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Von wegen spießig: „Kleingärtnern liegt wieder voll im Trend“

Ein kleines, grünes Städtchen in der Stadt, eine eingeschworene Gemeinschaft, die gerne unter sich ist und eine Leidenschaft teilt: die Liebe zum Gärtnern. In Schrebergärten tummeln sich Menschen, die, auch wenn sie in der Stadt leben, auf ihr kleines Fleckchen Natur, ihren Rückzugsort, ihre Wohlfühl-Oase, nicht verzichten wollen.

Jeder Schrebergärtner ist in seiner Parzelle für sich, und doch in der Gemeinschaft des Vereins aufgehoben. Lange Zeit waren Schrebergärten der Inbegriff von der deutschen Spießer-Idylle und des Ordnungswahns. Das Durchschnittsalter in den Kolonien: 60 plus. Ist das noch zeitgemäß? Was ist dran an Vorurteilen wie diesen? Das Bayreuther Tagblatt hat sich in einer der Schrebergarten-Anlagen Bayreuths umgesehen.

„Immer mehr junge Familien suchen einen Kleingarten“

Der Kleingartenverein Schwedenbrücke gehört zu den ältesten und größten Kleingartenvereinen Bayreuths und liegt inmitten der Naherholungsgebiete Röhrensee, Studentenwald und dem Ökologisch-Botanischen Garten der Universität. 155 Kleingärten bietet die Anlage, die seit mehr als 60 Jahren existiert. Anders als die Vorurteile vermuten lassen, handelt es sich bei den Pächtern nicht nur um Rentner, die dort ihr Gemüse anbauen.

155 Kleingärten gibt es im Gartenverein Schwedenbrücke. Er ist damit einer der größten Bayreuths. Foto: Susanne Jagodzik

Wie Sabine Sachs, 1. Vorsitzende der Kleingartenanlage Schwedenbrücke erzählt, nutzen vor allem immer mehr junge Familien die Anlage.

Der Trend geht wieder in Richtung Kleingarten. Das merken auch wir. Momentan vollzieht sich in unserer Kleingartenanlage ein Generationenwechsel. Viele alte hören auf und viele junge Familien kommen nach. Aktuell bekomme ich sogar nur noch Anfragen von Familien und jungen Paaren.

(Sabine Sachs, 1. Vorsitzende der Kleingartenanlage Schwedenbrücke)

Auch wenn man durch die Schrebergartenanlage läuft, wird deutlich, dass Kleingärtner nicht nur 60 plus sein müssen. In vielen Gärten stehen Rutschen, Sandkästen und Schaukeln. Für viele Familien ist es wichtig ihren Kindern auch ein Stück Natur bieten zu können. Das war auch der Grund für Sabine Sachs vor 30 Jahren eine Parzelle in der Kleingartenanlage zu pachten.

Natur pur. Der ideale Platz für junge Familien. Foto: Susanne Jagodzik

Wir hatten nur eine Wohnung ohne Balkon. Ich wollte meinen Kindern aber trotzdem Natur bieten können und ihnen auch etwas über die Pflanzen beibringen.

(Sabine Sachs über ihre Entscheidung eine Parzelle zu pachten)

„Hier gibt es kein Konkurrenzdenken“

Anders als man es aus so mancher TV-Sendung gibt, herrscht im Kleingartenverein Schwedenbrücke kein Konkurrenzdenken zwischen den Gärtnern. Man gönne es auch dem anderen, wenn dessen Tomaten größer und schöner seien als die eigenen, so Sabine Sachs.

Seit 12 Jahren ist Sabine Sachs 1. Vorsitzende des Gartenvereins Schwedenbrücke. Foto: Susanne Jagodzik

Auch Horst und Inge Schmidt, ein Bayreuther Ehepaar, das nach knapp 30 Jahren seine Parzellen aus Altersgründen aufgeben musste, lobt das Gemeinschaftsgefühl in der Anlage.

Hier hilft jeder jedem. Man kann sich aufeinander verlassen. Unsere Parzellen übernimmt künftig eine junge Familie. Sollten diese einmal Fragen oder Probleme haben, so helfen wir auch dann immer noch gerne aus. Im Herzen bleibt man eben doch ein Kleingärtner.

(Horst Schmidt)

„Bei uns sieht kein Garten gleich aus“

Auch von Spießer-Idylle und Ordnungswahn ist in der Kleingartenanlage Schwedenbrücke nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Auch wenn sich die Pächter zwar an die Gartenordnung und das Bundeskleingartengesetz halten müssen, so lässt ihnen der Verein doch freie Hand bei der Gestaltungsmöglichkeit der Gärten.

Jeder Kleingärtner kann seinen Garten individuell gestalten. Foto: Susanne Jagodzik

Ich finde nichts schlimmer als eine Reihenhaus-Siedlung, in der jeder Vorgarten gleich aussieht und alles akkurat sein muss. Bei uns ist jeder Garten individuell. Diese Vielfalt finde ich wichtig und schön.

(Sabine Sachs über das Vorurteil des Ordnungswahns in Kleingartenanlagen)