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Zu „Leaving Neverland“: Als der King of Pop in Pegnitz abstieg

Dass Michael Jackson Kinder missbraucht haben soll, kann sich Hotelbesitzer Andreas Pflaum nicht vorstellen. Pflaum habe den Weltstar seiner Zeit anders kennengelernt. Die Vorwürfe, die gegen den King of Pop geäußert werden bestehen zwar schon lange, erhalten nun, zehn Jahre nach Jacksons Tod, durch die heiß diskutierte Dokumentation „Leaving Neverland“ neue Aufmerksamkeit. Das Bayreuther Tagblatt hat sich im Vorfeld des TV-Ereignisses am Samstag ab 20:15 Uhr auf ProSieben mit dem Mann unterhalten, in dessen Hotel der Weltstar 1992 übernachtete, als er im Zuge seiner „Dangerous“-Welttournee auch in Bayreuth spielte. 

Ein Weltstar in Pegnitz

Ursprünglich hatte der Superstar eigentlich eine Bleibe in einem Kulmbacher Hotel gebucht, doch Pflaum wollte sich den Besuch des King of Pop nicht entgehen lassen. In London stellte der Hotelbesitzer dem Management Jacksons sein Hotel vor und erwirkte so ein Umdenken bei Michael Jackson. 

Nach seiner Ankunft zeigte dieser sich begeistert vom Pegnitzer Luxushotel, das sowohl vor als auch nach dem King of Pop viele Berühmtheiten angezogen hat. Als Pflaum den Superstar inmitten der 150 Quadratmeter großen Suite mit einem Gugelhupf mit 21 Kerzen – Jackson hatte zwei Tage zuvor Geburtstag gehabt – und einer elektrischen Eisenbahn empfing, sei der Weltstar gerührt gewesen. Bezogen auf das ganze Hotel habe der Künstler gestaunt: „I’ve never seen nothing alike.“

Von Doubles und Perfektion

Als der weltbekannte Orient Express 1992 mit dem King of Pop an Bord Pegnitz einrollte, standen die Fans am Bahnhof Schlange. Danach fuhr Jackson im abgedunkelten Oldtimer-Bus Pflaums direkt zum Hotel. Dort wurden aufgrund des großen Andrangs von Jacko-Anhängern mehrere Sicherheitszäune aufgestellt. Während Jacko sich derweil im Hotel an seinem Geburtstagskuchen vergnügte, nutzten vor den Zäunen zahlreiche Jackson-Doubles die Gunst der Stunde und genossen die Aufmerksamkeit der Autogrammjäger.

Pflaum erinnert sich auch heute noch genau an Jackson, mit dem er sowohl in den Spielzeugläden Pegnitz‘ als auch im Fränkischen Wunderland in Plech gewesen ist. Der Hotelbesitzer empfand den Superstar als sehr angenehmen Menschen, der ihn immer wieder zum Staunen brachte. Denn Jackson strebte nach Perfektion und versuchte jede Kleinigkeit zu hinterfragen und zu verbessern. Natürlich hatte Jackson auch seinen eigenen Koch dabei, einen Italiener. Nach einer kurzen Eingewöhnung habe auch die Küche von Pflaums Bruder dem Gaumen des Weltstars geschmeichelt.

Als Jackson dann am 2. September 1992 im Städtischen Stadion in Bayreuth (Heute: Hans-Walter-Wild-Stadion) vor 32.000 Leuten seine größten Hits spielte, war Pflaum natürlich dabei. In Begleitung wurde der Pegnitzer mit dem Luxusauto bis zum VIP-Eingang gefahren. Dort sah er dann den Auftritt aus nächster Nähe. Und war von der Energie der Darbietung auf der Bühne begeistert.

Michael Jackson und die Kinder

Dass Michael Jacksons Verhältnis zu Kindern nicht normal sei, sah auch Pflaum. Der King of Pop war auch in Pegnitz in kindlicher Begleitung unterwegs. Für Pflaum habe das mit Missbrauch nichts zu tun gehabt. Der einstige Hotelbesitzer sieht Jacksons Affinität zu Kindern eher als eine Konsequenz der strikten Erziehung Jacksons durch seinen Vater. Die Beziehung zwischen dem damaligen Weltstar und den Jungen beschreibt er hingegen als „sehr enge Vater-Sohn-Beziehung“. 

Doch Pflaum war natürlich nicht dabei, wenn Jackson mit den Kindern alleine war. Der Pegnitzer hat im Jahr 1992 drei Tage mit dem King of Pop verbracht, sein Konzert in Bayreuth besucht und Ausflüge mit Jackson unternommen. Die Beziehung von James Safechuck und Michael Jackson war eine andere. Auch Wade Robson kannte den King of Pop länger. Robson und Safechuck sind die beiden Männer, die in der „Leaving Neverland“-Doku vom vermeintlichen Missbrauch ihrer Kindheitstage durch Michael Jackson sprechen. Der Film präsentiert die Vorwürfe der beiden im Detail. Daneben befasst er sich mit der Frage, warum die angeblichen Opfer so lange geschwiegen haben. Auch Pflaum wird am Samstag um 20:15 Uhr vor dem Fernseher sitzen und die Doku auf ProSieben sehen. Ihn interessiere ja schon, was die beiden Männer über Jackson zu sagen hätten.