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Für Wagner in die Wüste: Die Walküre in Abu Dhabi

Die Bayreuther Festspiele in Abu Dhabi. Foto: Doris Steffel-Förster

Die Bayreuther Festspiele in Abu Dhabi. Foto: Doris Steffel-Förster

Interview mit einem Sprayer (Teil 2): „Nach zehn Minuten steigt das Risiko“

Zum Thema Graffiti gibt es so viel zu sagen, wie es Standpunkte dazu gibt. Im ersten Teil unseres Interviews wollten wir wissen, wie der Sprüher Soon zum Malen gekommen ist. Im zweiten Teil gehen wir noch etwas weiter und wollen über Genzen und das Suchtpotential des illegalen Sprühens reden.

Was bedeutet dein Name „Soon“?

Ich hatte früher schon andere Namen mit Doppel-O. Soon ist bei einer wilden Feierei entstanden und beschreibt meinen Charakter sehr gut. Sobald es etwas gibt, das ich will oder für das ich stehe, wird es eben auch “bald“ gemacht. Das OO hat einen Wiedererkennungswert, man kann es gut im Comic-Style verwenden und darin eine Message einbauen. Beispielsweise: Augen weg vom Handydisplay, geht mit offeneren Augen durch die Welt und nehmt euer Umfeld bewusster war! Den Namen, den man sprüht, nimmt man in gewisser Form an, schleift ihn und verbindet ihn mit der eigenen Persönlichkeit.

Bist du auf ein Bild besonders stolz?

Mir bedeutet jedes Bild, das gerade fertig geworden ist, viel. Aber es gab da mal eine richtig große Aktion, die so nie wieder geschehen wird. Das hat mich sehr geprägt und ich weiß, dass das nie wieder so kommen wird.

Gibt es Grenzen?

Es gibt auf jeden Fall Limits. Ich gehe schon bewusst ran und überlege, wo ich das Graffiti platziere. Das sind dann so Sachen wie, ist es ein Altbau oder eine öffentliche Fläche, was ich vorziehe, weil ich keine Einzelpersonen belasten will. Man muss reflektiert darüber nachdenken. Und Limits entstehen auch bei der Ortswahl für ein Graffiti, wie befahrene Autobahnen, Züge und Stromkästen – es ist immer davon abhängig wo und wie man malen geht. Zeit ist aber der wichtigste Faktor um das Risiko klein zu halten.

Foto: Soon.

Wo malst du am liebsten?

Überall ist eine ganz andere Atmosphäre, das ist der Hauptgrund warum ich an unterschiedlichen Medien unterwegs bin. Man kommt an Orte, wo sonst kein Mensch hinkommt und die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht existieren.

Wenn ein Güterzug vorbei fährt und man liegt im Gleisbett und alles vibriert, das ist eine ganz besondere Atmosphäre.

Anders ist es in der Stadt, da ist mehr Leben. Beim Bahnhof weiß man, dass die Security kommen kann. Jeder Ort hat einen anderen Charakter. Nachts in der Stadt ist es diese einkehrende Ruhe, die man trotz der Hektik spürt. Die Stadt schläft, es ist kein Geräusch zu hören und nichts lenkt einen ab. Züge sind die Königsdisziplin, das ist mit viel Planung verbunden und die größte Herausforderung des Malens. Und natürlich auch der größte Sachschaden. Ich male nicht gerne permanent Züge, weil ich auch mal runter kommen will vom Stress und dem Kick. Der Schlafrhythmus geht kaputt, beim Zug ist man um 5 Uhr morgens daheim und muss am nächsten Tag in der Arbeit stehen. Bei Autobahnen spielt auch einfach die Dreistigkeit eine Rolle, die Autos können auf der Autobahn schlecht einfach so anhalten. Man darf auch nicht länger als zehn Minuten brauchen, ansonsten steigt das Risiko. Es kommt auch auf die Lebenssituation an, manchmal ist man sehr risikofreudig und will viel produzieren. Und dann gibt es wieder ruhigere Phasen.

Macht es süchtig?

Auf jeden Fall. Gerade am Anfang der Graffitigeschichte war es übrigens auch ein Mittel um von Gewalt und Drogen wegzukommen.

Es hat einen so hohen Suchtcharakter, dass man sich dabei komplett vergessen und hinten anstellen kann.

Ich trinke zum Beispiel nicht oder sehr wenig, weil es mir wichtiger ist, malen zu gehen als zu saufen. Das Suchtmittel Graffiti hält einen da zurück.

Was denkst du über die Menschen, die sich über Graffiti aufregen?

Einerseits hat man natürlich Verständnis. Auf der anderen Seite denke ich mir, wie kann man sich über Kleinigkeiten wie Farbe und einem Schriftzug an einer grauen Wand so aufregen. Es gibt so viel anderes in dieser Welt über das man sich aufregen kann. Daher ist es dann eher ein Bedauern und auch Wut, worüber und wie Menschen sich aufregen können, die aber selbst nicht besser sind in anderen Bereichen. Wir durchlaufen gerade aktuell einen gesellschaftlichen Wandel mit der Verlagerung nach rechts, Nazipropaganda wird wieder salonfähig, Ausbeutung und Kriege an deren Entstehung der Westen Mitschuld hat, zwingen Millionen Menschen zur Flucht, von der Umwelt haben wir uns schon lange unbewusst verabschiedet und schauen gemütlich von daheim aus bei deren Zerstörung zu.

Die Leute sollten lieber mal bei sich selber anfangen und die wahren Probleme unseres Konsums, und den Umgang mit den Mitmenschen reflektieren. Jeder hat das Recht, den öffentlichen Raum zu gestalten, solange ich dabei niemandem körperlichen Schaden zufüge.

Hast du Angst erwischt zu werden?

Man lernt mit dem Risiko umzugehen und die Anspannung auszuhalten. Abschalten kann man nie, vor jeder Aktion spürt man das Zittern und geht die Konsequenzen durch. Als junge Person ist man natürlich mehr im Schema der Polizei drin. Ich kenne aber auch Familienväter, die immer noch ihre zwei bis drei Züge im Jahr malen und nicht davon loskommen. Irgendwann möchte ich an einen Punkt kommen, an dem ich sagen kann, dass ich erlebt habe, was ich erleben wollte und erreicht habe, was ich erreichen wollte und dann werde ich auf jeden Fall aufhören – oder auch nicht, wer weiß das schon.

Lieber sprühen in Bayreuth oder sprühen in Berlin?

Man ist hier eingeschränkter und hat nicht so sehr den Schutz der Stadt, deshalb muss man vorsichtiger sein. Bayreuth kennt keine Anonymität, weil sich hier irgendwann alle kennen. Man muss sich zurückschrauben, aber es gibt andere Möglichkeiten wie alte Industrieanlagen im Fichtelgebirge.

Was sind die Vorsichtsmaßnahmen?

Sei drei Schritte voraus! Man darf nichts daheim rumliegen lassen und nicht medial kommunizieren. Wem erzählt man von seinem Hobby. Vorher wird ein Ort beobachtet, um ihn einschätzen zu können, um die Gegebenheiten zu checken, Fluchtwege auswählen und manchmal gehen ein bis zwei Leute mit, um dich warnen zu können.

Hast du einen künstlerischen Ansatz?

Künstlerisch will ich mich auf jeden Fall ausleben, es muss schon was hermachen, wenn es der Öffentlichkeit ausgesetzt wird. Kreativität, Planen, das Aussuchen von Farben, das ist ein wunderschönes Spiel ohne Grenzen, bei dem man niemals alles ausprobiert hat. Es fasziniert mich, deswegen lege ich Wert auf Buntes. Es ist eine Mischung aus Kunst, Hobby und dem Protest, sich die Frechheit zu nehmen sein Umfeld zu gestalten.

Ist Graffiti Rebellion? Und wenn ja, wogegen?

Es ist in gewisser Weise urbane Rebellion, wenn man sich die Wurzeln des Graffiti anschaut, wie die Tags entstanden sind. Die sind auf Gangs zurück zu führen, die damit die Gebiete aufgeteilt haben. In den 60ern haben Jugendliche in den Suburbs und Ghettos Amerikas gemerkt, dass sie mit einem Synonym aus dem alternativlosen Leben ausbrechen und damit berühmt werden können. Ein Protest gegen die Leitkultur, indem man sich als Subkultur über Regeln und Normen hinwegsetzt. Ob gesellschaftlich oder politisch variiert von Bild zu Bild.

Für mich persönlich ist es ein Aufschrei gegen die anonyme verstädterte Welt, in der so viele Personen und Reize auf einen einprasseln. Frei vom Zwang der Werbung konsumieren zu können und den Menschen einen Moment des Innehalten zu geben.


So kam es zum Treffen

Besonders einfach ist es nicht, den Kontakt zu einem illegalen Sprüher herzustellen. Noch schwieriger ist die Durchführung. Maskiert, keine Namen, keine Audio-/Videoaufnahmen sind die Bedingungen. Was bedeutet, dass man sich in einem Raum mit einer maskierten Person wiederfindet und als einziges Hilfsmittel Stift und Papier hat. 

Das Theater, das sich nur 20 Tage hielt

Auf dem früheren Baywa-Gelände in St. Georgen steht ein Haus, das bald dem Erdboden gleich gemacht wird. Zeit, seine kuriose Geschichte zu erzählen.

Das Haus war einmal die Kantine der Firma Knorr, als in St. Georgen noch die legendäre Erbswurst hergestellt wurde, eines der ältesten industriell hergestellten Fertiggerichte der Welt.  Im Jahr 1980 aber versprach ein Drehbuchautor diverser Karl-May-Filme den Bayreuthern, darin ein Theater von Welt aufzubauen. Nach 20 Tagen und nach Sekt und Langusten floh der Mann aus der Stadt.

Der bekannte Bayreuther Hobbyhistoriker Stephan Müller ist der Sache auf den Grund gegangen und erklärt, welche Folgen diese Geschichte hatte. Unter anderem stießen danach zwei junge Theater, die Studiobühne und der Kulturstadl, auf große Skepsis in der Stadt.

Hier ist seine Geschichte:

„Dengers Inseltheater beginnt am 30.12.1980 sein 500jähriges Bestehen“. Mit dieser vollmundigen Anzeige vom 27. Dezember 1980 lockte der weltgereiste Literat Fred Denger die Bayreuther in sein kleines Unterhaltungstheater, die frühere Knorr-Kantine, in der Hugenottenstraße. Nun: 500 Jahre sind es nicht geworden. Nach nur 20 Tagen war das Inseltheater pleite und der Theaterchef über alle Berge.

Doch beginnen wir die Geschichte von vorne: Mitte Oktober 1980 war Fred Denger, Autor von vielen Edgar-Wallace-Drehbüchern und der Karl-May-Filme „Der Ölprinz“, „Old Surehand“ oder „Halbblut Apanatschi“, von Berlin nach München unterwegs. In der Landeshauptstadt wollte er ein Theater übernehmen. Bei Bayreuth verließ er die Autobahn um einen alten Freund zu besuchen. Der Marquis Salou, der Bayreuther Bürgerschreck schlechthin, betreibt zu dieser Zeit das Kult-Nachtlokal „Marquis Galerie“ in der Carl-Schüller-Straße 31.

Idee in bierseliger Runde

Dort trifft er auf den Marquis Salou und auf Stadtrat Bernd Mayer. Nach einer längeren bierseligen Diskussion haben die beiden Fred Denger umgestimmt. Der schmeißt seine Münchner Pläne über den Haufen und beschließt in Bayreuth ein Privat-Theater zu eröffnen. Schon wenige Tage später mietet der Berliner eine Zweitwohnung in Seulbitz und geht das Unternehmen an.

Hochzeit mit der Ex-Frau des Sohnes

Wer Fred Denger eigentlich ist, brauchte man auch in Bayreuth niemandem lange erklären. Aufgrund seines wilden Lebensstils und seiner zwölften Scheidung war er bundesweit bekannt. Gerade eben hatte er es wegen letzterem ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Ebenfalls nicht gerade alltäglich war, dass Barbara, seine zwölfte Frau, die Ex-Frau seine Sohnes Atz-Maria war. Mit der Heirat wurde sein Enkelsohn gleichzeitig sein Stiefsohn.

Für die Bayreuther war ein bundesweites Aufsehen also garantiert. Über die Medien bereitete Denger sein Theaterunternehmen vor. Er kündigte an, dass ihm persönlich bekannte Schauspieler wie Gert Fröbe oder Heidi Kabel sicherlich nur für ihre Spesen in Bayreuth auftreten werden.

Der rührige Spinner wird zum Stadtgespräch

So wandte er sich mit mehreren Anzeigen an die „hochwohllöbliche Einwohnerschaft von Bayreuth“, um Spenden für den Start zu sammeln. Ohne eine Spielstätte zu haben, kündigte er schon einmal die erste Premiere für den 30. Dezember 1980 an. Die Geschichte von dem „rührigen Spinner“ und seinem „utopischen Vorhaben“ wurde zum Stadtgespräch.

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Nun suchte Denger „Patronatspersonen“, „Stuhlpaten“ und Leute die unter dem Motto „Tausche Kunstgenuss gegen Mitarbeit“ mit anpacken sollten: „Wer beim Aufbau oder Betrieb des Theaters hilft, bekommt Freikarten!“ Schnell boten Kulturschaffende wie der Notar Friedrich Schmidt, der spätere Kulturpreisträger Peter J. Osswald, Stadtrat Konrad Frick oder Franz Freiherr von Waldenfels ihre Hilfe an.

Nur noch in Mönchskutte zu sehen

Er selbst setzte sich auffällig und wirkungsvoll in Szene, in dem er fortan in Bayreuth nur noch in Mönchskutte zu sehen war. Damit erinnerte er an den eigenwilligen Markgraf Georg Wilhelm, der selbst als „Einsiedler“ in der Eremitage die Kutte trug. Der „Duft der großen weiten Welt“ wehte nach Bayreuth.

In den ersten Dezember-Tagen fand er tatsächlich einen Raum für sein Theater. In der ehemaligen Werkskantine der Firma Knorr auf dem Gelände der Spedition Siebert in der Hugenottenstraße im Stadtteil „Insel“ wird sofort fleißig gewerkelt.

Viel Geld wird investiert

Er gründete den Verein „Inseltheater Bayreuth e.V.“, schloss für 2.885 Mark im Monat einen Pachtvertrag, ließ sich für 32.000 Mark 100 hochmoderne Clubsessel und Tische anliefern und stattete den Theaterraum mit einer kompletten technischen Einrichtung einschließlich Montagekosten im Wert von 5.500 Mark aus. Für 9.000 Mark engagiert er die Schauspielerin Anne Lange, die ab dem 30. Dezember zwei Wochen lang täglich den größten Wurf seiner Karriere, das Ein-Personen-Stück „Langusten“, spielen soll. Dem Ensemble des Münchner Piccolo-Theaters, die mit zwei Einakter von Dürrenmatt und Puppentheatervorstellungen nach Bayreuth kamen, verspricht er für 16 Spieltage eine Gage von 32.000 Mark.

Fred Denger war Jahrzehnte als Schriftsteller erfolgreich. Gerade feierte er mit seinen modernen Bibel-Übersetzungen der beiden Testamente („Der große Boss“ und „Der Junior-Chef“) einen weiteren Erfolg als Buchautor. Ein Theater leiten konnte er aber nicht.

Prominenz verschmäht Langusten

Verträge und Mietverhandlungen, die Buchhaltung, die Abrechnungen mit Künstlern und Finanzamt waren seine Sache nicht. Tägliche Vorstellungen mit Eintrittspreisen von 25 Mark waren für Bayreuth zu viel. Selbst die Langusten, die er zur Premiere in Massen bereithielt, fanden für 20 Mark das Stück keine Abnehmer bei der Prominenz.

Schauspieler warten auf ihre Gage

Am Sonntag, den 18. Januar 1981, zwanzig Tage nach der ersten Premiere, kam schon das Finale. Die Schauspieler des Piccolo-Theaters wollten ihre Gage und mussten von Denger erfahren, dass er kein Geld hat. Trotz zwei ausgebuchter Puppentheatervorstellungen reisten die Münchner mit einem geschnalzten Fluch auf Nimmerwiedersehen ab. Regnier bekam für seine Wedekind-Rezitation beim literarischen Frühschoppen gerade einmal 65 Mark, Anna Lange erhielt 650 Mark – vereinbart waren 9.000.

Am nächsten Tag ist Denger weg

Zu der Provinzposse gehört auch, dass noch am selben Tag, als in der Lokalpresse Dengers „Finale“ verkündet wurde, ein Nachfolger bereit stand. Der Künstler Wolfgang Stöckmann übernahm das Inseltheater und führte es ab Mitte März als „Harlekin“ weiter. Ende Mai 1982 hatte auch Stöckmann Schulden in Höhe von 100.000 Mark angehäuft und auch das „Harlekin“ musste schließen.

Aber Denger kommt zurück

Im Juli 1982 erschien Fred Denger wieder in Bayreuth. Die Pleite seines Inseltheaters hatte einen gerichtlichen Epilog vor dem Kadi. Die Berliner Firma, die die Lichtanlage in das Inseltheater einbaute, hatte Strafanzeige gestellt. Denger konnte glaubhaft versichern, dass er den Auftrag zum Einbau der technischen Anlagen nur deshalb veranlasste, weil er zahlreiche Zusagen von Förderern auf finanzielle Unterstützung hatte. Diese Hilfe sei wider Erwarten ausgeblieben. Das Bayreuther Amtsgericht sprach ihn frei. Etwas über ein Jahr später starb Fred Denger am 30. Oktober 1983 in Hohegeiß im Harz.

Studiobühne und Kulturstadl haben’s schwer

Zwei neu gegründete Amateurtheater hatten indes riesige Schwierigkeiten. Der Studiobühne in der Röntgenstraße (1980) und dem Brandenburger Kulturstadl in der Brandenburger Straße (1982) schlug von Oberbürgermeister Hans Walter Wild oder der Sparkasse, die nun Eigentümer von Tischen und Stühlen im Wert von 32.000 Mark war, große Skepsis entgegen. „Doch hier sind“, so schrieb Eberhard Wagner damals in einem Leserbrief, nur ein „paar bescheidene Leutchen aus Bayreuth“ zugange: „Im Buch der Rekorde stehen die nicht!“

Die beiden Theater haben sich mit Idealismus durchgesetzt. Sie sind nach über drei Jahrzehnten nicht mehr aus der Kulturszene wegzudenken. „Der provinzielle Snobismus mit Langusten und Sekt“ hielt nur 20 Tage.

Übrigens: Das Gebäude muss weichen. So wie zuvor schon die benachbarten Baywa-Silos, die ebenfalls einst ein Teil der Knorr-Werke in St. Georgen waren. Die Stadt plant dort ein völlig neues Quartier mit Wohnungen und Handwerk.


Text und Fotos: Stephan Müller

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Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es künftig hier beim bt. Darunter Geschichten wie diese die bisher in keinem Buch veröffentlicht wurden.

 

Claus Schmidt mit seinem selbstgemachten Gin

Der Gin aus Bayreuth und wie man ihn trinkt

Gin ist ein klarer Schnaps aus Wacholderbeeren, der mit bis zu 120 Gewürzen und Zutaten aromatisiert werden kann. Darunter sind zum Beispiel Ingwer, Muskat, Orangenschalen oder Koriander. Die Aromatisierung kann während der Destillation oder im Nachgang geschehen. In der EU muss er einen Alkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent oder höher besitzen. Ob London Gin, Dry Gin oder Sloe Gin – die Sorten sind vielfältig.

Claus Schmidt's Ginsorten

Claus Schmidt’s Ginsorten, Foto: red

Claus Schmidt aus Bayreuth, Inhaber des Gasthofes „Zum Brandenburger“, ist Gin-Liebhaber und brennt sein Feierabendgetränk seit zwei Jahren selbst. Es hat einige Monate gedauert bis er gemeinsam mit seiner Frau das finale Rezept kreiert hatte. Heute bietet er seinen Gästen zwei selbstgemachte Sorten an: „Schmidt’s Gin“ und „Silke’s Pink Gin“, jeweils aus zwölf Zutaten bestehend. Wenn Nachschub gebraucht wird, lässt er je 50 Liter neuen Gin in einer Destillerie in der Fränkischen Schweiz nach seinem Rezept brennen. Zwei Tage später ist das Getränk fertig zur Abfüllung in Glasflaschen mit einem Liter Fassungsvermögen. Von geschmacklich intensivem Tonicwater, Gurken oder Eiswürfeln im Gin, hält Schmidt nichts. „Nur mit einem milden Tonic bleibt der Gin-Geschmack erhalten und wird nicht übertüncht“, sagt er. Wie der 64-Jährige zum Gin-Brennen gekommen ist, und wie er seinen Gin am liebsten trinkt, verrät er uns im Video über dem Text.

 

Jutta Bühl aus Bayreuth ist leidenschaftliche Gin-Trinkerin, zählt um die 40 Gins in ihrer Sammlung und mag es abwechslungsreich. An ihre Gins dürfen nur ausgewählte Tonic-Water. Denn auf die richtige Kombi kommt es an:

bt-Interview mit Jutta Bühl

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Für alle, die von Gin nicht genug bekommen können oder ihre Lieblingssorte noch nicht gefunden haben, bietet die App Ginventory einen Überblick. Sie zeigt nicht nur an, welche Gin-Sorten existieren, sondern auch mit welchem Tonicwater oder welchen Beilagen, wie Gurken oder Zitrusfrüchten, man die einzelnen Gins bestmöglich kombinieren kann. Ginventory ist im App Store und im Google Playstore erhältlich.

Theaterprobe beim TSV Harsdorf.

Was das Amateurtheater so reizvoll macht

Dicht gedrängt sitzen die Besucher in einer großen Turnhalle. Fränkische Mundart hallt durch den Raum. Die Besucher schauen gebannt auf die Bühne. Dann schütteln sie sich vor Lachen. Draußen, im Foyer, liegt der Duft von Wiener Würstchen in der Luft. Fränkisches Laientheater erfreut Jung und Alt. Aber warum?

Wir haben mit Simon Isser, dem Präsidenten des Bundes Deutscher Amateurtheater darüber gesprochen, woher die Begeisterung bei Zuschauern und Aktiven für das Amateurtheater kommt und was besonders beliebt ist. Isser war am Sonntag, den 13. Januar zu Gast im Brandenburger Kulturstadl, anlässlich der Aufführung der „Prinzessin auf der Erbse“.  Im „Brannaburger“ wurden von 1982 bis heute 3.847 Vorstellungen ehrenamtlich gespielt. Das Ensemble pflegt Kulturpartnerschaften mit dem Theater Le Escoliers Annecy und mit dem theater-spiel-laden Rudolstadt, der das erwähnte Märchen am Sonntag in Bayreuth zeigte.


bt-Interview mit Simon Isser

Wie viele Mitglieder oder Ensembles hat der Bund Deutscher Amateurtheater aktuell? Wie hat sich das in den vergangenen Jahren entwickelt?

Der Bund Deutscher Amateurtheater ist der Dachverband der Amateurtheater in Deutschland. Dort sind die sind die 16 Landestheater der einzelnen Bundesländer Mitglied, so auch der Verband Bayerischer Amateurtheater. Aber insgesamt kann man davon ausgehen, dass aktuell etwa 2.500 Mitgliedsvereine im Bereich Deutscher Amateurtheater organisiert sind. Diese Zahl ist relativ stabil geblieben in den vergangenen Jahren. Es kommen jetzt aber zunehmend wieder neue Gruppen dazu. Es gibt nach wie vor, und immer noch, ein großes Bedürfnis nach Amateurtheater: Es kommen junge Gruppen dazu, aber es gibt auch Gruppen, die schon seit über 100 Jahren aktiv sind. Der Verband ist schon 125 Jahre alt: einige Gruppen sind schon von Anfang an mit dabei. 

Welche Sparten sind bei den Gruppen Deutscher Amateurtheater mit vertreten?

Es sind nahezu alle Formen des Amateurtheaters bei uns miteinander verbunden. Vom Mundart-Theater, über Kinder- und Jugendtheater oder Freilichtbühnen. Auch Seniorentheater ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir haben eine sehr große Bandbreite vertreten. Natürlich stehen auch anspruchsvollere Schauspiele auf dem  Abendspielplan. Da ist alles dabei. Auch die neueren Formen wie Puppentheater, Tanztheater, Clownerie und Zirkus kommen dazu.

Woher kommt die Begeisterung für das Amateurtheater Ihrer Meinung nach? Was ist der Antrieb?

„Der Antrieb für die Zuschauer ist einfach dieses handgemachte Live-Erlebnis, was einem kein Kinofilm oder keine Fernsehserie bieten kann. Es ist echt. Oft auch mit einem Heimatbezug in den Themen der Stücke, die dort bearbeitet werden. Amateurtheater zu machen, ist einfach diese unglaubliche Lust am Darstellenden Spiel und auch am Geschichten erzählen bzw. Geschichten auch immer wieder neu zu erzählen. Es gibt ja ganz viele Bühnen, die historische Themen immer wieder neu aufarbeiten – mit regionalen Bezügen, Bezügen zur aktuellen Zeitentwicklung oder auch in der heimischen Mundart. 

Amateurtheater macht unglaublich Spaß! Die beste Förderung für Amateurtheater ist schlichtweg jeder einzelne Zuschauer, der hingeht und sich eine Karte kauft.“

Wie populär ist Amateurtheater beim jüngeren Publikum?

„Ich erlebe immer wieder, dass es v.a. in der Vorweihnachtszeit rappelvolle Häuser gibt, wenn zum Beispiel Märchen gespielt werden. In Bayreuth wird ja am Sonntag auch ein Märchen-Theater zu sehen sein. Die Nachfrage ist nach wie vor da. Wir haben den Deutschen Amateur-Theaterpreis „amarena“, den wir alle zwei Jahre verleihen. Eine feste Kategorie ist hier immer das Kinder- und Jugendtheater, wo wir wirklich viele Einsendungen und Bewerbungen bekommen und dabei wirklich packende Jugend-Theaterproduktionen sehen.“ 

Inwiefern unterstützt der Bund Deutscher Amateurtheater die einzelnen Ensembles regelmäßig?

„Es gibt verschiedene Projekte, die wir als Verband organisieren. Zum Beispiel bieten wir Fortbildungen, auch für Leute die Theatergruppen leiten. Wir unterstützen Bühnen bei bundesweiten Vorgängen, wie z.B. Versicherungen, Verhandlungen mit der GEMA oder anderen Rechtsträgern, die auch immer wieder Thema im Amateurtheater sind. Wir organisieren außerdem nationale und internationale Festivals und Austauschprojekte von bestimmten Gruppen.

Auch die einzelnen Landesverbände bieten u.a. Regisseuren, Maskenbildnern oder Mitarbeitern in der Jugendarbeit ein riesiges Fortbildungsprogramm. Sie unterstützen die Gruppen in allen Disziplinen des Theaters und bieten Treffen und Verbandstage in einzelnen Regionen an. Auf der ideellen Ebene gibt es einen Austausch zur Gestaltung von Spielplänen: Was Stücke wären, die funktionieren oder Themen, die gerade interessant sind. Da passiert ganz viel.“

Vielen Dank für das Gespräch und einen schönen Tag!

„Danke auch, ebenso!“

09. Januar 2019


Theater auch in Harsdorf

Übrigens: Im Landkreis Bayreuth gibt es mehr als zehn Amateurtheatergruppen, die meist einmal pro Jahr ein Stück in Mundart zeigen. Eine davon ist die Theatergruppe des TSV Harsdorf, die in dieser Saison das Stück „Chaos im Bestattungshaus“ im Sportheim auf die Bühne bringt. Ein Stück für alle, die eher „leichte Kost“ mögen und gerne lachen, wie Schauspielerin Heike Schoberth-Wesser sagt.

Den Reiz des Amateurtheaters erklärt Schoberth-Wesser, die selbst schon seit 27 Jahren spielt, so:

„Ich mag es, andere Menschen zum Lachen zu bringen und, dass sie einfach mal ihre Sorgen für ein paar Stunden vergessen können.“

Die Harsdorfer Theatergruppe bietet auch regelmäßig eine Aufführung für Menschen mit Handicap an. Schoberth-Wesser sagt, dass es sie glücklich mache, wenn sie am Ende der Aufführung im Publikum glückliche Gesicherter erblicke.

„Ich mag es außerdem, wenn ich mir eine Rolle nach und nach erarbeiten kann und, dass man mit anderen in einer Gruppe etwas auf die Beine stellt. Und die Spannung, die man spürt, bevor eine Aufführung losgeht, reizt mich auch.“

Die Harsdorfer Theatergruppe spielt jedes Jahr zehn Aufführungen. Die nächsten Termine sind:

  • am 19. / 20. / 26. / 27. Januar und am 1. und 2. Februar 2019
Autor Stephan Müller

„Dunkle Geschichten aus Bayreuth“ – ein Gespräch mit Autor Stephan Müller

„Dunkle Geschichten aus Bayreuth – schön & schaurig“ heißt das neueste Werk der Autoren Stephan Müller und Gordian Beck, die sich bereits durch das Kulturstadl kannten. Knapp 30 Geschichten erzählen von Mord, Irrtum und dunklen Kellern in Bayreuth, meist mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. Geschichten, die lange her sind. Und Geschichten, die die Autoren selbst miterlebt haben.

Er war bisher als freier Journalist, Statist bei den Bayreuther Festspielen und langjähriger Gästeführer tätig. So konnte Stephan Müller bizarre und geheime Geschehnisse in Bayreuth hautnah mitverfolgen. Wir haben ihm auch einige persönliche Fragen gestellt, um zu verstehen, wie der Autor der dunklen Geschichten privat tickt:

bt-Interview mit Autor Stephan Müller

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Wie es zur Kooperation mit Autor Gordian Beck kam, wie das Buch entstanden ist, und welche Geschichte Stephan Müller selbst besonders reizt, haben wir für Sie im Podcast beleuchtet:

Podcast mit Autor Stephan Müller zu „Dunkle Geschichten aus Bayreuth“

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Dunkle Geschichten aus Bayreuth, Buch

Buch: Dunkle Geschichten aus Bayreuth, Foto Redaktion

 

„Dunkle Geschichten aus Bayreuth – schön & schaurig“

Stephan Müller / Gordian Beck

Wartberg Verlag, 2018

ISBN: 978-3-8313-3230-4

Preis: 12,00 Euro