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Rosenau: Jetzt geht’s dem Kater an den Kragen

Im Mai werden es zwei Jahre, dass der Tanzsaal der Rosenau wegen einer missglückten Feuerwerksprobe den Flammen zum Opfer fiel.

Heute steht nur noch der Hauptbau, in der erst wenige Tage vor dem Brand die Gaststätte „Zum Kater“ eröffnet worden war. Weil aber auch dieses Gebäude nach Brand und Löscharbeiten als wirtschaftlicher Totalschaden einzustufen ist, wird es jetzt auch abgerissen.

Hans-Joachim Leipold, der Vorstand der Bayreuther Bierbrauerei AG, dem Gebäude und Gelände gehören, sagt, dass die Abbrucharbeiten am 25. Februar beginnen und voraussichtlich bis Anfang Mai dauern werden.

Boden muss großflächig abgetragen werden

Leipold sagt auch, dass bei den mittlerweile durchgeführten Erkundungsarbeiten festgestellt worden sei, dass der Boden im ehemaligen Biergarten zu Kriegszeiten mit minderwertigem Material aufgefüllt wurde.

„Diese sogenannten Schlacken können nicht im Boden belassen werden, daher erfolgt eine Entfernung im Zuge der Abbrucharbeiten.“
(Hans-Joachim Leipold, Bayreuther Bierbrauerei AG)

Die gesamte Fläche werde demnach um etwa 1,20 Meter abgetragen. Die Bäume könnten deshalb nicht erhalten werden. Diese Bäume, sechs an der Zahl, wollte die Brauerei sowieso fällen. Das allerdings hatte die Stadt vergangenen Sommer untersagt.

Nachbarn wollen Wiederaufbau verhindern

Wie es mit dem Gelände danach weitergeht, steht unterdessen noch nicht fest. Die Stadt Bayreuth erklärt auf Nachfrage, dass für einen eventuellen Wiederaufbau der Rosenau derzeit kein Bauantrag vorliege. Der im vergangenen Jahr beantragte Bauvorbescheid sei vom Bauausschuss zwar erteilt worden, danach reichten die Nachbarn der früheren Diskothek aber Klage beim Verwaltungsgericht Bayreuth ein. Dort heißt es auf Nachfrage, wann es zur Verhandlung kommt, sei derzeit noch völlig unklar.

Vielleicht muss auch gar nicht mehr verhandelt werden. Denn mit dem Abriss des „Katers“ haben sich auch die Voraussetzungen für einen Wiederaufbau geändert. Den Bauvorantrag hatte der Bauausschuss der Stadt vergangenen Sommer nämlich deshalb positiv beschieden, weil die Brandruine als schützenswerter Bestand eingestuft werden konnte. Damit kam die Stadt der Brauerei entgegen. Denn ohne einen solchen Bestandsschutz hätte die Brauerei bei einem Wiederaufbau der Rosenau aktuelle Standards einhalten müssen, die nur dem Projekt wohl wirtschaftlich den Garaus gemacht hätten. Unter anderem hätte die Brauerei 76 statt der bisher vorhandenen 14 Parkplätze vorhalten müssen.

Gleichzeitig verärgerte die Stadt mit dieser Argumentation aber auch zahlreiche Nachbarn der früheren Rosi. Diese hatten gefordert, das Gebiet rund um die Badstraße vom Kern- zum Mischgebiet zu erklären. Damit wäre sogenanntes „störendes Gewerbe“ in dem Gebiet grundsätzlich unmöglich geworden.

Weil mit Bestandsschutz nach Abriss der letzten Rosi-Reste kaum noch zu argumentieren ist, heißt es jetzt auch vonseiten der Brauerei, der Bauvorbescheid sei mit dem Abbruch des Katers hinfällig.

Bayreuth: Stadt kämpft gegen die Taubenplage

Der Hauptausschuss des Bayreuther Stadtrats will sich nächste Woche der Taubenplage in der Innenstadt annehmen.

Bereits Mitte der 1990er Jahre hat die Stadt ein Fütterungsverbot für Tauben erlassen. Nach 20 Jahren ist die entsprechende Verordnung inzwischen aber abgelaufen und die Beschwerden über eine Taubenplage vor allem in der Innenstadt nehmen zu. Vor allem wegen der durch Taubenkot verschmutzten Fassaden der Häuser und Denkmäler in der Stadt häufen sich die Beschwerden.

In einer Mitteilung der Stadt heißt es:

„Durch das Anfüttern der Tiere und durch bewusst geschaffene Nistmöglichkeiten etwa auf Fenstersimsen kommt es nach den Erfahrungen der Stadtverwaltung in bestimmten innerstädtischen Bereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen des Stadtbildes und zu einer verstärkten Zunahme des Taubenbestandes.“

Der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats wird sich daher am Mittwoch, 20. Februar, ab 16 Uhr, mit einem neuerlichen Fütterungsverbot befassen. Stimmt am Ende auch der Stadtrat dem Verbot zu, kann die Stadt bei Verstößen Bußgelder von bis zu 1.000 Euro verhängen.

Kulturreferent: Benedikt Stegmayer kommt zum 1. Mai

Seit Januar 2018 ist die Stelle des Referenten für Kultur und Tourismus in Bayreuth verwaist. Jetzt steht fest: Das Warten auf den Nachfolger des bis heute letzten Kulturreferenten Fabian Kern hat bald ein Ende. Die Stadt Bayreuth erwartet den erst 37 Jahre alte Benedikt Stegmayer am 1. Mai in Bayreuth. Wegen des Feiertags wird sein erster Tag im Rathaus der 2. Mai sein.

Der Stadtrat hat Stegmayer am 30. Januar zum Kulturreferenten gewählt. Zuvor wurde bereits Tobias Knoblich gewählt, der den Job dann wegen eines Angebotes aus Erfurt ausschlug.

Stegmayer studierte unter anderem in Cambridge und Paris Philosophie, Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte. Danach arbeitete er von 2008 bis 2011 als Geschäftsführender Gesellschafter des Verlags für zeitgenössische Kunst und Theorie, ehe er von 2011 bis 2015 als Beauftragter für Bildende Kunst zur Stadt Mannheim wechselte. Seit 2015 leitet Stegmayer das Kulturamt der Stadt Esslingen am Neckar.

„Benedikt M. Stegmayer hat den Stadtrat aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Berufserfahrung überzeugt. Es ist ein gutes Signal, dass die Position des Kultur- und Tourismusreferenten nun wieder qualifiziert besetzt werden kann.“ (Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe)

Das Datum wurde im Zuge der Haushaltsberatungen des Stadtrats am Montag bekannt. Auch die Stadt Esslingen bestätigt auf Nachfrage, dass sich die Esslinger Verwaltungsspitze und Benedikt Stegmayer auf einen Austritt zum 30. April geeinigt haben. Somit steht einem Arbeitsbeginn in Bayreuth ab Mai nichts mehr im Wege.

Eine Geschichte darüber, was das Internet über Bayreuths neuen Kulturreferenten verrät, finden Sie hier.

„Zuckerl“ und Kino: Was das Netz über Bayreuths neuen Kulturreferenten verrät

Nachdem die Stelle des Leiters für die Bereiche Kultur und Tourismus seit Januar 2018 verwaist war, wählte der Stadtrat vergangenen Mittwoch Benedikt M. Stegmayer zum neuen Kulturreferenten und berufsmäßigen Stadtrat. Doch wer ist dieser Stegmayer? Eine Spurensuche im Internet.

Zunächst einmal: Auf das M. scheint Stegmayer keinen allzu großen Wert zu legen. Der Kulturamtsleiter der Stadt Esslingen – 93.000 Einwohner, Regierungsbezirk Stuttgart – lässt bei Auftritten im Internet den Anfangsbuchstaben seines zweiten Vornamens selbst weg. Machen wir es also genauso.

Danach fällt auf: Anders als Tobias Knoblich, der eigentlich Bayreuths neuer Kulturreferent hätte sein sollen, sich dann in letzter Sekunde doch für einen Verbleib in Erfurt entschied, gibt Stegmayer im Internet auf den ersten Blick recht wenig über sich Preis. Einen Wikipedia-Eintrag, wie Knoblich ihn hat, sucht man bei Stegmayer vergeblich.

Tobias Knoblich auf Wikipedia.de

Nun ist Knoblich aber nicht nur zehn Jahre älter als der 37-Jährige Stegmayer, sondern eben auch Dezernent in der thüringischen Landeshauptstadt. Stegmayer dagegen leitete bislang „nur“ das Kulturamt der Stadt Esslingen wenn das auch schon seit drei Jahren. Das mit dem Wikipedia-Eintrag kann also noch kommen – ist aber eigentlich auch gar nicht nötig.

Denn bei genauerem Hinsehen findet man auch über den öffentlichen Teil seines Facebook-Profils mehr über Stegmayer heraus, als ihm vielleicht lieb ist.

Ski und Tennis

So scheint der gebürtige Kiefersfeldener gerne auf die Piste zu gehen. Also auf die Skipiste. Nur ob mit Skiern oder Snowboard, das wird auf den Fotos, die ihn mit einer Frau im Lift zeigen, nicht ganz klar. Immerhin: Er trägt Helm. Willkommen also am Rande des Fichtelgebirges, Mister Referent.

Auf die Piste scheint Stegmayer aber auch anderweitig gerne zu gehen. Und das lässt hoffen für die Bayreuther Pop- und Subkultur-Szene, die sich neben Wagner und Wilhelmine hier noch nie so wirklich ernst genommen fühlte. Mit Bedauern muss Stegmayer zur Kenntnis genommen haben, dass die Betreiber einer Mannheimer Bar namens Woodstöckl Ende 2016 die Stühle endgültig hochstellten. Zuvor wurde dort Bier getrunken, Rock’n’Roll gehört und Kicker gespielt. Stegmayer scheint das gefallen zu haben. Die Betreiber von Rosa Rosa, Phonebox, Kanapee, Plectrum und Co freuen sich schon auf den Referenten.

Vielleicht war es einer dieser Abende im Woodstöckl, als Benedikt Stegmayer, dessen Vater Bildhauer, Mutter Kuratorin, Tante Opernsängerin und Onkel Cembalo-Bauer ist, die Partyband „Butta bei de Fische“ gehört und für gut befunden hat. Eine Band, die einen „hochprozentigen Party-Total-Cocktail “ verspricht. Na dann mal hoch die Tassen.

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Zuckerl und Wein

Was weiß das Netz noch so? Dass der Neue einen SPD-Politiker gut findet, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen – ein heißes Eisen, auch in Bayreuth. Außerdem, dass Stegmayer ein Online-Kurzfilm-Magazin mit dem Namen Bermuda-Shorts mag und wahrscheinlich auch Yoga macht.  Zumindest gefällt ihm die Seite eines Anbieters von Kursen, der einen Teil seiner Einnahmen spendet und glaubt, dass die einzige Voraussetzung, um seine Übungen auszuführen, ist, dass man einen Körper hat.

Dazu mag Stegmayer den Tennisclub Weinheim an der Bergstraße, der in der 1. Bundesliga aufschlägt und dort derzeit einen Platz im Mittelfeld der Tabelle belegt. Vielleicht, aber das wird auf den Bildern nicht ganz klar, greift Stegmayer selbst hin und wieder zum Schläger.

Und vielleicht muss er das auch. Denn allen Anschein nach ist Bayreuths neuer Kulturreferent auch ein Genussmensch. Fotos von gut gefüllten Bonbon- und leergefegten Weinregalen zieren sein öffentliches Facebook-Profil. Die Genussregion Oberfranken lässt grüßen.

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Was überrascht ist die Anzahl von Stegmayers Facebook-Freuden. Überrascht deswegen, weil man sich vorstellen kann, wie viele Menschen wohl täglich um die Gunst des Chefs im Esslinger Kulturamt gebuhlt haben müssen und wieviele das zuvor schon taten, als er noch im deutlich größeren Mannheim Kunstbeauftragter der Stadt war. Was sich also aus seinen „nur“ 413 virtuellen Freundschaften schließen lässt? Idealerweise das: Dass er sich nicht vereinnahmen lässt. Dass er für Klüngelei und Filz nicht anfällig ist. Es wäre der Stadt, in der so viele Kulturschaffende ihren Platz suchen, zu wünschen.

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Radio und Kino

Zu guter Letzt mag Stegmayer einen nicht-kommerziellen Radiosender namens Bermudafunk, der unter anderem Musik für in Deutschland lebende Afrikaner sendet. Das wird das Iwalewahaus freuen. Der 37-Jährige scheint zudem ein Faible für Filmkunsttheater zu haben, was wiederum die Mitglieder von Kino ist Programm, Uni-Kino und dem Kurzfilmfest „kontrast“ gerne hören dürften.

Ach ja: Stegmayer hat außerdem mit dem sogenannten Kulturkabinett sympathisiert – einer kleinen Bühne, die Jazz genauso wie Impro-Theater zeigt. Zentrum, Becher-Saal und Co. können schon mal vorsorglich einen Platz für den neuen Referenten freihalten. Obwohl: Vielleicht braucht Stegmayer den gar nicht. Vielleicht nimmt er gleich auf der Bühne Platz. Andernorts soll er schon als Poetry-Slammer aufgetreten sein.

Weltoffen und sozial

Was bleibt noch zu sagen? Durch seine Likes für ein Eine-Welt-Forum und einen syrischen Fotografen, vermittelt Stegmayer eine weltoffene, tolerante Haltung. Macht durchaus Sinn bei jemandem, der in Cambridge und Paris Philosophie und Geschichte studiert hat.

Ein soziales Gewissen scheint Bayreuths neuer Kulturreferent auch zu haben. Darauf schließen lässt sein Like für einen Betreiber von Second-Hand-Kaufhäusern und kleinen Lebensmittelläden, die sich dort in der Stadt niederlassen, wo es die großen Discounter niemals täten.

Jean Paul.

Trotz alledem, brauchen sich die Fans von Wagner, Jean Paul, Steingräber und Wilhelmine keine Sorgen zu machen. Bayreuths neuer Kulturchef kann auch Hochkultur. Er soll schließlich schon Ausstellungstexte verfasst und übersetzt, als Kurator und Kunstkritiker gearbeitet und einen Verlag für zeitgenössische Kunst und Theorie gegründet und geleitet haben.

Nicht, dass das jemand bezweifelt hätte. Aber Stegmayer scheint ernst zu meinen, was er der Stuttgarter Zeitung einst in einem Interview sagte:

„Man darf keine Kulturdisziplin isoliert betrachten, sondern muss interdisziplinär denken und arbeiten.“ (Benedikt Stegmayer)

Jetzt braucht der Hoffnungsträger nur noch eine Bleibe. Wohnen tut Stegmayer bislang in einem Fachwerkhaus, das als eines der schönsten Esslingens gilt. Rund um die Kämmereigasse könnte es ihm aber auch gut gefallen.

Kämmereigasse Bayreuth. Foto: Wikimedia