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Wildtiere in der Stadt: Darum werden Marder, Fuchs und Co. so zutraulich

Regelmäßig sieht man angebissene Antennen oder Fußspuren auf dem Autodach: Der Marder gehört längst zum Stadtbild dazu. Inzwischen zieht es aber auch andere wilde Tiere, wie Fuchs, Waschbär oder sogar Schwarzwild in die Städte. bt-Redakteurin Carolin Richter hat mit Adolf Reinel, dem ersten Vorsitzenden und Lehrgangsleiter des Bayreuther Jägervereins Bayreuth e.V. gesprochen, wie die Lage aktuell in Bayreuth aussieht und wie man sich verhalten sollte, wenn man wilden Tieren in der Stadt begegnet.

bt-Interview mit Adolf Reinel zum Anhören

Die Evolution habe sich verändert, sagt Adolf Reinel, der heute in Himmelkron wohnt. „Als Kind habe ich viele Schmetterlinge oder Käfer gesammelt, die es heute leider gar nicht mehr gibt.“ Aufzuhalten seien diese Strukturveränderungen mit neuen landwirtschaftlichen Methoden und einer veränderten Infrastruktur allerdings nicht.

Früher gab es ganz andere Baumaßnahmen. Heute hat man um Grundstücke dagegen kaum noch Zäune oder Mauern. Niedrige Hecken bieten den wilden Tieren freie Bahn.

(Adolf Reinel, 1. Vorsitzender des Jägervereins Bayreuth)

Außerdem fänden sie in den Siedlungen massig an Nahrung. Da werde so viel an Lebensmitteln weggeschmissen, erklärt der Experte, da gehe es den wilden Tieren alles andere als schlecht.

Hier fühlen sich Marder, Fuchs und Co. wohl

In alten leerstehenden Gebäuden würden die Tiere gut Unterschlupf finden. Oft seien sie auch in Tiefgaragen, großen Parkanlagen, ehemaligen Sportanlagen oder Güterbahnhöfen angesiedelt. „Besonders häufig sieht man in Bayreuth den Marder, aber auch ein Fuchs ist mir schon am Luitpoldplatz begegnet, der vermutlich auf der Durchreise war“, sagt Reinel. Außerdem wären am Bayreuther Stadtrand Wildhase, Fischotter, Iltis oder selten auch Waschbären unterwegs. Die gehören zu den sogenannten Kulturfolgern, also Tieren, die dem Menschen in die Städte folgen und sich dort an einen neuen Lebensraum anpassen, weil sie dort gute Bedingungen vorfinden.

Marder

„Einige Bürger schicken mir Fotos von Fußspuren und der Frage, was das gewesen sein könnte“, erklärt Reinel. Hilfreich sei es immer, ein Größenverhältnis bei den Spuren anzugeben. „Auf anschließenden Filmaufnahmen wird man dann manchmal trotzdem überrascht. Manchmal sind es nur Katzen, manchmal ist auch ein Nerz oder Dachs dabei“, sagt Reinel.


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Berliner Bache an der Bushaltestelle

Besonders viele Wildtiere gäbe es in Metropolen wie Berlin. „In Berlin ist mit auch schon eine Bache mit Frischlingen an der Bushaltestelle begegnet. Dort gibt es besonderes große Grünanlagen und die Tiere werden von den Menschen gefüttert. Deswegen kommen sie bis ins in den inneren Kern. In Bayreuth ist im Stadtzentrum allerdings noch kein Schwarzwild ansässig, weil es hier nur kleinere Grüninseln, wie zum Beispiel den Hofgarten gibt“, sagt der Vorsitzende des Jägervereins Bayreuth.

Rehe in der Saas

Reh
Symbolfoto: Pixabay

Wildtiere würden vor allem zusammenhängende Grünflächen vorziehen. „Hat man eine große Wiese, eine Hecke und beispielsweise einen Bachlauf nebeneinander ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Wildtiere sich dort niederlassen“, sagt der 70-Jährige. „Neben dem Schießstand in der Saas gibt es inzwischen viele Rehe. Sie haben gemerkt, dass es ihnen dort gut geht und sie nicht angegriffen werden“, so Reinel.

 

 

Besser ruhig bleiben

Doch wie reagieren, wenn Marder, Fuchs oder Schwarzwild vor einem stehen? Der Experte rät: Vorsichtig sein und sich ruhig zurückziehen. Zwar würden kleinere Tiere, wie der Marder, normalerweise vor dem Menschen fliehen, jedoch können Tiere anders reagieren wenn sie verletzt oder gereizt sind. Vor allem bei Schwarzwild, dem letzten wehrhaften Wild, wie Reinel sagt, solle man vorsichtig sein, um keine Wunden zu riskieren.

Wildtiere sind in allen Randbereichen der Stadt zu anzutreffen, wo sie Nahrung finden und merken, dass sie nicht gejagt werden. Zum Beispiel am Röhrensee oder in der Eremitage.

(Adolf Reinel)

Bisherige Entwicklung

Insgesamt kommen auch in Bayreuth immer mehr Wildtiere in die Stadt, betrachtet man die vergangenen 20 Jahre. Allerdings ist in Bayreuth keine enorme Zunahme wie in Großstädten mit weitläufigen Grünflächen zu verzeichnen. „Der ein oder andere Fuchs oder Waschbär verirrt sich zwar auch mal im Stadtkern, allerdings sind sie dann auf der Durchreise“, sagt Reinel.

Jagdfreies Gebiet

Gejagt werden darf in der Stadt nur mit Sondergenehmigung. Eine Ausnahme würde man beim Wolf machen. Den müsse man einfangen. Sinnvoll sei es, sich an die Stadt Bayreuth oder an das Landratsamt zu wenden, wenn die Wildtiere im Wohnbereich echte Probleme bereiten würden. Selbst einfangen dürfe man kleinere Tiere wie den Marder nur, wenn man einen sogenannten Fallenkurs absolviert habe, ergänzt Reinel.