Pandemie

Nach wütendem Video von oberfränkischem Brauer auf Facebook: Minister kann sich Lage nicht erklären

Die wegen der Corona-Pandemie geltenden Einschränkungen treffen viele Branchen hart – unter anderem auch die Gastronomen und Brauereien. Jetzt hat Mike Schmitt, Braumeister der Brauerei Nikl aus Pretzfeld seinem Ärger auf Facebook Luft gemacht. Das Video ging viral.

Mike Schmitt braut seit 2008 das Bier des „Nikl-Bräu“ in Pretzfeld (Lkr. Forchheim). Dazu betreibt er eine Brauereigaststätte. Durch die Corona-Pandemie sieht es derzeit aber alles andere als rosig aus. Mit einem Video auf Facebook fordert er Politiker heraus. Das sagt der Bayerische Wirtschaftsminister:

Update vom 16. Februar 2021: Aiwanger kann sich Lage für Brauereigaststätten nicht erklären

Das Video von dem Brauereigasthof in Pretzfeld ging in den Sozialen Netzwerken viral. Der Brauereigastwirt, Mike Schmitt, aus dem Kreis Forchheim wirft der Politik fehlende Perspektiven vor und ein Unverständnis für nicht gezahlte finanzielle Hilfen.

Wieso Bäckereien finanzielle Unterstützung erhalten und Brauereigasthöfe nicht, sei für Schmitt unverständlich. Hubert Aiwanger (FW) antwortete nun bei BR24 auf diese Frage: Er könne sich das auch nicht erklären.

Er habe das selbst beim Bundeswirtschaftsminister angefragt. Es stecke nun beim Finanzminister fest. Warum Brauereien nicht von dieser Regel betroffen werden, kann Aiwanger nicht verstehen. „Dort geht das ums Verrecken nicht durch“, sagt Aiwanger.

Immerhin gibt der bayerische Wirtschaftsminister Hoffnung: „Ich bin der Meinung, dass wir Anfang April so weit sind“, sagt Aiwanger. Dort sollen Gastronomen zumindest im Außenbereich wieder öffnen können. Selbst wenn die Werte nich runter gehen, sondern gleich bleiben, müsse man im Freien die Gastronomie öffnen können, erläutert Aiwanger.

Erstmeldung vom 12. Februar 2021: Nikl-Bräu in Oberfranken

Braumeister Mike Schmitt liebt seine Arbeit. In seinem Betrieb arbeiten viele Menschen aus dem Dorf. Umso mehr macht ihm die momentane Situation zu schaffen. Weil für ihn das Maß nun voll ist, hat er seinem Ärger in einem Video auf Facebook Luft gemacht. „Eigentlich geht der Laden gut und es passt auch alles“, sagt Schmitt. Nur Corona verderbe ihm den Spaß.

Lockdown in Deutschland weiter verlängert

Als Schmitt aus den Nachrichten erfuhr, dass der Lockdown und die Maßnahmen vorerst bis 7. März 2021 verlängert wurde, war er wenig überrascht. Doch diese Bekanntgabe war der Auslöser für ihn, auf seine und die Situation der Gastronomiebetriebe und Brauereiwirtschaften aufmerksam zu machen. „Es ist ein Wahnsinn und eine Unverschämtheit was da passiert“, legt der Braumeister wütend im Facebook-Video los.

Natürlich freue er sich, dass die Friseure ab März wieder öffnen dürfen. „Aber es soll mir mal bitte ein Politiker erklären, warum der Friseur öffnen darf, aber wir mit unserer Wirtschaft nicht.“ Zuletzt hat ein Bayreuther Friseur eine bundesweite Aktion gestartet, um auf die Notlage der Salons aufmerksam zu machen. 

Trotz Hygienekonzept keine offenen Gastronomiebetriebe

Das Nikl-Bräu habe nämlich ein tolles Hygienekonzept. Dieses habe Schmitt wahnsinnig viel Zeit und Geld gekostet. Als er Ende Oktober 2020 im IKEA einkaufen war, habe er bemerkt, dass dort hunderte Menschen unterwegs waren, nichts desinfiziert wurde und auch nichts für die Kontaktnachverfolgung dokumentiert wurde. „Bei uns hat alles gepasst und wir dürfen nicht aufmachen“, zeigt sich Schmitt verständnislos. „Wisst ihr überhaupt was bei uns los ist?“

Keine Corona-Hilfen für oberfränkische Brauereigastwirtschaft

Schmitt hat mit seinem Nikl-Bräu eine Brauereigastwirtschaft. Diese zählt als sogenannter Mischbetrieb. „Wir kriegen keinen Cent für November, für Dezember und konnten das komplette letzte Jahr kaum etwas verdienen“, regt sich der Braumeister auf. „Diese ganzen scheiß Hilfen kriegen wir nicht.“

Nicht einmal ein Zwischendarlehen gebe es für das Nikl-Bräu, weil der Betrieb in kein Raster passe. Und das bei einem Umsatzverlust von 70 Prozent. Schmitt fragt sich, wie und von was er alle Rechnungen bezahlen soll. Der kleine Betrieb habe im Monat Fixkosten von über 10.000 Euro – ohne Personal. Mit dem Essensverkauf to Go und dem Flaschenbierverkauf bekäme er nicht einmal ein Drittel seines eigentlichen Umsatzes rein.

Pretzfelder Braumeister fordert Lösung von Politik

„Dann kommen die Superschlaumeier vom Finanzamt und sagen, sie stunden uns die Umsatzsteuer bis 31. März. Wir haben bis dahin auch nicht offen“, redet sich Schmitt in Rage. Er fragt sich, wie das funktionieren soll. Denn die ganzen Leasing-Firmen stunden nichts. Er bekomme eine Mahnung nach der anderen.

„Ich will jetzt konkret wissen: Scholz, Altmeier, Söder, Merkl – Wie soll diese Scheiße weitergehen? Ihr sperrt uns den Laden zu, gebt uns keine Möglichkeit aus den Schulden rauszukommen – Was sollen wir machen?“ Deswegen fordert der Braumeister, dass die Politik etwas unternimmt. Alle Läden die seit einem Jahr zu haben, sollen unterstützt werden. „Es ist eine riesen Sauerei was ihr abzieht.“

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Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler