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„Wie Kino – nur in Echt! Und mit Musik!“ – Die Richard Wagner-Kinderoper

Ein lautes Seufzen, ein Gähnen, verstohlene Blicke auf das Handy – wir alle kennen das. Dauert es mal etwas länger, ist es bei Kindern mit der Konzentration sehr schwierig, speziell als Zuschauer. Insbesondere, wenn die Kleinen nicht auf eine Leinwand starren auf der die neuesten Superheldenabenteuer, Animationsfilme oder Disney-Streifen laufen, sondern auf die Bühne einer Oper. Um zu sehen ob das dennoch funktionieren kann, haben wir die Kinderoper 2018 bei den Bayreuther Festspielen besucht, den Ring des Niebelungen.

Ein heißer Tag im Juli

Es ist heiß – sehr heiß! Laut Wetterdienst hat es um 11 Uhr früh bereits über 30 Grad. Das macht das mit der Konzentration natürlich vorneweg schon schwieriger. Beim Anstehen sind aber noch alle Knirpse bester Dinge. Aus der Reihe vor mir höre ich zwei Jungen diskutieren: „Ich will den Drachen sehen“ und „Hoffentlich kämpfen die da richtig mit Schwertern und Fäusten“. Trotz der langen Schlange beim Einlass zeigen sich die Kinder gut gelaunt. 

Kurz vor 11 Uhr dürfen wir dann endlich den Saal betreten. Die Kinderoper findet nicht im Festspielhaus selbst statt, sondern in einem Nebengebäude auf der Probebühne 4. Heiß ist es da natürlich trotzdem. Es herrscht freie Platzwahl und nur wenig später hat auch jeder einen Platz gefunden. Das Orchester beginnt zu spielen, gebannt schauen die Kinder auf die Bühne. Eltern und Begleitpersonen fächern sich mit selbstgebastelten Fächern Luft zu. Einige Kinder rennen im Saal hin und her um besser sehen zu können. Dann beginnt das Stück.

Alberich erbeutet das Rheingold im Ring des Niebelungen
Foto: (c) Bayreuther Festspiele, Enrico Nawarth

Eine schöne Aufbereitung der Niebelungen

Eine große Kiste steht auf der Bühne. Der Zwerg Alberich will hinein. Er öffnet die Kiste. Der Rhein ergießt sich bis in die erste Reihe und Alberich ergaunert das Rheingold. Ein Blick durch die Reihen offenbart: Die Kinder sind gefesselt. Sie wollen mehr erfahren; vom Ring, von Siegmund, dem Schwert und all dem Rest. 

Die Akteure auf der Bühne tun ihr Bestes um die Kids trotz hoher Temperatur bei Laune zu halten. „Hat einer von euch etwas gesehen?“ fragt Wotan die Zuseher. Natürlich. Bereitwillig helfen die Anwesenden dem Protagonisten auf der Bühne. Ereignisreich endet dann erste Akt mit dem Tod Siegmunds im Kampf gegen Hunding.

Traurige Gesichter um mich herum, dann gibt es 30 Minuten Pause im Freien. Frische Luft tut gut. Aber einige der Kids sind erschöpft. Ein Mädchen fragt kleinlaut: „Mama, gehen wir nicht lieber ins Schwimmbad?“, „Puh, das dauert aber lange“ erkennt ein Anderer. Bei diesen Temperaturen ist es wirklich nicht einfach. Als wir Zuschauer dann aber zurück in den Saal geleitet werden, sprinten die meisten Kinder zurück zu ihren Plätzen. „Mal sehen wie es weitergeht“ ist der Grundtenor. 

Wotan hat den goldenen Ring an seinem Finger
Foto: (c) Bayreuther Festspiele, Enrico Nawarth

Lauter Jubel trotz Erschöpfung

Im zweiten Akt sind die Kinder unruhiger, viele rutschen auf ihren Pobacken hin und her. Die Hitze macht ihnen zu schaffen und die Konzentration lässt zum Ende des Stückes nach. Dennoch gehen die Kleinen mit. „Vorsicht, hinter dir!“ warnt ein Mädchen neben mir Siegrfried. Vergebens. Wie im Original, stirbt Siegfried auch hier durch den Dolch in den Rücken und der Ring wird zurück an die Rheintöchter gegeben. 

Alles ist wie gehabt, auch im neuen Gewand der Kinderversion. Als die Protagonisten sich am Ende vor der Menge verbeugen, gibt es johlenden Applaus des Publikums. Die Kinder klatschen und trommeln wild mit ihren Schuhen auf dem Boden. Es scheint ihnen gefallen zu haben.

Das Projekt „Wagner für Kinder“

Und auch wir fassen zusammen:  die Macher rund um Katharina Wagner und Markus Latsch haben sich hier sehr viel Mühe gegeben. Das Stück wurde verknappt und für Kinder zugänglich gemacht. Die Initiative zur Kinderoper kam von Katharina Wagner, die 2009 das Projekt mit dem fliegenden Holländer startete. Immer sind dabei Kinder und Jugendliche an den Produktionen beteiligt – von der Regie bis zur Requisite.

Sicher war heute nicht jedes Kind von Anfang bis Ende konzentriert bei der Sache, aber bei 36 Grad zur Mittagszeit wäre das auch wirklich verwunderlich. In jedem Fall wurden die Erwartungen der Kids erfüllt – es gab Schwerter, Drachen und Kämpfe. Nach Ende des Stücks blicke ich in viele zufriedene Gesichter, verschwitzt, aber zufrieden. Die kleine Lina stellt beim Hinausgehen begeistert fest: „Das war cool. Und jetzt gehen wir ins Schwimmbad.“ Ein guter Plan.

Wotan steht im flammenden Ring
Foto: (c) Bayreuther Festspiele, Enrico Nawarth

Meinungen der Kinder

Das war wie Kino – nur in Echt! Und mit Musik!“ (Niels, 8)

Ich fand das toll – aber auch traurig.“ (Emilia, 10)

Ich fand das schade, dass alle gestorben sind. Aber die Geschichte ist ja auch für Erwachsene erfunden worden.“ (Lina, 9)

Mir hat es gut gefallen. Da waren witzige Sachen dabei, viele Kämpfe und auch so eine gute Geschichte. Die Musik fand ich aber ein bisschen zu viel.“ (Nathanael, 12)

Es war echt heiß. Da konnte ich mich kaum konzentrieren. Aber die Kostüme waren toll.“ (Lucy, 7)

Ich habe das schon mal im Fernsehen gesehen. Heute war das ganz anders.“ (Alex, 11)

Überblick: Das Projekt „Wagner für Kinder“

Wagner für Kinder wurde 2009 von Katharina Wagner ins Leben gerufen. Das Projekt soll Kinder von 7 bis 12 Jahren an die Oper heranführen
Foto: Enrico Nawrath

Für mehr Infos: Bayreuther Festspiele Kinderoper