Nachrichten

Terrorabwehr: Warum es in Bayreuth keine Poller gibt

Absenkbare Poller werden an den Zufahrtsstraßen der Innenstadt wohl auch in naher Zukunft nicht installiert. Warum nicht? Ganz einfach, weil sie zu teuer sind. Das hat der Hauptausschuss am Mittwoch beschlossen. Bereits vor zwei Jahren hatte CSU-Stadtrat Christian Wedlich einen entsprechenden Antrag gestellt.

Großveranstaltungen wie das Bürgerfest, der Weihnachtsmarkt oder das Afrika-Karibik-Festival sollten laut Antrag mit den im Boden versenkbaren Pollern vor möglichen Terroristen und Amokfahrern gesichert werden. Der Vorteil: Die Barrieren würden für den Rettungsdienst, die Polizei und andere Einsatzkräfte im Ernstfall kein Hindernis darstellen. Rechtsreferent Ulrich Pfeifer hält dagegen, dass auch die Betonklötze, die bislang zur Terrorabwehr aufgestellt werden, so positioniert sind, dass Rettungskräfte sie passieren können.

Foto: Redaktion

Der Hauptausschuss ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anschaffung und Errichtung mit 35.000 Euro pro Poller zuzüglich der Folgekosten für die Wartung beispielsweise, die laut Rechtsreferent Ulrich Pfeifer vermutlich noch höher als die Anschaffungskosten seien, nicht wirtschaftlich seien. Für das Bürgerfest, das in der gesamten Innenstadt stattfindet, bräuchte die Stadt für elf Zufahrtswege rund 50 Poller, 15 davon müssten absenkbar sein – das ergibt Kosten in Höhe von 1,75 Millionen Euro.

Ein weiteres Problem: Rund um den Marktplatz und die gesamte Innenstadt verlaufen etliche Versorgungsleitungen. Der Untergrund müsste, um die Poller ausreichend tief einbauen zu können, jedoch frei von diesen sein.

Die Leitungen müssten umverlegt oder tiefer verlegt werden. Das wäre extrem teuer.

(Rechtsreferent Ulrich Pfeifer)

Die bisherige Lösung

In den vergangenen beiden Jahren stellte die Stadt zur Absicherung der Veranstaltungen in der Innenstadt große Pflanzkübel auf. 2018 wurden diese erstmals durch 1,5 Tonnen schwere Betonblöcke ersetzt. Diese seien nicht nur bereits vorhanden, sondern auch kostengünstiger und können flexibel, je nach Veranstaltungsgröße an unterschiedlichen Standorten, aufgestellt werden, sagte Pfeifer. In der Anschaffung kostet ein Block 100 Euro, hinzu kämen 50 Euro für den Auf- und Abbau. Zur Orientierung: Beim Konzert der Toten Hosen im vergangenen Jahr stellte die Stadt 69 Betonsteine zur Sicherheit auf. Gesamtkosten: 3.600 Euro.

Foto: Thorsten Gütling

Bayreuth ist sicherste Großstadt Oberfrankens

Um die Notwendigkeit der Poller besser einschätzen zu können, stellte Christine Götschel, Leiterin der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt den Sicherheitsbericht 2018 im Hauptausschuss vor. Wie sie betonte, ist Bayreuth die sicherste Großstadt Oberfrankens. Mit Terror habe die Stadt noch nicht zu kämpfen gehabt. Dennoch sei es unbedingt notwendig, Veranstaltungen abzusichern. Denn: „Eine 100-prozentige Sicherheit kann man nie gewährleisten“, sagt Götschel.

Damit Bayreuth auch weiterhin sicher bleibt, sei die Polizei nicht nur bei Großveranstaltungen präsent.

Es mir auch ein großes Anliegen, wieder eine Fußstreife in der Stadt zu installieren.

(Christine Götschel, Leiterin der Polizeiinspektion)

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Auch wenn die Poller nun nicht installiert werden, will die Verwaltung den Markt weiterhin beobachten. Sollten die versenkbaren Systeme eines Tages günstiger zu haben sein, könnte es durchaus sein, dass Bayreuths Innenstadt doch noch mit Pollern vor möglichen Amokfahrten gesichert wird. Bis dahin sollen es aber die vorhandenen Betonklötze tun.