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Künstliche Intelligenz: Nie wieder auf dem Smartphone vertippen

Eine Gruppe Bayreuther Nachwuchswissenschaftler forscht zu Mensch-Computer-Interaktion und Künstlicher Intelligenz. Das Zentrum Digitalisierung Bayern (ZD.B) fördert die Gruppe, die von Medieninformatiker Dr. Daniel Buschek geleitet wird.

Viele intelligente Systeme sind heute nur sehr bedingt interaktiv. Oft zwingen sie Menschen in eine passive Konsumentenrolle, etwa durch Vorschläge, die man nur annehmen kann oder eben nicht, oder zielen darauf ab, menschliche Einflussnahme ganz zu ersetzen.

Künstliche Intelligenz soll Mensch nicht ersetzen

Die neue Forschungsgruppe an der Universität Bayreuth verfolgt hier die gegensätzliche Vision: Anwender führen in aktiver Rolle intelligente Systeme als digitale Werkzeuge. Sie sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern ihm helfen, Aufgaben effizienter und effektiver bewältigen zu können. Ein Beispiel:

Wie müsste eine intelligente E-Mail-App aussehen, die nicht nur Wörter vorschlägt oder ungefragt korrigiert, sondern mich wirklich beim effizienten Verfassen von klaren Texten unterstützt?

(Dr. Daniel Buschek, Leiter der Forschungsgruppe)

Die Universität Bayreuth, so Buschek, biete eine spannende Themenlandschaft mit vielen Anknüpfungspunkten für solche Forschung, die im Spektrum zwischen Mensch-Computer-Interaktion und intelligenten Systemen angesiedelt ist.

Forschung zu Interaktiven Intelligenten Systemen

An der LMU entwickelte Buschek intelligente Nutzerschnittstellen für mobile Geräte, die von den Verhaltensweisen des Nutzers lernen und sich daran anpassen. So können beispielsweise Eingabefehler wie Vertippen auf Smartphones reduziert werden, indem individuelle Charakteristika der Fingerplatzierung bei der Touch-Eingabe berücksichtigt werden.

Innovation aus Bayreuth: Windeln ade!

Das Bayreuther Forscherteam Jannik Lockl und Tristan Zürl sagt Inkontinenz den Kampf an. Die beiden haben einen Sensor entwickelt, der den Füllstand der Blase misst. Per App sehen Inkontinenz-Patienten, wann es Zeit ist, zur Toilette zu gehen. Das teilt die Universität Bayreuth in einer Pressemitteilung mit.

Das kann „inContAlert“

Jannik Lockl, Wirtschaftsinformatiker an der Uni Bayreuth, erklärt die gemeinsame Produktidee: „‚inContAlert‘ ist ein Sensor, der den Füllstand der Blase misst, der dann in einer App angezeigt wird. Der Inkontinenzpatient kann so auf seinem Handy nachschauen, wann der nächste Zeitpunkt zum Aufsuchen der Toilette ist – oder er wird benachrichtigt, bevor es zum ungewollten Urinverlust kommt.“

Inkontinenzpatienten müssen so nicht mehr präventiv die Blase entleeren oder aus Schutz vor drohendem Urinverlust beispielsweise Windeln tragen.

(Tristan Zürl, Ingenieur und Mit-Entwickler des Sensors)

Von Inkontinenz sind in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen betroffen, wobei bis zu 20 Prozent davon an einer neurogenen Blase leiden. In diesem speziellen Fall gibt es zwei Szenarien: Ab einem kritischen Füllstand kann es dazu kommen, dass sich die Blase unkontrolliert entleert, oder dass sie verkrampft und sich so der Urin ins Nierenbecken zurückstaut. Das kann zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führen.

„Nicht nur aufgrund des gesellschaftlichen Gesichtsverlusts eines ungewollten Urinabgangs ist es uns deshalb ein großes Anliegen, dieses Problem schnellstmöglich zu lösen“, sagt Jannik Lockl. „Gerade Querschnitts-, Multiple Sklerose- und Parkinson-Patienten leiden täglich unter dieser Gefahr, welche bald der Vergangenheit angehören soll.“

Gewinner des „Medical Valley Awards“

Für ihre Produktidee wurden die Bayreuther Forscher nun mit dem „Medical Valley Award“ ausgezeichnet und von der Jury für die „Pre-Seed“-Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums empfohlen. Lockl und Zürl haben Aussicht auf 250.000 Euro, um ihr Konzept mit dem Geld gründungsreif zu entwickeln.

Schönster Campus: Uni Bayreuth in den Top 5

In erster Linie werden auf der Internetseite StudyCheck Fragen rund ums Studium diskutiert. Hin und wieder  werden von StudyCheck aber auch Umfragen erstellt. So wie in diesem Fall: Bei der Frage nach Deutschlands schönsten Campus landete die Uni Bayreuth auf den 4. Platz. 20.000 Studenten stimmten ab.

Stimmen zum Campus Bayreuth:

An der wunderschönen Campus-Universität Bayreuth findet jeder Studierende top Bedingungen vor.

(Tobias, StudyCheck-Nutzer)


Die Uni Bayreuth ist familiär. Der Campus verbindet.

(Louisa, StudyCheck-Nutzerin)


Überzeugend finde ich insbesondere das in Deutschland doch recht seltene Konzept einer Campus-Uni.

(Martina, StudyCheck-Nutzerin)

 

Iwalewahaus

Dichter Erich Mühsam: Ein Abend über Visionen & gescheiterte Träume

Er war einer, der mit Worten für eine Revolution kämpfte. Einer, der Visionen hatte und immer wieder scheiterte. Dichter Erich Mühsam. Sind seine Ideale auch heute noch aktuell?

Erich Mühsam: Sprachrohr der Dichterrepublik

Dichter Erich Mühsam

Erich Mühsam. Foto: erich-muehsam.de

Darum geht es am Freitag, den 5. April im Iwalewahaus. Ab 19:30 Uhr findet eine Lesung zum Buch „Sechs Tage im April: Erich Mühsams Räterepublik“ von Schriftsteller Markus Liske statt, das sich um das Leben des Dichters dreht. Ein Abend, der sich wilden Tagen im Jahr 1919 widmet, bevor die damalige Revolution blutig niedergeschlagen wurde. Denn Dichter Erich Mühsam war das wichtigste Sprachrohr der „Bairischen Räterepublik“, die nur kurz – genauer gesagt von 7. bis zum 13. April 1919 – existierte. Deswegen ist sie auch als „Dichterrepublik“ bekannt. Nun feiert sie 100-jähriges Jubiläum.

Wenn Träume scheitern

Markus Liske, lädt zu einer Reise ein, die im Jahr 1901 in Friedrichshagen beginnt und mit der Festungshaft Mühsams endet. Liske kommentiert dabei Texte, Briefe und Auszüge aus dem Tagebuch Mühsams. Es geht um Visionen und das Scheitern. Pazifist Mühsam wurde zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Zwar entkam er der Haft nach fünf Jahren, wurde dann aber einige Jahre später im KZ Oranienburg von Nationalsozialisten ermordet. Hier können Sie vorab ins Hörbuch von Liskes Roman hinein hören.

Die Bayreuther Kulturwissenschaftlerin Dr. Katharina Fink wird am Freitag außerdem einen Vortrag dazu geben, warum das Scheitern von Träumen keineswegs ihr Ende bedeutet.

Katharina Fink

Dr. Katharina Fink, Foto: red / ka

„Wir freuen uns, dass Markus Liske sein neues Buch über die Räterepublik bei uns vorstellt. Denn man kann ja so auf die Räterepublik schauen: Sie ist niedergeschlagen worden, ist gescheitert. Oder aber so: Es gab diesen Traum, und es gibt ihn weiterhin. Und indem wir zusammenkommen und über ihn sprechen, nehmen wir die Träumer ernst – und sprechen darüber, welche Träume von Gesellschaft wir heute haben.“

(Dr. Katharina Fink, Uni Bayreuth)

Veranstalter sind das Evangelische Bildungswerk, der Freundeskreis Iwalewahaus und das Büro Himmelgrün. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Neue Fakultät: Das kann in Kulmbach künftig studiert werden

In Kulmbach ist die Fakultät VII der Uni Bayreuth eröffnet worden. Der vollständige Name der neuen Einrichtung lautet Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit. Bis 2025 sollen in Kulmbach bis zu 1.000 junge Menschen studieren und 22 Professuren etabliert werden. Erforscht werden in Kulmbach Zusammenhänge zwischen Krankheitsrisiko und Lebensweise, der Einfluss von individuellen, kulturellen oder sozioökonomischen Faktoren auf die Gesundheit und die Versorgung der Menschen mit gesunden Lebensmitteln.

Studienbeginn schon im nächsten Jahr

In Kulmbach sollen Studiengänge wie der Master „Food Quality and Safety“ angeboten werden, die es so an keiner anderen Universität in Deutschland gibt und die teilweise bereits im Oktober 2020 starten.

In Kulmbach gibt es weitere Einrichtungen zur Lebensmittelforschung, darunter das Max-Rubner-Institut sowie das neu gegründete Institut für authentische Lebensmittel, sowie Behörden wie das Kompetenzzentrum Ernährung (KErn) und die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Diese sollen nun so schnell wie möglich mit der neuen Fakultät verzahnt werden.

Die weiteren Studiengänge

Dann soll ein zweiter Masterstudiengang folgen, „Global Food, Nutrition and Health“. Beide Studiengänge werden interdisziplinär ausgestaltet sein und in englischer Sprache angeboten. Die Einführung eines deutschsprachigen Studiengangs „Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften“ wird folgen können, sobald die Fakultät personell gewachsen ist. Außerdem bereits in Planung: „Molecular Food and Health Science“ (Bachelor, naturwissenschaftlich, englischsprachig), „Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften“ (Master, interdisziplinär, deutschsprachig), „Health, Food and Society“ (Master, englischsprachig) und „Molecular Food and Health Science“ (Master, englischsprachig).

Diese Interdisziplinarität und fachliche Tiefe lobte auch Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst:

„Kulmbach ist als Hot Spot in Sachen Ernährung und Lebensmittel der ideale Standort für die Errichtung einer lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth auf einem eigenen Hochschulcampus.“

Prof. Dr. Stephan Clemens, Gründungsdekan der Fakultät VII, sagte zur Eröffnung:

„Wir möchten mit dieser Fakultät neue Wege gehen. Ganz unterschiedliche Fächer von der Biochemie bis zur Soziologie sollen gemeinsam an Fragen arbeiten, die zu den großen globalen Herausforderungen gehören.“


Der Weg zum Campus Kulmbach

  • Juni 2017: Auf Anfrage der Stadt Kulmbach Erarbeitung einer Vorlage für die Kabinettssitzung; erste Skizze einer Life Science-Fakultät mit dem Schwerpunkt „Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit“
  • Juni 2017: Verkündung des Plans bei einer Kabinettssitzung in Kulmbach
  • Juli 2017 bis Juni 2018: Konzeptarbeiten durch zwei hochkarätig besetzte Planungsgruppen, eine universitätsinterne und einen externen Beirat
  • Juli 2018: Die Bayerische Staatsregierung billigt das Konzept mit einem Volumen von 136 Millionen Euro für fünf Jahre.
  • Ende 2018: Start Planung Neubau Campus und Lehrgebäude
  • Mitte 2019: Erste Stellenausschreibungen und Berufungsverfahren
  • Ende 2019: Anmietung und Ertüchtigung weiterer Funktionsflächen (Büros, Lehrräume, Labore)
  • Oktober 2020: Beginn WS 2020/21; Start eines englischsprachigen Masterstudiengangs; erste Studierende an der Fakultät VII für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit auf dem Campus Kulmbach, bzw. noch auf Interimsflächen
  • Derzeit: Management von Infrastruktur (Bau-, Verkehrs-, Glasfasernetz-Planung) zur Vorbereitung des Betriebs sowie Start der Studiengänge-Entwicklung und Berufungsplanung der ersten Professuren