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Keine Chance den Viren – fünf Tipps für Eltern: So kommt die Familie besser durch die Infektsaison

(djd). Bei Erkältungssymptomen schwingt bei jedem Hüsteln das mulmige Gefühl mit, dass der Nachwuchs sich vielleicht mit dem Corona-Virus infiziert haben könnte. Dennoch sollten Eltern sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ein starkes Immunsystem und Hygienemaßnahmen schützen.

Stadtrat Prof. Walter Wagner (CSU): „Ein Neubau des Bayreuther Klinikums ist die beste Lösung“

Im Interview mit dem Bayreuther Tagblatt spricht Stadtrat Prof. Walter Wagner (CSU) über einen potentiellen Neubau des Bayreuther Klinikums, den Stellenwert des Sports in Bayreuth und mehr. 

Aug‘ in Aug‘ mit den Straftätern: Die erste Kriminologin am BKH

Als Jugendliche hat sie Krimis verschlungen. Wenn andere in der Eisdiele jobbten, machte sie Praktika im Knast. Stefanie Koel ist 39 Jahre alt und die erste Kriminologin, die das Bezirkskrankenhaus Bayreuth (BKH) beschäftigt.

Im BKH werden Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Ein Teil des Geländes gleicht aber eher einem Hochsicherheitstrakt als einem Krankenhaus. Wer dort rein will, muss durch eine Sicherheitsschleuse, muss sich ausweisen, muss Handy und Schlüsselbund abgeben. Wer drin ist, dem öffnen sich Türen nur durch Eingabe eines Sicherheits-Codes. Die Patienten dort sind eigentlich Gefangene. Wegen psychischer Erkrankungen, weil sie Drogen brauchten oder unter solchen standen, haben sie teils schwere Straftaten begangen. Haben vergewaltigt oder versucht zu töten. Weil sie nicht nur büßen, sondern auch geheilt werden sollen, sitzen sie nicht im Gefängnis, sondern in der Abteilung für Forensik am BKH ein. Hier arbeitet Stefanie Koel.

Jung, männlich, unqualifiziert

Die gut 20 Patienten auf ihrer Station sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. Kaum einer hat einen Schulabschluss, geschweige denn einen Beruf erlernt. Fast alle sind sie wegen Drogen auf die schiefe Bahn geraten. Die meisten wegen Crystal, das bedingt die Nähe Bayreuths zur tschechischen Grenze. Andere wegen künstlich hergestelltem, hochdosierten Cannabis, kurz: Spice. Unter den Patienten ist keine einzige Frau.

Trotzdem spricht die 39-Jährige von einem Traumjob. Die Frage, warum manche Menschen straffällig werden und andere nicht, habe sie schon immer fasziniert, sagt Koel. Sie empfinde keine Angst, wenn sie den Straftätern meist alleine gegenüber sitze. Was im Ernstfall zu tun wäre, weiß Koel genau. Aus Deeskalationskursen zum Beispiel. Sie weiß außerdem, wie sie sich kleiden muss. Und dass es besser ist, in der Nähe der Tür zu sitzen und das Funkgerät mit dem Alarmknopf nicht aus den Augen zu lassen. Spurlos an ihr vorbei gehen die Biografien der Täter, vor allem die der Sexualstraftäter, trotzdem nicht.

Auch ich bin entsetzt, wozu Menschen fähig sind.

(Stefanie Koel, Kriminologin)

Ein Recht auf Sucht

180 Patienten gibt es in der Forensik am BKH. Das Bayreuther Bezirkskrankenhaus ist eine von 14 sogenannten Maßregelvollzugsanstalten in Bayern. Wer aus Bayreuth und der Umgebung im Drogenrausch oder wegen psychischer Krankheiten eine Straftat begeht, der landet hier. Die meisten Patienten haben den Entzug schon hinter sich, bevor sich Koel um sie kümmert. Etwa zwei Jahre gibt der Gesetzgeber ihr und ihren Kollegen danach Zeit, die Sucht, die zur Straftat führte, zu therapieren. Sind dann noch Strafen zu verbüßen, werden die bei positiven Prognosen von Koel und ihren Kollegen zur Bewährung ausgesetzt. Das gilt selbst dann, wenn Koel und ihre Kollegen dem Patienten nicht helfen konnten.

Es gibt auch ein Recht darauf, in Sucht zu leben, wenn man das will.

(Stefanie Koel)

Wer wann entlassen wird, das entscheidet nicht Koel, sondern Gerichte – allerdings auf Basis unter anderem ihrer Gutachten. Es ist ein Spagat zwischen zwei wichtigen Aufgaben: dem Schutz der Allgemeinheit vor Straftätern auf der einen Seite und der Wiedereingliederung der Patienten in die Gesellschaft auf der anderen. Dafür bekommen die Patienten am BKH Handlungsmuster an die Hand, um im Krisenfall anders als zum Beispiel mit Gewalt reagieren zu können.

Stefanie Koel. Foto: Andrea Franz

Wohnungssuche und Bewerbungstraining

Je gelockerter der Vollzug zum Ende der Therapie werde, umso mehr kümmern sich Koel und ihre Kollegen darum, dass der Patient lernt, Bewerbungen zu schreiben. Dass er eine Wohnung findet und eine Arbeit. Und dass die ersten Aufeinandertreffen mit den Personen des gewohnten Umfelds möglichst konfliktfrei vonstatten gehen.

Ein Restrisiko bleibt aber immer.

(Stefanie Koel)

Und wer rückfällig werde, das entscheide zu einem gewissen Anteil auch der Zufall. Immerhin 80 Prozent der Patienten haben sich auch ein Jahr nach der Entlassung noch nicht wieder etwas zu Schulden kommen lassen. 70 Prozent sind immernoch drogenfrei. Diese Zahlen noch zu steigern hat sich Stefanie Koel zur Aufgabe gemacht.

Ich brenne für diese Tätigkeit.

(Stefanie Koel)

Handschmeichler: Festhalten, wenn es ernst wird

Sie sind aus Zirbenholz. Weil es weich ist, sich gut verarbeiten lässt und angenehm riecht. Schreinermeister Erwin Wölfel aus Kleinhül bei Hollfeld und seine Mitarbeiter haben 30 Holzkreuze als Handschmeichler gefertigt und jetzt der Klinikseelsorge des Klinikums geschenkt. Sie gehen Stück für Stück an Patienten, die schwer krank sind und „etwas zum Festhalten brauchen“, sagt Rita Grzonka, Pastoralreferentin der katholischen Klinikseelsorge.

Es ist schon ein paar Jahre her. Damals begleitete Rita Grzonka einen Patienten auf dessen letztem Weg. Irgendwann brachte sie ihm einen Handschmeichler mit. Der tat dem Mann gut. Er wollte etwas zurückgeben für all die Fürsorge und Betreuung und bat deshalb seinen Schwiegervater, ein paar Handschmeichler zu schreinern.

Nach dem Tod des Patienten habe ich sie dann in seinem Sinn an Menschen verschenkt, bei denen es mir hilfreich und angemessen erschien.

(Rita Grzonka)

Auch auf der Palliativstation. Einer Mitarbeiterin dort gefielen die Handschmeichler wiederum so gut, dass sie Schreinermeister Erwin Wölfel bat, 30 Stück herzustellen. „Ich habe spontan ja gesagt“, sagt der 58-Jährige. Und er hat sich damit viel Mühe gemacht. Mehrere Modelle eines Holzkreuzes hat er geschreinert, das Zirbenholz mit Bedacht ausgewählt.

Immer wenn in der Schreinerei ein bisschen Zeit war, haben sich Wölfel und seine Mitarbeiter an die Handschmeichler gemacht. Sie sind reine Handarbeit. 30 Stück sind so zusammengekommen und eine kleine Kiste, beides überreichte Wölfel jetzt der Pastoralreferentin.

„Für mich ist das ein kleiner Schatz“, sagt Rita Grzonka. „Ich werde sehr sorgfältig damit umgehen.“

Die kleinen Holzkreuze gehen an Patienten, denen dieses Symbol etwas bedeutet, die etwas zum Festhalten brauchen, weil sie vielleicht viel allein sind.

(Rita Grzonka)

Schreinermeister Wölfel freut das. „Es ist schon eine besondere Arbeit, diese Handschmeichler zu machen“, sagt er. „Es berührt mich, weil ich weiß, wozu sie dienen werden.“

Uni Bayreuth: Blutgefäße aus dem 4D-Drucker

Feinstrukturierte Blutgefäße können in Zukunft möglicherweise mit einem Drucker hergestellt werden. Die Grundlagen dafür erforscht der Chemiker und Materialwissenschaftler Leonid Ionov mit einer Arbeitsgruppe an der Universität Bayreuth.

Arpan Biswas, Postdoc am Lehrstuhl für Biofabrikation der Universität Bayreuth, und Lehrstuhlinhaber Leonid Ionov (rechts). Foto: Christian Wißler.

120.000 Euro von Volkswagen

Das Ziel: Dünne Polymerschichten sollen so strukturiert werden, dass die Moleküle von selbst Gefäße in den verschiedensten Größen und Strukturen herstellen. Ein 4D-Drucker, der die Zeit als vierte Dimension einbezieht, soll die Schichten erzeugen und in die nötigen Ausgangspositionen bringen. Das kürzlich gestartete Vorhaben wird von der VolkswagenStiftung mit 120.000 Euro gefördert.

Trotz der enormen Fortschritte in der Implantationsmedizin gibt es für die Herausforderung, feinste Blutgefäße mit hoher Präzision in den jeweils benötigten Strukturen herzustellen, noch keine befriedigende Lösung. In unserem Projekt verfolgen wir daher einen neuen Ansatz, der zwei wissenschaftliche Arbeitsgebiete kombiniert: Die Polymerwissenschaften erforschen die Fähigkeit von Molekülen, sich unter definierten Bedingungen in neuen räumlichen Strukturen zu organisieren, und haben dabei beeindruckende Resultate erzielt. Parallel dazu sind Techniken und Anwendungen des 4D-Drucks zunehmend verfeinert worden. Deshalb wollen wir jetzt Polymerschichten drucken, die so strukturiert sind und miteinander wechselwirken, dass daraus von selbst Gefäßstrukturen entstehen, wie sie in der Medizin benötigt werden.

(Leonid Ionov, Projektleiter)

Charakteristisch für Blutgefäße sind sogenannte „Kreuzungen“, bei denen sich zwei Gefäße zu einem neuen Gefäß verbinden. Diese Strukturelemente können mit den bisherigen Techniken des 3D-Drucks nicht mit der nötigen Präzision reproduziert werden. Indem die Bayreuther Forscher die Druck-Programmierung nicht nur auf räumliche Strukturen, sondern auch auf die Zeit als vierte Dimension ausrichten, wollen sie eine sogenannte  molekulare Selbstorganisation ermöglichen, die solche Kreuzungen erzeugt – ohne dass die Verbindungen zwischen den jeweiligen Gefäßen undicht sind. Die Wissenschaftler bezeichnen ihr Vorhaben auch als „Mikro-Origami“. Der Name spielt auf die japanische Faltkunst an, die allein durch die in ihrer zeitlichen Abfolge definierten Papierfaltungen die unterschiedlichsten Figuren und Muster hervorbringt.

Nächster Schritt: Materialien finden

Wenn sich die Forschungsarbeiten als erfolgreich erweisen, stehen die Bayreuther Wissenschaftler vor einer weiteren Herausforderung: polymere Materialien zu finden, die nicht allein die nötigen Potenziale zur Selbstorganisation aufweisen, sondern auch im Organismus keine Abstoßungsreaktionen oder Infektionen hervorrufen.