettkampftag der 1. Bundesliga Süd auf Rang vier. Damit würde der Aufsteiger am Ende das Shoot-Off der besten Acht Vereine um die Deutsche Meisterschaft erreichen. Nach der Weihnachtspause müssen sie dafür aber den viermaligen Deutschen Meister der Schützengilde Welzheim auf Abstand halten.

„Einfach mitmachen bei dem Wahnsinn!“

Teamführer Mark Fichtner schnaufte nach dem letzten Pfeil des Tages erleichtert durch: „Das Niveau dieser Liga ist so krass, das ist kaum zu fassen. Zum Glück schreckt das unsere Mannschaft nicht im Geringsten ab. Sie macht bei dem Wahnsinn einfach mit.“ Beeindruckt stellte er fest: „Selbst 57 von 60 möglichen Ringen reichen oft nicht, um einen Satz zu gewinnen.“

In der Bundesliga schießen die Mannschaften an jedem Wettkampftag in Duellen jeder gegen jeden mehrere Sätze von je sechs Pfeilen. Dabei müssen die drei Schützen einer Mannschaft ihre sechs Pfeile binnen 120 Sekunden abgeben. Ein Satzgewinn bringt zwei Punkte, bei sechs Satzpunkten ist ein Match entschieden. „57“ bedeutet also, das Team trifft mindestens dreimal in die nur vier Zentimeter große Zehn und dazu noch drei Neuner (Das sind die beiden Ringe in der Mitte der Scheibe, Anm. d. Red.).

Vor dem ersten Duell musste Fichtner im Vergleich zum ersten Wettkampftag seine Mannschaft neu aufstellen: Junioreneuropameisterin Talida Chrubasik war erkrankt. Neben Elisa Tartler und Jakob Hetz kamen nun also auch Neil Benneman und er selbst zu ihrem ersten Einsatz in der Elite-Liga. Und beide machten ihre Sache gut, auch wenn sie das sensationelle Niveau von Tartler und Hetz nicht ganz halten konnten. Die wiesen am Ende einen Schnitt von über 9,6 aus: Sechs von je zehn Schuss landeten im Zentrum, dazu kamen jeweils vier Neuner.

Perfekter Satz für Bayreuth

Gleich das erste Duell gegen die Schützengilde Welzheim brachte einen Sieg und zwei Matchpunkte ein. Gegen die erfahrenen Konkurrenten aus Tacherting reichte es immerhin zu einem Unentschieden. Dabei ging ein Satz trotz 58 von 60 möglichen Ringen sogar noch verloren – die Tachertinger hatten eine 59 geschossen! „Ärgerlich auf Spitzenniveau“, kommentierte Fichtner. Nach zwei nicht unerwarteten Niederlagen gegen die Meisterschaftsanwärter aus Ebersberg und Villingen-Schwenningen gingen die Bayreuther mit 3:5 Punkten in die Pause.

Die letzten drei Duelle des Tages bestritten durchgehend Elisa Tartler, Jakob Hetz und Neil Bennemann. Dreimal blieben sie siegreich. Dabei leistete Schlusslicht München deutlich weniger Widerstand als die Schützen aus Neumarkt. Die lagen zwischenzeitlich schon mit 4:2 in Front, mussten sich zuletzt aber doch mit 4:6 geschlagen geben. Auch weil den Bayreuthern ein perfekter Satz gelang: Sechs Schuss, sechs Zehner. 60!

Bayreuth gewinnt Nervenschlacht

Zu einer Nervenschlacht wurde abschließend das Match gegen die Schützengilde Ditzingen. Die Schwaben lagen zwischenzeitlich schon mit 3:1 vorn, doch dann entschieden die Bayreuther die folgenden drei Sätze nervenstark mit einer Serie von 57, 59 und 58 Ringen für sich. Der verdiente Lohn: Sie kletterten an Welzheim vorbei auf den vierten Tabellenplatz, der am Ende zur Finalteilnahme um die Deutsche Meisterschaft reichen würde. Den dritten Wettkampftag schießen die Welzheimer allerdings Mitte Januar in der heimischen Halle, wobei ihnen die lautstarke Unterstützung der eigenen Fans sicher ist. Das Team aus Bayreuth wird wieder eine Top-Leistung bringen müssen, um Rang Vier zu verteidigen.”



Text: Jürgen Nakott

Wer das Team der Bayreuther Bogenschützen gerne besser kennenlernen würde, der findet hier und hier mehr Informationen!