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Bei Rot stehen, bei Grün gehen: Uni diskutiert Ampel für Lebensmittel

Immer mehr Deutsche erkranken jährlich an Adipositas. Fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung ist davon betroffen. Seit Jahren wird im Zusammenhang damit das Thema Lebensmittelampel heiß diskutiert. Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft äußern sich durchaus kritisch.

Ziel dieser Ampel ist es eine Form der Lebensmittelkennzeichnung zu schaffen, die den Gehalt an gesundheitsrelevanten Nährstoffen mit einem Farbsystem kennzeichnet und einordnet. Dabei werden auf der Vorderseite eines Produkts die Anteile an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm bzw. Milliliter farblich abgebildet.

Bei einem Wissenschaftsseminar des Kompetenzzentrum für Ernährung an der Universität Bayreuth wurden die Vor- und Nachteile einer solchen Lebensmittelampel jetzt diskutiert. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst.



Pro Ampel

So argumentieren die Ernährungswissenschaftler:

  • einfache Kennzeichnung soll helfen sich gesund zu ernähren
  • Bilder sind deutlicher zu erkennen als Zahlen
  • durch die Beeinflussung des Kaufverhaltens werden die Hersteller indirekt dazu angehalten ihre Rezepturen zu verändern
  • Die Verantwortung für gesunde Ernährung soll langfristig von den Verbrauchern auf die Hersteller übergehen.

Contra Ampel

Das hält die Zuckerindustrie dagegen

  • Ampel bevormundet die Verbraucher
  • irreführend, da gesunde Lebensmittel wie Milch oder Vollkornbrot in die Kategorie rot fallen
  • differenziert zu wenig: kein Unterschied zwischen Halbfettmargarine oder normaler Margarine
  • setzt falsche Anreize: Cola Light bekommt grün und ist damit vermeintlich gesünder als Fruchtsaft

 

 

Klinikum: Mit der Videobrille gegen den Schmerz

Das gibt es weit und breit nur in Bayreuth. Wer als Schmerzpatient im Klinikum behandelt wird, der kann mit einem Medizinprodukt der etwas anderen Art Bekanntschaft machen. Mit einer Brille, in der Videofilme gezeigt werden.

Die Videobrille. Fotos: Thorsten Gütling

Stefan Scharnagel ist der Teamleiter im Akutschmerzdienst. Er hat dafür gesorgt, dass die Brille am Klinikum Bayreuth eingesetzt wird. Warum? Weil Schmerz im Kopf entsteht. „Je mehr die Psyche dazu kommt, desto schwieriger wird die Schmerzbehandlung“, sagt Scharnagel. Soll heißen: Wer nach einem Unfall nur lange genug auf sein zerquetschtes Bein blickt, der wird sich einreden, dass er Schmerzen hat. Da kann der Körper noch so voller Opiate sein. Ganz ähnliches gilt für Menschen mit Phantomschmerzen.

Stefan Scharnagel, Teamleiter Akutschmerzdienst am Klinikum Bayreuth. 

Scharnagel erzählt, wie er vor Jahren auf der Suche nach einem Weiterbildungsangebot für nichtmedikamentöses Schmerzmanagement war und nirgends fündig wurde. Schließlich entwickelte er selbst einen Kurs, schrieb ein Buch, eine Leitlinie, die mittlerweile zum sogenannten Expertenstandard geworden ist. Die Videobrille ist nur das I-Tüpfelchen, Scharnagel ist ein echter Schmerz-Experte.

Etwa zwei Patienten verlangen pro Tag am Klinikum nach der Schmerz-Brille. Einer ist Thomas Krogemann. Vor wenigen Tagen hatte er eine Operation im Bauchraum, die Wunde hat sich entzündet, die Schmerzen sind ohne Medikamente nicht auszuhalten. Jetzt könnte Krogemann 50 Mal am Tag zur Schmerzpumpe greifen. Krogemann weiß aber, dass das auf die Nieren geht.

Schmerzpatient Thomas Krogemann sucht einen Film aus.

Über die Videobrille hat er zuletzt eine Dokumentation über den New Yorker Central Park geschaut, ging dort regelrecht spazieren, wie er sagt, „bei einer Wahnsinns Bild- und Tonqualität“. Gut 90 Minuten war er abgelenkt oder „audiovisuell entkoppelt“, wie es Scharnagel nennt. Der Zustand der Entspannung, soll noch Stunden später anhalten. Jetzt ist der Schmerz wieder da und Krogemann will wieder ausbüxen – aus seinem Krankenbett, zumindest in Gedanken. Wohin, mit welchem Film, das darf er sich selbst aussuchen. Zur Wahl stehen Dutzende Filme.

Video: Carolin Richter

Einen solchen Film hat Scharnagel sogar selbst produziert. Er zeigt Naturaufnahmen – unter anderem aus dem Fichtelgebirge, aber auch frei verfügbare Naturbilder aus dem Internet. Sein Kollege Martin Zeidler hat die Musik dazu komponiert. Der Film läuft nicht in der Videobrille, sondern auf einem Fernseher. Der steht im Zentrum für Komplementärmedizin am Klinikum, dort findet als Ergänzung zur Schulmedizin die sogenannte „Grüne Sprechstunde“ statt. Die Farbe Grün gilt als entspannend. Ein anderer Film zeigt Sonnenaufgänge. Gelb soll bei Magen-Darm-Problemen helfen, Orange bei Depressionen.

Video: Akutschmerzdienst Klinikum Bayreuth GmbH

Über kurz oder lang könnten die Filme auch über das hauseigene TV-System in alle Patientenzimmer übertragen werden. Pain-TV, also Schmerz-TV, lautet der Arbeitstitel.


Wo die Videobrille außerdem angewendet wird

Ein weiterer Anwendungsbereich der Videobrille: Wer am Klinikum unter Teilnarkose operiert wird, darf die Brille auch tragen. Unangenehme Bohr- und Sägegeräusche werden damit ausgeblendet, eine zusätzliche Beruhigungstablette wird überflüssig. Allerdings: Zumindest in diesem Bereich, wie auch bei Angstpatienten, verwenden auch andere Kliniken bereits die Videobrille. Bei der Schmerztherapie ist das Klinikum Bayreuth dank Stefan Scharnagel aber Vorreiter und weit und breit einmalig.

 

Binnenwanderung: Immer mehr Bayern kommen nach Oberfranken

bt-Kompakt: Kurznachrichten aus Bayreuth vom 30. Januar 2019. Immer mehr Bayern ziehen nach Oberfranken. Rotes Kreuz warnt vor dem Betreten des Eises. Premiere: Frankentatort läuft am Donnerstag im Cineplex.

Krankenpflege: Warum sich die Ausbildung lohnt

Krankenpfleger ist ein schlechte bezahlter Job mit fiesen Arbeitszeiten? Stimmt nicht, findet Thomas Kirpal, der Leiter der Berufsfachschule für Krankenpflege am Bezirkskrankenhaus.

Und es wird bald noch weniger stimmen, weil der Gesetzgeber etwas ändert. Was, das will Kirpal jungen Leuten bei einem Treffen am 24. Januar mitteilen. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Ab dem Jahr 2020 startet bundesweit die sogenannte „generalistische“ Ausbildung im Bereich der Pflege. Auszubildende in den Bereichen Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege werden dann zwei Jahre zusammen geschult. Wie das genau aussieht, was ein Krankenpfleger verdient und welche Karrieremöglichkeiten es in der Pflege gibt, darüber wird am Donnerstag, 24. Januar, 17 Uhr in der „Alten Wäscherei“ des Bezirkskrankenhauses Bayreuth informiert.

bt-Interview mit Thomas Kirpal:

Mitwirkende am Hörspiel "Scherben",

Niclas‘ Kunstprojekt: Ein Weg aus der Depression

Da steht einer in der Mitte und hört Stimmen in seinem Kopf. Sagt er jedenfalls. Immerzu flüstern sie auf ihn ein. Wer diesen Typ da stehen sieht, denkt sich, was der denn will, da flüstern doch tatsächlich Menschen um ihn herum. Das ist real. Da sind ganz echte Menschen, die flüstern und reden. Von wegen Stimmen im Kopf. Doch dann macht man die Augen zu. Man sieht die Menschen nicht, die flüstern, und plötzlich ist man mitten drin im Kopf dieses Typen. Hört sie auch, diese Stimmen. Und versteht ein bisschen besser, wie das ist, wenn die Psyche krank wird.

Noch immer ist es so, dass psychische Erkrankungen mit einem Stigma versehen sind. Ein gebrochenes Bein, klar, darüber spricht man, man sieht den Gips ja auch. Aber eine gebrochene Seele? Niemand kann sich etwas darunter vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat. Man hat nichts zum Vorzeigen, keinen Gips, keine Narbe. Man trifft auf kein Verständnis. Das will eine Gruppe Studierender der Universität Bayreuth mithilfe eines Kunst-Projekts ändern.

Ein Hörspiel mit sieben Darstellern

Scherben. Das ist der Titel eines Live-Hörspiels, das die Studierenden im Februar auf die Bühne bringen – besser gesagt: zu Gehör bringen. Denn das Stück ist als Hörspiel konzipiert, nicht als Schauspiel. Keine Bühne. Fünf Spielorte. Sieben Darsteller. Fünfzig Schlafmasken. Das Publikum hört nur, was passiert. Die Schlafmasken schalten den Seh-Sinn der Zuschauer aus und ermöglichen ganz intensive Teilhabe an der Geschichte einer Gruppe von Menschen, die psychisch krank sind. Im Zentrum steht Alex, ein junger Mann der in eine schwere Depression gefallen ist.

Die Idee zu diesem Live-Hörspiel hatte Niclas Schilling. 22 Jahre alt. Studierender der Musiktheaterwissenschaft an der Universität Bayreuth und Gaststudent im Fach Chorleitung an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. Er hat selbst Erfahrung mit einer psychischen Erkrankung. Als er unter einer Depression und Panik-Attacken litt, wurde ihm am Bezirkskrankenhaus Bayreuth geholfen. Jetzt will er Mut machen, sich Hilfe zu suchen.

Kunst gegen die Depression

Er selbst verarbeitete seine Krankheit in Form von Kunst. Niclas Schilling fing an zu schreiben, entwickelte Charaktere und schließlich ein ganzes Stück, das nun eben zur Aufführung kommen und dazu beitragen soll, dass offen über psychische Erkrankungen gesprochen wird.

Aus seiner eigenen Erfahrung heraus weiß Niclas Schilling aber auch, dass dieses Thema wunde Punkte berühren kann – bei Zuschauern und bei den Schauspielern selbst. Deshalb soll bei den Vorstellungen auch ein Psychologe der Universität Bayreuth anwesend sein. „Uns ist das Wohlbefinden aller wichtig“, sagt Niclas Schilling. Ein Umstand, auf den er auch während der intensiven Probenphase geachtet hat. Es war möglich, erzählt er, dass die Gruppe, die dieses Stück nun auf die Bühne bringt, völlig offen und geschützt miteinander umgehen konnte. Dadurch seien ein „intensives Gruppengefühl“ und eine Dynamik entstanden, die das Stück auch für die Zuschauer zu einem intensiven Erleben machen werden. Ein Erleben, über das im Nachgang diskutiert werden darf. An die Aufführung schließt sich eine offene Fragerunde an.

Vorstellungen des Hörspiels

1. Februar, 19 Uhr, Ahnensaal im Schloss Thurnau
2. Februar: 
13 Uhr, Theaterraum im Audimax der Universität Bayreuth //  19 Uhr, Schokofabrik Bayreuth
3. Februar, 13 Uhr, AV-Studio der Universität Bayreuth am Geschwister-Scholl-Platz // 19 Uhr, Iwalewahaus Bayreuth

Der Eintritt ist frei. Reservierungen sind via Mail unter scherben@schaulustev.de möglich.

Text: Ulrike Sommerer

gestresste Studentin vor dem Laptop mit Stift zwischen den Zähnen

Uni Bayreuth: Wie man psychische Krisen meistern kann

Wer in einer psychischen Krise steckt, fühlt sich auch inmitten seiner gut gelaunten und gesunden Kommilitonen ziemlich hilflos. Die Uni Bayreuth bietet deswegen einen Workshop mit dem Thema „Psychisch fit studieren“ an. Es geht darum Ängste und Vorurteile abzubauen und Schritt für Schritt gemeinsam Lösungswege zu entwickeln. Vor allem sollen die Studierenden gegenüber Warnsignalen sensibilisiert werden und lernen, wie sie selbst für ihr psychisches Wohlbefinden sorgen können oder wer ihnen bei akuten Krisen helfen kann. Auch die Gemeinschaft und das Wissen, nicht allein zu sein kann helfen wieder nach Vorne zu schauen.

Der Workshop findet am 22. Januar von 10 bis 12 Uhr im RW I / H24 statt. Eine Sprechstunde im Büro des Beauftragten für behinderte und chronisch kranke Studierende (becks) wird zudem jeweils dienstags von 10 bis 11 Uhr im SWO angeboten.


Tipps für mehr Lebensfreude

Gesunde Ernährung mit Marika Bange: Rotkohlstrudel (Teil 4)

Im vierten Teil unserer Serie „Gesunde Ernährung mit Marika Bange“ haben wir mit ihr einen Rotkohlstrudel zubereitet. Über die entgiftende Wirkung von Rotkohl hat sie mit uns bereits bei unserem letzten Treffen gesprochen. Deswegen schauen wir uns noch ein paar der anderen Zutaten an. Der Apfel, den Marika Bange für die Füllung dazu gibt, hat eine besondere Bedeutung für den Darm. Das Kohlenhydrat bindet dort die Giftstoffe und leitet sie aus dem Körper. Derselbe Wirkstoff ist in der Birne und der Quitte enthalten. Walnüsse haben Omega-3-Fettsäuren. Diese reagieren empfindlich auf Hitze und sollten erst zum Schluss hinzugefügt werden. Die Wacholderbeeren, die ebenfalls in die Füllung kommen, regen die Nierentätigkeit an. Das ist wichtig, da die Niere ein Ausscheidungsorgan ist. Darüber hinaus ist die Wacholderbeere eines der ältesten heimischen Gewürze und trägt salzige, süße, bittere und saure Geschmackskomponenten in sich. Das macht sie perfekt für die herzhafte und die süße Küche. Für alle, die Probleme mit einem übersäuerten Magen haben, ist die Kartoffel ein Helfer. Sie neutralisiert ein saures Magenmilieu.

Kommen wir zur Maronencreme. Die Edelkastanie hat einen hohen Anteil an Nährstoffen: Calcium, Kalium, Magnesium und Phosphor. Durch den Mineralgehalt haben auch sie eine entsäuernde Wirkung. Mit hinein kommt die Petersilienwurz, also die Wurzel der Petersilie. Diese wirkt verdauungsanregend. Knoblauch und Zwiebeln sind stark antibakteriell und entzündungshemmend, sowohl in roher als auch gekochter Form.

Wer steckt dahinter?

Marika Bange führt eine Kochschule, arbeitet als Ernährungscoach und bietet für Firmen betriebliches Gesundheitsmanagement an. Im ersten Teil haben wir uns der Gewürzmischung „Dukkah“ gewidmet. In Teil zwei bereiteten wir einen leckeren Rote-Beete Salat zu. Im letzten Artikel haben wir einen Blaukrautcappucino gekocht. In den folgenden Wochen werden weitere Artikel zum Thema gesunde Ernährung erscheinen. Anbei finden Sie das Rezept zum Nachmachen.

Das Rezept zum Nachmachen

Strudelteig

200 g Dinkelmehl

100 g Reismehl

20 g Butter

1 Ei (45 g) insgesamt 130 ml Flüssigkeit

1 Prise Salz

Die Teigzutaten gut miteinander verkneten, in eine Folie packen und an einem warmen Ort ca. 30 Minuten ruhen lassen, am Besten dünn mit Butter bestreichen, damit die Oberfläche nicht austrocknet.

Füllung

600 g Blaukraut

1 Zwiebel

1 Apfel

2 Lorbeer

5 Wacholderbeeren

40 g Walnüsse

2 EL Apfeldicksaft

2 EL Balsamico

Salz, Pfeffer

100 g Sahne geschlagen

Gemüse fein hobeln, Zwiebeln und in Würfel geschnittenen Apfel, anbraten bis sie glasig sind, Blaukraut hinzugeben, Gewürze hinzugeben und schmoren lassen, mit Salz, Pfeffer, Apfeldicksaft abschmecken. Den Strudelteig auf einem großen Handtuch sehr dünn zu einem Rechteck ausrollen, mit weicher Butter bestreichen, die Füllung verteilen etwas geschlagene Sahne verteilen und an den Seiten über die Füllung schlagen. Vorsichtig aufrollen, auf ein vorbereitetes Backblech setzten, mit Butter bestreichen und bei 200 Grad ca. 50 – 60 Minuten backen.

Maronencreme

½ Petersilienwurz

1 Pck. Maronen

300 ml Gemüsetee

100 ml Sherry (alternativ Rotwein; wenn Kinder dabei sind: Trauben- oder Apfelsaft)

1 Zwiebel

50 ml Sahne

½ Stange Lauch

5 Wacholderbeeren

1 Lorbeerblatt

Salz, Pfeffer, Knoblauch

Maronen, Lauch, Petersilienwurz, Zwiebel, Knoblauch klein schneiden, anbraten, mit Sherry ablöschen, Gemüsetee, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt hinzufügen und köcheln lassen. Sahne hinzufügen, mit Salz, Pfeffer abschmecken und fein mixen, bis eine schöne Textur entsteht. Vielleicht noch etwas Flüssigkeit hinzufügen, so viel bis eine dickliche Creme entsteht.