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Coronavirus

So geht es der katholischen Kirche in Bayreuth: Trauernde mussten weggeschickt werden

„Wie geht Kirche in der Corona-Pandemie?“ Das bt hat mit dem leitenden Pfarrer des katholischem Seelsorgebereichs Bayreuth gesprochen.

„Ich lasse den Zug weiterfahren“, sagt Pfarradministrator Dr. Heinrich Hohl zum Termin für die Firmung im Juni dieses Jahres. Wegen Corona war die Erstkommunion bereits verschoben worden. Überhaupt laufe wegen der Pandemie in den Pfarrgemeinden Hl. Geist, St. Hedwig, Johannes Nepomuk und St. Franziskus in der Pandemie vieles anders. Das bt hat mit deren leitenden Pfarrer im katholischen Seelsorgebereich Bayreuth darüber gesprochen.

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So geht es der katholischen Kirche im Raum Bayreuth in der Pandemie

Die Kinder, die in diesem Jahr zum ersten Mal die Kommunion empfangen, werden aufgeteilt, um nicht zu viele Menschen in der Kirche zu haben und der Termin verschoben. Jeder Firmling darf nur vier Angehörige dabei haben. Das alles sind Auswirkungen der Corona-Pandemie im katholischen Seelsorgebereich Bayreuth, erklärt Heinrich Hohl.

Auch die Zahlen bei den Taufen würden zurückgehen, weil die Eltern kein Risiko eingehen wollen oder weil es bei geschlossener Gastronomie keinen Ort für die anschließenden Feiern gibt. „Corona bewegt die Menschen und damit auch die Kirchengemeinde“, resümiert Hohl.

Bayreuth: Warum Präsenzgottesdienste trotz Pandemie stattfinden können

„Seit etwa vier Wochen werden es nochmal weniger“, sagt Pfarradministrator Heinrich Hohl zu den Besuchern bei den Gottesdiensten. „Die Menschen haben Angst, wollen sich und ihre Familien schützen.“ Noch sehe er keine Entspannung durch die fortschreitende Impfung der Bevölkerung und neuen Angeboten dazu  im Raum Bayreuth.

Präsenzgottesdienste finden allerdings statt. In St. Hedwig ist es beispielsweise so, dass von 500 möglichen Besuchern zumindest 100 teilnehmen können. Ein Problem gebe es in kleinen Kirchen beim Sonntagsgottesdienst. Hier könne es vorkommen, dass aufgrund des hohen Aufkommens nicht alle Besucher in die Kirche dürfen, erläutert Hohl.

Beerdigungen in der Pandemie in Bayreuth

Besonders schlimm sei es bei Beerdigungen: wenn zu den Angehörigen noch ein großer Kreis an Freunden und Bekannten eines Toten kommt. Auf dem Friedhof gelten die entsprechenden Satzungen des Trägers. „Da sind uns Pfarrern die Hände gebunden.“

Durch Lautsprecher vor der Halle würden zwar ein paar Besucher mehr der Messe beiwohnen können. Es habe aber auch schon Fälle gegeben, wo man Menschen wegen der Abstandsregeln habe wegschicken müssen. „Das ist schlimm“, betont Hohl.

Abhilfe sollen entsprechende Gottesdienste in der Kirche schaffen. So könnten mehr Menschen ihre Trauer auf kirchlichem Wege verarbeiten und von den Toten Abschied nehmen: stets im Rahmen der AHA-Regeln.

Rap in der Kirche? Gesangsverbot während des Gottesdienstes

„Eine Liturgie ohne Gesang ist deutlich ärmer“, erklärt Pfarrer Heinrich Hohl. Nach vielen Jahren falle es aber auch den Gottesdienstbesuchern nicht leicht, die Texte der Lieder nur zu sprechen. Es habe aber auch etwas Gutes: „Das ist ein ganz neues Textverständnis.“

Tatsächlich seien diese Texte nämlich Gebete, Worte also mit Kraft und wenn man die ebenso kraftvoll ausspricht, sei der Gedanke an Rapmusik, also dem Sprechgesang, gar nicht mehr so abwegig.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß