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Verhaltensguide für den Grünen Hügel

13:30 Uhr, tropische Hitze im Hofgarten und eisige Kühle im futuristischen Richard-Wagner-Museum. Im Untergeschoss des Museums tummeln sich etwa 15 Männer und Frauen um ein Miniaturmodell des Festspielhauses. Die meisten tragen bequeme T-Shirts und Sandalen.

„Ich geh morgen Abend mal kurz in die Oper“ – diesen Satz können Sie schon in wenigen Minuten aus Ihrem Gedächtnis streichen. Denn die Bayreuther Festspiele sind konsequent, beinahe streng. Dieser Opernbesuch erfordert Disziplin. Bei „Bayreuth für Einsteiger“ gibt Museumsdirektor Sven Friedrich den Festspielbesuchern einen Leitfaden, was sich am Grünen Hügel gehört, und was nicht.

Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengefasst: 

1

„Am besten Sie warten bis der Schmerz in Taubheit übergeht“, scherzt Museumsdirektor Friedrich. Gemütlich ist hier ein Fremdwort. Die abgespeckte und enge Bestuhlung im Saal sind der Akustik geschuldet. Sitzkissen sind im Saal verboten und werden den Besuchern am Eingang direkt abgenommen. Deswegen besser im Auto lassen.

2

Das Bayreuther Festspielhaus wurde als reines Sommertheater erbaut. Luxus wie Heizung oder Klimaanlage suchen Sie hier vergeblich. In diesem Jahr bedeutet das also Saunieren mit musikalischer Untermalung.  „Für seine Körpertemperatur ist jeder selbst verantwortlich“, erklärt Friedrich.

3

Die einstündigen Pausen müssen Sie unter freiem Himmel verbringen. Warten im schmalen Foyer – ist in Bayreuth leider auch nicht gerne gesehen. Alle müssen über den Seitenausgang nach draußen. Bei Regen empfiehlt sich das angrenzende Steigenberger Restaurant. Bestenfalls mit Reservierung, versteht sich.

4

Eilmeldungen, Whatsapp, Instagram? Für den Wagnerianer sollte das in diesen Wochen keine Priorität haben. „Ihre Fotos im Festspielhaus werden sowieso verpixelt, außerdem ist auch verboten dort zu Fotografieren“, so Friedrich. Deswegen das Smartphone im Auto lassen, empfiehlt er.

5

Vor dem Opernbesuch sollte man sich gut in die Handlung einlesen. Info-Broschüren liegen in der ganzen Stadt aus. Denn die Titel der Gesangstexte werden in Bayreuth nicht eingeblendet, das würde der provisorischen Atmosphäre widersprechen. „Eigentlich sollte man die Sänger in Bayreuth verstehen. Falls nicht, hat man Pech“, so Friedrich.

Sie sehen, es bedarf ein wenig Übung, um galant in den Bayreuther Festspiel-Flow hineinzufinden. Es ist aber machbar.