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Zippel und Fischer: Die Hoffnungsträger der SPD im Video-Interview

Beide sind erst 27 Jahre alt. Für die älteste Partei Deutschlands sind sie nach Jahren des Niedergangs die Hoffnungsträger. Der eine, Andreas Zippel, soll für die SPD bei der Kommunalwahl 2020 den Chef-Sessel im Rathaus erobern. Den Sessel, den die in Bayreuth immer noch mitgliederstärkste Partei durch Leute wie Hans Rollwagen, Hans Walter Wild oder Dieter Mronz bis 2006 durchgängig inne hatte. Der andere, Jan-Michael Fischer, soll als Roter Landrat im schwarzen Landkreis werden. Ein Video-Interview finden Sie über dem Text.

Jan-Michael Fischer. Foto: SPD

Jan-Michael Fischer kommt aus Speichersdorf und studiert Jura, Politikwissenschaft und interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Jena. Noch in diesem Herbst will er sein Studium abschließen. Nebenbei geht er einer Arbeit nach: Bei den Jenaer Stadtwerken ist er dafür zuständig, dass die Elektro-Mobilität in Jena geplant und koordiniert wird. Kein Wunder also, dass er im Landkreis Bayreuth vor allem Nachholbedarf in Sachen Mobilität sieht.

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Ich wollte das machen und habe gesagt, dass ich mir das vorstellen könnte (…) Dass ich nach dreijähriger Mitgliedschaft die Möglichkeit bekomme, für so ein Amt zu kandidieren, ist immer noch eine Wucht, die ich auf eine gewisse Art und Weise erst noch realisieren muss.

(Jan-Michael-Fischer darüber, dass die SPD ihn ins Rennen schickt)

Andreas Zippel hingegen stammt gebürtig aus Nürnberg, ist Wirtschaftsjurist, arbeitet und lehrt an der Uni Bayreuth und ist dort unter anderem am Aufbau neuer Studiengänge beteiligt. Für seine Vorlesungen über das Verfassungsrecht wurde er vergangenes Jahr mit dem Lehrpreis der Uni Bayreuth ausgezeichnet. Zippel promoviert außerdem an der Uni Bremen bei einem der renommiertesten Arbeitsrechtlern des Landes. In seiner Doktorarbeit beschäftigt er sich mit der Frage, welche digitalen Hilfen im Personalmanagement zulässig sind. Nach Zippels Meinung sind die derzeit in Stadt und Landkreis tätigen Politiker zu wenig tätig und verfügen über kein Konzept, wie sich die Region in den nächsten Jahren entwickeln soll.

Die SPD hat sich vermutlich überlegt, dass es gut wäre ein paar neue Ideen reinzubringen und ein bisschen Schwung.

(Andreas Zippel auf die Frage, warum die SPD ihn nominiert hat)

Andreas Zippel. Foto: Thorsten Gütling

Wie Fischer glaubt auch Zippel, dass Stadt und Landkreis vertrauensvoller miteinander umgehen und mehr miteinander kooperieren sollten. Gemeinsam wollen sie antreten, um aus Stadt und Landkreis eine starke Einheit zu machen.

Es gibt Überschneidungen in unterschiedlichsten Bereichen. Das fängt bei der Mobilität an, das geht übers Klinikum und weitere gemeinsame Projekte weiter, wo es wirklich gut ist, wenn sich Landrat und Oberbürgermeister auch wirklich gut verstehen.

(Jan-Michael Fischer)

Auch wenn sich die Nachrichten über historische Tiefpunkte bei der SPD beinahe wöchentlich wiederholen und die SPD in Bayern aktuellen Umfragen zufolge auf nicht einmal mehr zehn Prozent kommt, finden Zippel und Fischer: die Sozialdemokratie ist wichtiger denn je. Sicherlich bekomme man “wenig Rückenwind rein von dem Namen SPD”, sagt Zippel. Aber:

Man braucht sich nur mal in einen Park setzen, da sieht man Rentner die Flaschenpfand sammeln um die eigene Rente aufzubessern. Das ist ein Zustand der nicht tragbar ist.

(Jan-Michael Fischer)

Andreas Zippel (li.) und Jan-Michael Fischer (re.) im bt-Interview. Die Fragen stellt Thorsten Gütling. Foto: Carolin Richter

Das Alter? Kein Problem!

Dass ihnen ihr mit 27 Jahren noch recht junges Alter bei der Wahl zum Verhängnis wird, glauben die beiden nicht.

Dieses Alter ist eigentlich überhaupt kein Problem. Denn man bringt neue Ideen mit, man bringt Schwung mit, man bringt ganz andere Perspektiven mit.

(Andreas Zippel)

Was sie anders tun wollen als ihre Vorgänger? Man habe wahnsinnig großes Potenzial in Bayreuth, das aber kaum genutzt werde, findet Zippel. Man arbeite weder an einem Plan, wie in Bayreuth die Mobilitätswende zu schaffen sei, noch daran, wie man die Wohnungsnot lindern könnte ohne die Natur zu zerstören. Folglich sagt Zippel, es fehle ihm vor allem an Konzepten, die erarbeitet und dann auch durchgezogen werden müssten.

Schlecht getan hat sie nicht viel, weil sie wenig getan hat.

(Andreas Zippel über Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe)

So sieht das auch Fischer, der unter anderem ein Mobilitätskonzept für den Landkreis vermisst um junge Menschen von einem Leben dort zu überzeugen. Eines, das dafür sorgen könnte, dass die Jungen in der Region bleiben und damit auch die Nachwuchssorgen in Vereinen und Feuerwehren lösen.

Der Ort für ein Interview über mehr Kooperation zwischen Stadt und Landkreis: Der in Bindlach ansässige Flugplatz der Stadt Bayreuth. Foto: Carolin Richter

Politik von der Fraktionsbank

Und wenn es nun nicht klappt mit dem Sturm auf die Chef-Sessel am 15. März des nächsten Jahres? Dann wollen sich Zippel und Fischer in Stadt- und Kreistag Gehör verschaffen. Wollen ihre Ideen davon, wie die Zukunft der Region aussehen soll, möglichst von den vorderen Bänken der Gremien vorantreiben.

Wenn ich mir zutraue eine Stadt zu führen, dann möchte ich mir auch zutrauen in einem Stadtrat eine Stadt zu gestalten.

(Andreas Zippel)

Die Inhalte, die ich jetzt im Rahmen des Wahlkampfes einbringe, möchte ich dann auch umsetzten, ungeachtet der Tatsache, ob ich Landrat werde oder nicht. Das sollte die Devise jedes Kandidaten sein.

(Jan-Michael Fischer)

Oberbürgermeisterwahl: Michael Hohl tritt nicht an

Bayreuths Bürgermeister Thomas Ebersberger gilt seit Dienstagabend als heißester Tipp, wenn es um die Frage geht, wen die CSU in das Rennen um das Oberbürgermeisteramt 2020 schickt. Der Grund: Ebersbergers ärgster Konkurrent, Michael Hohl, hat erklärt, nun doch nicht zu kandidieren. Zur Begründung sagt Hohl, er wolle die Zukunft der Stadt künftig von anderer Stelle aus gestalten.

Bei einer Abstimmung, die das Bayreuther Tagblatt im Juli gestartet hatte, nahmen über 500 Leser teil. Am Ende hatte Hohl die Nase zwölf Prozentpunkte vor Ebersberger.

Es ehrt mich, dass ich von einer ganzen Reihe von Parteimitgliedern und tagtäglich von Bayreuther Bürgern außerhalb der CSU zu einer erneuten Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters aufgefordert wurde. Nach reiflicher Überlegung und intensiven Gesprächen mit meiner Familie und engen Freunden bin ich zu dem für mich alles andere als leichten Entschluss gekommen, dass ich auf eine Kandidatur verzichten werde.

(Michael Hohl, Altoberbürgermeister)

Den Kreisverband habe er von seiner Entscheidung bereits in Kenntnis gesetzt. Hohl war von 2006 bis 2012 bereits Oberbürgermeister der Stadt, bevor er eine Stichwahl gegen Brigitte Merk-Erbe denkbar knapp verlor.

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Ich bin dankbar dafür, dass ich den Menschen unserer Stadt sechs Jahre lang dienen durfte und dazu beitragen konnte, die Stadt Bayreuth attraktiver und zukunftsfester zu machen. Dies sehe ich auch künftig als wichtige Aufgabe und Herausforderung an – jedoch an anderer Stelle.

(Michael Hohl)

Hohl sagt, er habe neben seiner langjährigen Tätigkeit für die Forschungsstelle für Familienunternehmen aktuell die Geschäftsführung der Forschungsvereinigung Neue Materialen übernommen. Sein Ziel sei es, das “Innovationspotential” der Region weiter zu stärken. Zudem sehe er seine Aufgabe künftig in der Förderung der Wirtschaftsregion Bayreuth. Das wolle er vorantreiben, indem er Wirtschaft, Uni und Start-Ups vernetze.

Diese Entscheidung wurde mir erleichtert durch die Gewissheit, dass die Bayreuther CSU in der Kommunalwahl umso erfolgreicher sein wird, je geschlossener sie agieren kann. Ich möchte mit diesem Schritt auch dazu konstruktiv beitragen.

(Michael Hohl)

Für den Stadtrat wolle er allerdings wieder kandidieren, so Hohl.

CSU-Kreisverband zollt der Entscheidung Respekt

Die Frage ist nicht, ob Dr. Hohl positiven Einfluss auf die Entwicklung unseres geliebten Bayreuths nimmt, sondern aus welcher Position heraus. Auch wenn er der CSU nicht als Oberbürgermeisterkandidat zur Verfügung steht, wird er sich trotzdem in geeigneter Position in den Dienst der Bürger, der Stadt und somit auch in den Dienst seiner Partei stellen. Davor habe ich größten Respekt und dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit.

(Silke Launert, CSU-Kreisvorsitzende)

Am 19. September soll die Frage nach dem Oberbürgermeisterkandidaten der CSU endgültig entschieden werden. Dann möchte die CSU Bayreuth-Stadt ihren Kandidaten auf einer Versammlung offiziell nominieren.

Von Thomas Ebersberger war am Abend keine Stellungnahme mehr zu erhalten.