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Angst weicht Faszination: So wurde Christopher Pittrof zum Sturmjäger

Der Kulmbacher Christopher Pittrof beobachtet so oft es geht das Wetterradar. Sein halbes Leben schon  beschäftigt er sich mit Unwettern, die in Oberfranken aufkommen. Das bt hat den „Stormchaser „getroffen. Ein Video finden Sie über dem Text.

Ein Tag, der alles verändert hat

Christopher Pittrof kommt aus Kulmbach. Als Kind war ihm bei Unwettern eher unwohl und er flüchtete sich nachts zu seinen Eltern, wenn es draußen donnerte und blitzte. Als Jugendlicher entdeckte er das Segelfliegen für sich. So kam es, dass er am 29. Juli 2005 auf dem Flugplatzfest in Zell war. Ein Tag, an dem ein schweres Unwetter heranzog. „An diesem Abend wollte ich eigentlich am Flugplatz zelten. Als ich merkte, dass es immer windiger wurde und ein Sturm heranzog, machte ich mich auf dem Weg zu meinem Zelt, um es wetterfest zu machen und eine Taschenlampe zu holen“, erzählt Pittrof. Die Blitze seien immer heftiger geworden. Es galt, knapp 300 Meter über eine Wiese bis zum Zelt zu überwinden. „Für mich war das damals schon eine große Herausforderung. Unwetter waren mir nicht geheuer“, erzählt er.

Als Kind war ich bei Gewittern ein echter Angsthase.

(Christopher Pittrof, Wetterexperte bei Stormchasing Oberfranken)

Er hätte gemerkt, dass die Flugzeuge plötzlich nicht mehr in Richtung Nürnberg flogen, sondern – um landen zu können – stattdessen nach Karlsbad abbogen. Grund war diese große Gewitterlinie, die sich aus Richtung Schweiz und Baden-Württemberg in Richtung Oberfranken näherte. „Die Blitzrate war auf einmal viel höher. Normalerweise sind es 30 bis 50 pro Minute. Hier waren es mehrere pro Sekunde. Das war sehr beeindruckend“, erzählt der heute 29-Jährige. Es seien Sturmböen aufgekommen, Blitze hätten am Flugplatz-Gelände eingeschlagen und schließlich sei das Dach der Bratwurstbude durch die Kraft des Windes abgerissen worden. Pittrof konnte sich noch in den Schutz des Vereinsheimes flüchten. Doch zugleich wollte er mehr darüber wissen, wie diese Gewitterlinie entstehen konnte und warum Unwetter so unterschiedlich verlaufen.

An diesem Abend im Juli 2005 war ich einfach nur überwältigt und fasziniert von dieser Naturgewalt.

(Christopher Pittrof, Wetterexperte bei Stormchasing Oberfranken)

„Ich habe an den Tagen nach dem Unwetter viel recherchiert, was das genau war, und auch in den Monaten danach weiterhin viel dazu gelesen“, sagt er. Irgendwann sei er immer wissbegieriger geworden. Er habe so viel gelesen, um keine Angst mehr vor der Naturgewalt zu haben und sich dazu in Foren mit anderen ausgetauscht. Dort hat er andere Interessierte aus der Region kennen gelernt, mit denen er gemeinsam zum „Stormchasing“ geht, sich also ins Auto setzt und sich das Unwetter von der Nähe aus ansieht, fotografiert und die Bürger über einen Ticker warnt. 2015 und 2017 war er dazu auch in Sachsen, in den Alpen und in Baden-Württemberg unterwegs.

Christopher Pittrof unterwegs beim Stormchasing

Die Anfänge von Stormchasing Oberfranken

Seit 2013 versorgt Pittrof die Region so oft er kann über Stormchasing Oberfranken mit Wettervorhersagen – das heißt immer dann, wenn er nicht gerade auf Arbeit bei den Johannitern ist, wo er sich Raum Himmelkron um Menschen mit Behinderung kümmert. Regelmäßig macht er sich in seiner Freizeit auf ins Melkendorfer Umland, um von dort aus die Wetterlage zu beobachten. Er verfolgt sie ansonsten rund um die Uhr am PC über öffentliche Radare, wie Meteopool oder Kachelmannwetter.

Nahendes Unwetter am 21. Mai über Kulmbach

Doch jedes Gewitter sei anders. Es schon Tage zuvor detailliert vorherzusagen, sei unmöglich. Am Tag des Unwetters kann Christopher Pittrof deuten, wie groß der Schauer ist, in welche Zugrichtung er sich bewegt und wie lange er dauert. Für richtiges Stormchasing hat er aktuell immer weniger Zeit.

Inzwischen sehe ich mich in der Verantwortung, die Menschen in Oberfranken nach bestem Wissen und Können über aktuelle Unwetter zu informieren. Weil ich immer mehr Menschen mit „Stormchasing Oberfranken“ erreiche, ist damit mein Pflichtbewusstsein immer größer geworden. Auch, wenn es nur ein Hobby ist.

(Christopher Pittrof, Wetterexperte bei Stormchasing Oberfranken)

Unwetter-Kulmbach
Unwetter bei Melkendorf im Landkreis Kulmbach, Foto: Carolin Richter

Leute mit gleichem Interesse, lerne er schnell online kennen. „Einmal hat ein Forenmitglied eine Wolke über dem Thüringer Wald online gepostet. Die habe ich auch von der Arbeit aus sehen können und ihn dann angeschrieben“, sagt er. Der Mann komme aus Burgkunstadt sei heute zu einem seiner Freunde geworden.

Die Kraft des Unwetters lebt sich wahnsinnig vielfältig aus. Mal gibt es mehr Wind, mal mehr Feuchtigkeit.

(Christopher Pittrof, Wetterexperte bei Stormchasing Oberfranken)

Vorkenntnisse vom Segelfliegen

Pittrofs Kenntnisse, die er während seines Segelflugscheines sammeln konnte, hätten ihm viel geholfen. Denn Meteorologie ist eines der Theoriefächer, die man dabei belegen muss, um vor allem im Bereich der Thermik Fachwissen zu erlangen. Pittrof möchte sich Stormchasing Oberfranken künftig weiter als Hobby behalten. Denn Physik und Mathematik seien nie seine Lieblingsfächer gewesen. Fächer, worauf ein Meteorologie-Studium aufbauen würde.