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Wirtsgogl-G’schichtla: Schatzsucher im Fichtelgebirge

Adrian Roßner - Der Wirtsgogl
Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In unserer bt-Serie „Wirtsgogl-Gschichtla“ gibt er uns regelmäßig Einblicke ins seinen Fundus:  kuriose Geschichten, unglaubliche Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region. 

In dieser Folge widmet sich Adrian Roßner den Schatzsuchern im Fichtelgebirge. Lesen Sie hier die aktuellste Geschichte aus der Feder des Wirtsgogl:

 


Wirtsgogl-Gschichtla #7 „Von den Schatzsuchern des Fichtelgebirges“ 

In der Zeit des ausgehenden Mittelalters hatte sich die Kunde über die geologischen Kostbarkeiten des Fichtelgebirges derart weit verbreitet, dass selbst ausländische Glücksritter, die getrieben von der Gier nach unermesslichen Schätzen ganz Europa bereisten, hierher verschlagen wurden. Diese sogenannten „Venediger“ oder „Walen“ gelten in ihrer Eigenschaft als mystische Alchemisten, die mittels geheimer Handwerkskünste, unverständlicher Rituale und seltsamer Zeichen wertvolle Minerale fördern konnten, bis heute als Kern mancher Sage. 

Reichtümer in Deutschlands Gebirgen

Wie bei vielen der althergebrachten Geschichten, so liegt auch diesen Erzählungen eine reale Tatsache zugrunde: Schon in den ältesten Beschreibungen des Fichtelgebirges, etwa von Caspar Bruschius oder Johann Pachelbel wird die Jagd jener Männer erwähnt, die „sich zu rühmen [pflegen], die Schätze und Reichtümer, die in Deutschlands Gebirgen verborgen liegen, seien ihnen als Fremdlingen besser bekannt, als uns Deutschen selbst. So sind auch des öfteren (sic!) von unseren Leuten solche Fremde auf dem Fichtelberg und in seiner Umgebung angetroffen worden, die diesen Berg und das Land herum durchforscht und erkundet haben.“  Dabei quartierten sie sich meist nur über die Sommermonate bei den hiesigen Bauern ein, denen sie in manchen Fällen, so unter anderem in Wülfersreuth, gar aus prekären Situationen halfen: Ein Wirt, der ihn einst bei sich aufgenommen hatte, musste damals mit einer finanziellen Notlage zurechtkommen, reiste nach Italien und wurde dort von seinem ehemaligen Gast mit Reichtümern überhäuft.

Dämonische Marken am Wegesrand

Es scheint demnach mehr ein freundliches Miteinander gewesen zu sein, das zwischen den seltsamen Welschen und den Fichtelgebirglern vorherrschte, wenngleich, wie oftmals der Fall gewesen, die Verstohlenheit der Ersteren in Zusammenhang mit der Neugier und der Unwissenheit der Letzteren zu manch üblen Anschuldigungen führten: So sah man in den seltsamen Zeichen, die die kundigen Schatzsucher überall anbrachten, um später die besten Plätze wiederfinden zu können, dämonische Marken, mit denen sie den Belzebub persönlich angerufen haben sollen, der ihnen dabei half, die Kostbarkeiten zu heben – tatsächlich war das „Schatzheben“ später eine Eigenschaft, die bei manch einem Hexenprozess, darunter der gegen Katharina Ailfferin aus Wunsiedel, die Anklage stütze. 

So geschah es letzten Endes, dass aus den freundlichen Venedigern durchtriebene Gesellen gemacht wurden, die man angeblich in Wirbelwinden durch den Wald fahren sah, die Kinder raubten und all jene Orte, an denen sie verweilten, verfluchten. 

Foto: Adrian Roßner.

Ein ominösen Zeichen des Ochsenkopfs?

Selbst im Ochsenkopf-Symbol, das als Namensgeber des gleichnamigen Bergrückens gilt, kann man, wie es unter anderem auch Helfrecht und Hanicka tun, eines jener ominösen Zeichen erkennen. Zwar dürfte das heute deutlich sichtbare Bildnis erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts dort oben angebracht worden sein, doch ist tatsächlich schon im 15. Jahrhundert von einem „Ochsenkopf“ nahe des „Schneeloches“ die Rede, was die Vermutung nahelegt, dass einst auch hier wertvolle Minerale gefunden worden sind. Hanicka zum Beispiel führt dieses Emblem, das ursprünglich aus drei Linien bestanden haben soll, auf das Zeichen für Merkur und Quecksilber zurück. Wenngleich man heute nicht mehr nachprüfen kann, wie genau das ursprüngliche Symbol ausgesehen haben mag, so ist diese Deutung dennoch einleuchtender, als jene der Herren Scherber und Zapf, die darin (einmal mehr) den Beweis für pagane Opferrituale zu sehen glaubten. 

Was bleibt?

Auch wenn also heute viele Spuren der Venediger verwischt oder in ihrer Bedeutung vergessen sind, so bleiben jene Gestalten dennoch durch Sagen und Mythen tief mit unserem Brauchtum verbunden und dienten gar bis in das 18. Jahrhundert hinein als sicherer Garant für Gold- und Silberfunde. Auch Jacob Heinrich Richter, der 1769 damit begann, an der Saalequelle zu graben und damit das heutige Aussehen jenes Areals entscheidend prägte, suchte einst aufgrund einer kurzen Erwähnung der Venediger in Pachelbels Werk nach buchstäblich sagenhaften Schätzen, von denen das Fichtelgebirge im Laufe seiner Geschichte nur einige wenige preisgegeben hat.  



Text: Adrian Roßner