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„Plastic Attack“: Ein Turm aus Müll vor der Spinnerei

Ein großer Müllberg türmt sich vor der Eingangstüre eines Bayreuthers Einzelhändlers nach oben. Dieses Bild soll am 13. Juli 2019 Realität werden. Das Kuriose: Die Aktion ist von der Marktleitung abgesegnet.

Ein Zeichen setzen

Die Aktion „Extinction Rebellion“ möchte ein Zeichen setzen. Darum treffen sich am Samstag, den 13. Juli, etwa 30 bis 60 Aktivisten bei Rewe in der Bayreuther Spinnerei. Dort machen sie gemeinsam ihren Wocheneinkauf. So weit, so gut. Nach dem Bezahlen der Waren beginnt der Protest: Dann packen die Aktivisten sämtliche gekaufte Produkte aus und schmeißen deren Verpackungen vor dem Geschäft auf den Boden. Die Einkäufe füllen sie dabei in selbst mitgebrachte Behälter und Beutel um. Die Protestaktion richtet sich gegen den verschwenderischen Einsatz von Plastik in der Lebensmittelindustrie.

Äpfel in Plastiktüten. Foto: Pixabay.

Druck auf Industrie und Politik

Organisatorin Katharina Blaurock sagt dazu, dass sie mit dieser Aktion möglichst vielen Menschen vor Augen führen möchte, dass jeder einzelne beim Einkaufen Einfluss darauf nehmen könne, wie viel Müll produziert werde.

Außerdem ist es an der Zeit, den Druck auf Industrie und Politik zu erhöhen, um alternative Lösungen zu Plastikverpackungen umzusetzen. Mit unserer Aktion möchten wir der Lebensmittelindustrie verdeutlichen, dass wir mit der Plastikverschwendung nicht einverstanden sind und sie zum Handeln auffordern.
(Katharina Blaurock, Organisatorin des Protests)

Bei Rewe sieht man dem Protest gelassen entgegen. Der Rewe-Markt in der Bayreuther Spinnerei wird von Marion Renger betrieben. Daher obliegt es auch ihr, einem Protest zuzustimmen oder nicht. Die Rewe-Group hat in Einzelfällen nichts gegen derartige Aktionen, wie der Pressesprecher der Rewe-Group erklärt.

In allen Märkten können wir das aber nicht machen. Doch wenn individuell geklärt ist, dass es nicht zu Störungen kommt, spricht im Einzelfall nichts dagegen.
(Thomas Bonrath, Pressesprecher Rewe-Group)

Mehr zu Extinction Rebellion

Extinction Rebellion bedeutet übersetzt „Rebellion gegen das Aussterben. Die Gruppe ist eine internationale Bewegung, die durch verschiedene Protestaktionen weltweit Bewusstsein für Probleme unserer Zeit schaffen will, wie zum Beispiel das Insektensterben, die Klimakrise oder politische Spaltung. Auch in Bayreuth gibt es eine Ortsgruppe. Dabei nimmt der Umgang mit Müll, allen voran Plastik, eine zentrale Rolle ein. In anderen Städten kam es bei Aktionen der Gruppe bereits zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. 

Tagebau Garzweiler: Dörfer am Abgrund

Neele Boderius schickt auch am zweiten Tag der Großdemo von Fridays-for-Future ihre Eindrücke für das bt aus dem Drei-Länder-Eck. Heute ging es für die Bayreuther und ihre Mitstreiter an die Tagebaukante Garzweiler.

Die Demonstranten zogen auch nach Keyenberg, einem Dorf, das vom Abbaggern unmittelbar bedroht ist. Die Jugendlichen setzten sich dafür ein, um das Dorf vor dem Tagebau zu retten. Denn in dieser Gegend sind dem Tagebau bereits viele Dörfer zum Opfer gefallen.

Viele Dörfer wurden vom Tagebau bereits verschluckt. Foto: Neele Boderius

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Demo und Volxküche: Fridays for Future wird immer größer

Zwei Tage vor der Europawahl haben in ganz Deutschland wieder Zehntausende Studenten und Schüler für eine bessere Klimapolitik demonstriert. In vielen Städten, so auch in Bayreuth, beteiligten sich an diesem Freitag mehr junge Menschen an der Demo als je zuvor.

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!

Bundesweit sprechen die Organisatoren von mehreren Hunderttausend Teilnehmern. In Bayreuth ist von rund 300 Teilnehmern die Rede. Das wären 100 mehr als noch zu Beginn des Jahres.

Foto: red

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Foto: red

Neben einer Kundgebung am Ehrenhof stand in Bayreuth ein gemeinsames Essen auf dem Programm. Um Plastikmüll zu vermeiden, erging zuvor der Aufruf, ordentliche Teller und Besteck mitzubringen, um Einweg-Geschirr zu vermeiden. Der Verein Transitionhaus kochte im Rahmen einer Volxküche dazu ein veganes Mittagessen für die Teilnehmer. Verwendet wurden Lebensmittel, die noch haltbar waren aber andernorts weggeworfen wurden. Die Ausgabe geschah auf Spendenbasis.

Foto: red

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Seit Monaten demonstrieren die Schüler freitags für eine bessere Klimapolitik. Die Aktivisten von Fridays for Future fordern unter anderem die Einhaltung der Pariser Klimaziele. Seit einigen Wochen werden sie von Studenten unterstützt.

Die AfD im RW21: Erst Demo, dann Rock

Klingt paradox, aber wenn die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, am Samstag um 19 Uhr in der Black Box des RW21 zum Mikrofon greifen wird, dann wird sich kurz zuvor wahrscheinlich ein Wunsch des Leiters der Stadtbücherei, Jörg Weinreich, erfüllt haben.

Denn dass die AfD zum wiederholten Mal seine Bücherei für Veranstaltungen wählt, obwohl die, wie er sagt, wie keine andere in der Stadt für Weltoffenheit und Toleranz steht, kann weinreich nicht verhindern. Der Stadtrat hat das RW21 gegen den Willen der Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und auf Vorschlag der Grünen im Stadtrat für parteipolitische Veranstaltungen freigegeben.

Redner verschiedener Couleur

Wie die Stadt mitteilt, hat die Partei „Die Partei“, am Tag des Besuchs der AfD-Spitzenpolitikerin eine Kundgebung in der Richard-Wagner-Straße angemeldet. Starten soll die um 18 Uhr. Das Motto: „Die Vereinigten Staaten von Europa – jetzt! Gegen Nationalismus“. Die Partei selbst spricht von einer Demo „Gegen Braunstörche und Blaufußtölpel in Innenstädten!“

Nach Informationen der Partei sollen Vertreter der Jusos, der Grünen, von Bunt statt Braun, MUT und der Allianz gegen Rechtsextremismus sprechen.

Shuttlebus zum Festival

Im Anschluss soll es einen kostenlosen Shuttle-Service zum Rock Against Racism-Festival geben, das am Samstag in der Schokofabrik und im Wilhelm-Leuschner-Zentrum stattfindet.

Screenshot: Facebook

Fridays for Future: Zwischen Weltretten und Heuchelei

Am GMG haben die beiden gemeinsam die Schulbank gedrückt. In der Freizeit waren sie unzertrennlich. Schule geschwänzt haben sie auch, ums Klima ging es dabei aber nie. Die Berufe die sie ergriffen und die Erfahrungen die sie gesammelt haben, lassen die 36-Jährigen heute unterschiedlich auf die Welt blicken. Der eine ist Journalist geworden und dass Schüler fürs Klima streiken, findet er ohne Einschränkungen gut. Der andere ist heute Lehrer und sagt: „Ich hasse diese Heuchelei.“ Ein Streitgespräch:

Die jungen Leute merzen aus, was die Generationen vor ihnen in den Sand gesetzt haben. Ihnen jetzt vorschreiben zu wollen, dass sie das in ihrer Freizeit zu tun haben oder andernfalls ihre Glaubwürdigkeit in Abrede zu stellen ist doch lächerlich.

Simple Frage: Wie genau sieht denn das „ausmerzen“ aus?

Simple Antwort: Sie erheben ihre Stimme und machen Druck. Und sehr viele davon leben deutlich nachhaltiger, als wir es je getan haben.

Druck worauf? Wer fühlt sich denn unter Druck gesetzt? Und lass uns aufhören so zu tun, dass die Kids das Demonstrieren erfunden haben. Demos für Umweltschutz gab es immer. Und welche Generation hat denn durch Forschung überhaupt den Klimawandel begreifbar gemacht? Wenn das Engagement für die Umwelt so aussieht, dass man sich auf die Straße stellt und laut ist, dann ist es für mich ganz einfach die Methode Pegida. Machen wir uns nichts vor. Die meisten Demonstranten werden sich auch beruflich für den Kapitalismus entscheiden. Durch ihre Müllspuren rund um die Schnellrestaurants zeigen sie doch schon, was ihnen Nachhaltigkeit bedeutet.

 Ich sehe, dass da Leute für eine gute Sache kämpfen und finde es gut. Du siehst, dass da Müll liegt und findest es schlecht. Insofern kehrst auch du alle über einen Kamm, nur weil da ein paar Irrläufer dabei sind. Eins kannst du aber nicht machen: alles was demonstriert mit Pegida vergleichen. Die habens mit Sicherheit nicht erfunden. Genauso wenig wie die, die hier über Schulschwänzer schimpfen sich in der Vergangenheit an der Erforschung des Klimas beteiligt haben.

Was ich hasse, ist Heuchelei und der Hype. Methode Pegida geht für mich so: Mir passt was nicht, ich gehe auf die Straße und fordere etwas, ohne jeglichen Lösungsansatz. Bisher ist Fridays for Future nichts anderes. Bei uns sieht das so aus: Samstagabend: saufende, grillende Schüler. Sonntagmorgen: aufräumende, depperte Erwachsene. Von Fridays for Future keine Spur! Was ich sagen will: Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, die junge Generation würden nachhaltiger leben. Die andere Sache ist, dass tun viel besser ist als sagen. Wie wärs, wenn die Schüler zum Zeichen ihres Protests einfach mal jeden Freitag mit dem Bus fahren würden? Damit würde ganz sicher jedes Mal ein Chaos entstehen. Erst so würde Druck auf die Politik ausgeübt werden. Aber ist wohl keine gute Idee, denn da müsste man ja früher aufstehen.

Welchen Lösungsansatz präsentieren denn Gewerkschafter, wenn sie auf die Straße gehen? Sie fordern mehr Geld, aber wo das herkommt, ist ihnen einerlei. Oder Frauenrechtler, Tierschützer, sie alle gehen auf die Straße, weil sie etwas geändert wissen wollen das ihnen nicht passt. Ich glaube nicht, dass es an den Demonstranten ist, der Politik Lösungen zu präsentieren. Das ist nicht deren Job. Aber ich glaube sehr wohl, dass Teile dieser Generation anders leben und arbeiten werden als wir. Bewusster, nachhaltiger. Ihnen bleibt am Ende auch gar nichts anderes übrig. Beweisen kann ich das heute noch nicht. Dass sich keiner der Aktivisten an irgendwelchen Aufräumaktionen beteilig, halte ich für eine gewagte These. In einem gebe ich dir aber Recht: Sie könnten sowas natürlich auch unter Flagge der Fridays for Future-Bewegung tun. Vielleicht kommt das ja noch. Solange müssen die Demos aber in der Unterrichtszeit stattfinden, weil sie damit größtmögliche mediale Aufmerksamkeit erregen. So wird die Politik nicht mehr lange so tun können, als gehe sie die Sache nichts an. Das ist Druck.

Ich will ja auf keinen Fall das Demonstrationsrecht absprechen. Und es ist völlig egal, ob unter der Fridays for Future-, Greenpeace- oder gar keiner Flagge aufgeräumt wird. Symbolik und Show interessiert mich nicht. Ich bin bloß entschieden dagegen, dass am Freitag demonstriert wird und Samstag bis Donnerstag auf die Umwelt ein Dreck gegeben wird. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Mittel der Demonstration jetzt noch angebracht ist. Ich denke, dass allen das Problem klar geworden ist. Handlung wäre das Gebot der Stunde. Gerne auch zuhause im Kleinen, wenn es um die Urlaubs- oder Einkaufsplanung geht. Helfen wird doch erst richtig interessant, wenn es einem selbst weh tut.