Beiträge

Kinder lesen

Kinder und Jugendliche während der Coronakrise – Familien stehen vor einer Zerreißprobe

Aktualisiert am

Die Corona-Pandemie hat momentan großen Einfluss auf das Leben der Menschen. Während Alleinstehende oft mit Einsamkeit zu kämpfen haben, stehen Familien vor ganz anderen Herausforderungen. In einem Interview erklärt die leitende Oberärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, Dr. med. Stephanie Steinmann, wie die Krise am besten gemeistert werden kann.

Familien leisten bemerkenswertes

Es ist ein Spagat zwischen Homeoffice, Beschulung der Kinder, nörgelnden Kleinkinder und genervten Teenagern. Für Familien ist die derzeitige Situation in der Corona-Krise nicht selten eine Zerreißprobe. Und die allermeisten schaffen das sehr gut. Es sei bemerkenswert, was Familien gerade leisten, findet Dr. med. Stephanie Steinmann. Sie ist Leitende Oberärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und – psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth und erklärt, was Familien tun können, um die Zeit auch psychisch heil zu überstehen.

Fünf Wochen (mindestens) keine Schule – das müssen doch paradiesische Zustände für Schulkinder sein, oder? Warum belastet die derzeitige Situation Kinder dann so?

Es sind eben keine Ferien. Und das merken die Kinder deutlich. Alles, was Kinder mit Ferien verbinden, findet gerade nicht statt: rausgehen, Hobbies nachgehen, die Oma treffen, verreisen… Dazu kommt, dass auch die Eltern gestresst sind, weil sie zusätzlich zu ihrer Arbeit auch noch unterrichten müssen. Das normale Leben ist gerade komplett eingeschränkt.

Bei Jugendlichen kommen noch ganz reale Sorgen dazu: Was passiert mit meinen Plänen, was mit meiner Abschlussprüfung, mit dem Wunsch, nach der Schule ins Ausland zu gehen, was wird aus meiner Ausbildung oder meinem Studium? Wir dürfen auch nicht vergessen: Schule ist ja nicht nur ein Ort zum Lernen, Schule ist auch ein Ort sozialer Kontakte. Die Mehrzahl der Schüler geht doch gern zur Schule – und das alles haben die Kinder und Jugendlichen jetzt nicht mehr. Das belastet natürlich. Die derzeitige Situation ist für die gesamte Familie eine große Herausforderung.

Wie lässt sich das auffangen?

Wichtig ist, in dieser veränderten Situation verlässliche Strukturen aufzubauen. Das gibt Halt. Stehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit auf, planen Sie Schulzeit ein, planen Sie die Freizeit. Es ist bemerkenswert, wie gut Eltern es gerade schaffen, diese Situation zu meistern. Gerade mit Blick darauf, dass Eltern auch selbst stark belastet sind.

Wie kann ich meine eigenen Sorgen und den Druck von den Kindern fernhalten?

Ob und in welchem Umfang man Kindern seine eigenen Sorgen zumuten kann, hängt immer auch stark vom Alter der Kinder ab. Was man auf jeden Fall auf der Ebene der Erwachsenen besprechen sollte, sind die wirtschaftlichen Sorgen, die gerade aufkommen können. Mit diesen sollte man die Kinder eher nicht belasten.

Wie viel Wahrheit ist den Kindern zuzumuten?

Das hängt vom Alter der Kinder ab. Allerdings spüren alle Kinder – egal wie alt sie sind – die Realität. Sogar die Allerkleinsten sind von Einschränkungen betroffen und merken, dass etwas nicht stimmt, wenn sie beispielsweise nicht mehr auf ihren Spielplatz dürfen.

Dramatisieren Sie die Situation nicht, verharmlosen Sie sie aber auch nicht. Seien Sie ehrlich. Zeigen Sie den Kindern, dass Sie sie und ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen. Sprechen Sie mit Ihren Kindern. Auch Kinder und Jugendliche werden gerade vollkommen überflutet von den Nachrichten. Vieles lässt sich altersabhängig sachlich besprechen. Und zeigen Sie – auch den Kleinen – auf, was man selbst tun kann, um sich und andere Menschen zu schützen. Also: Hände waschen, Abstand halten, Zuhause bleiben, die Oma eben gerade nicht besuchen. Oder dass Sie älteren Nachbarn Hilfe anbieten. Die Kinder lernen soziale Verantwortung. Eltern können ihnen dies vorleben.

Haben Sie ganz praktische Tipps, wie ich meine Kinder in diesen Zeiten stärke?

Bleiben Sie selbst ruhig. Angst ist ansteckend. Bieten Sie Alternativen zum Gewohnten an, machen Sie Spaziergänge mit den Kindern, statt auf den Spielplatz zu gehen. Nutzen Sie die Zeit, wieder einmal Brettspiele zu machen. Versuchen Sie auch, das Positive in dieser Situation zu sehen. Es entwickeln sich ja gerade auch neue Wege: Wir nutzen neue Wege der Kommunikation, wir skypen mit den Großeltern und halten so Kontakt zu anderen. Wichtig ist gerade, den Kindern Strukturen anzubieten, ihnen Verständnis zu zeigen, mit ihnen den Alltag zu gestalten. Es ist enorm, was Familien gerade leisten. Und darauf darf man als Familie auch stolz sein.


Text: Ulrike Sommerer

Sven Lutz: Fotografieren was verschwindet

Aktualisiert am

Sven Lutz, vielen besser bekannt als Swutz, ist 41 Jahre alt und hat sich ein Ziel gesetzt: Er möchte eine Art digitales Gedächtnis für Bayreuth schaffen. Dazu ist Swutz in jeder freien Minute unterwegs, knipst Fotos von Häusern, Festen und Originalen. Um zu dokumentieren, was für immer zu verschwinden droht.

Ein Video-Interview mit Sven Lutz finden Sie über dem Text.

Urgemütlich aber längst nicht mehr da: Das ehemalige Café Müller an der Oper im August 2015. Foto: Sven Lutz

20 Jahre, tausende Fotos

Auf seiner Internet-Seite finden sich bereits heute mehrere tausend Fotos die zeigen, wie sich das Gesicht der Stadt seit der Jahrtausendwende verändert hat. Und Swutz ist noch lange nicht fertig.

Längst verschwunden: Das Haus Bamberger Straße 17 im April 2007. Foto: Sven Lutz

Hüter der Erinnerung

Kein Leerstand, von dem Swutz nichts weiß. Keine Geschäftsaufgabe, die der 41-Jährige nicht auf dem Schirm hat. Keine Tür, die ihm verschlossen bleibt. Swutz will Gebäude und Menschen vor dem Vergessenwerden bewahren, da kann er hartnäckig sein. Eines Tages will er sein Material dem Stadtarchiv zur Verfügung stellen, natürlich kostenlos.

Abriss des Hauses Eichelweg 37 im September 2015. Foto: Sven Lutz

Kein Geld, kein Stress

Denn Geld hat Swutz noch für keines seiner Fotos genommen. “Weil ich frei bleiben und keine Erwartungen wecken will”, sagt er. Nicht einmal für sein neuestes Projekt “Rent a Swutz” bittet er die Leute zur Kasse. Wer einmal in Bayreuth zuhause war und heute weit weg wohnt, für den zieht Swutz los und zeigt, wie sich die früheren Wohnhäuser verändert haben.

Heute Schuhladen, früher Supermarkt: Der Meisterkauf in der Casselmannstraße im Juli 2009. Foto: Sven Lutz

Aus den Katakomben in die Stadt

Ihren Ursprung hat Sven Lutz’ Liebe zur Fotografie übrigens in den Katakomben unter der Stadt. Seine erste Kamera legte er sich zu, um die geheimnisvoll anmutende Bayreuther Unterwelt zu dokumentieren. Irgendwann war unter Tage aber fast jede Geschichte erzählt und neue Objekte mussten vor die Linse. Mehrere tausend Dokumente der Zeitgeschichte sind seitdem entstanden. Im Netz haben sie jetzt eine neue Heimat. Zu sehen sind Swutz’ Bilder auf www.bayreuth-bilder.de.

Vor dem Umzug: Das Café Florian in der Dammallee im Oktober 2017. Foto: Sven Lutz

Das Freiwilligenzentrum sucht Mitstreiter

Freiwilligenzentrum sucht Helfer

Aktualisiert am

Am Donnerstag, den 3. Januar, werden Mitarbeiter des Zentrums von 14 bis 16 Uhr im Eingangsbereich der Stadtbücherei um neue Helfer werben. Im Interview mit dem Bayreuther Tagblatt erklärt die Leiterin des Freiwilligenzentrums, wo derzeit am Dringendsten Hilfe benötigt wird und warum es sich allemal lohnt, sich  ehrenamtlich zu engagieren.

bt-Interview mit Theresa Mayer

Text & Interview: Thorsten Gütling

Das sagen die Spieler zum Zittersieg gegen Braunschweig

Aktualisiert am

Wir haben im Anschluss an das Spiel “medi Bayreuth vs. Basketball Löwen Frankfurt” mit Bastian Doreth, De’Mon Brooks, und Steve Wachalski gesprochen. Was die drei zusagen hatten, sehen Sie im Interview über diesen Zeilen.

Kurt Eimer, Leiter des Forstrevieres Bayreuth,

Erst Trockenphase, jetzt Starkregen – wie das Bayreuths Wälder verändert

Aktualisiert am

“Wenn ich durch den Wald laufe, höre ich die Nadeln brechen. Eigentlich sind sie ja elastisch”, sagt Kurt Eimer. Er ist Forstrevierleiter in Bayreuth. 58.600 Hektar Wald umgeben Bayreuth, das sind 44 Prozent der Fläche im Amtsgebiet.

Durch die vielen Blaubeersträucher sei der Wald in der Region zwar nicht so sehr anfällig für Brände, wie in anderen Teilen Deutschlands. Doch zum Feuer kann es schnell kommen. Meist ist der Mensch selbst der Verursacher: durch eine weggeworfene Flasche, die im Sonnenlicht zum Brennglas wird oder die Glut eines Zigarettenstummels, der achtlos weggeworfen wurde.

Eine spezielle Waldbrand-Bereitschaft hat es in den vergangenen Wochen trotz Trockenphase nicht gegeben. Doch es zeichnen sich zum Beispiel Veränderungen an den Baumstämmen ab.

Werden so Teile des Waldes bald absterben? Oder wir er durch den plötzlichen Starkregen der vergangenen Tage sogar unterspült?