Zuletzt aktualisiert am

Coronavirus

Bayreuther Apotheker kritisiert Jens Spahn: „Die öffentlichen Apotheken machen die Drecksarbeit“

Für den Verkauf von FFP2-Masken gegen Vorlage von Coupons bekommen die Apotheken ab dem 7. Januar 2021 Geld vom Staat. Aber ab diesem Zeitpunkt können diese Coupons auch bei Online-Apotheken eingelöst werden. Ein Bayreuther Apotheker findet das unfair.

Gesundheitsminister Jens Spahn verkündete vor wenigen Tagen, dass Risikogruppen drei FFP2-Masken vor Ort in den Apotheken bis zum 6. Januar 2021 erhalten. Die Apotheken bekommen in dieser Zeit eine Pauschale vom Staat. Ab dem 7. Januar ändert sich das. Dann erhalten die Apotheken für jede verkaufte Maske Geld vom Staat. Ab diesem Zeitpunkt können diese Masken auch in Online-Apotheken erworben werden. Ein Bayreuther Apotheker übt daran Kritik.

Präsenzapotheken sterben langsam

Dr. Jens Landwehr bildet zusammen mit Dr. Andreas Paul die Geschäftsführung der Rathaus Apotheke Bayreuth, der Apotheke am Roten Hügel, der Mohren Apotheke und der Brandenburger Apotheke. Die beiden wollen sich gegen das Sterben der Präsenzapotheken stemmen, das durch Online-Apotheken verursacht wird. Die Situation sehen die beiden aber nüchtern und pragmatisch.

„Wenn es Volkes Wille ist, die Präsenzapotheke langsam sterben zu lassen, dann will das der Markt eben so“, sagt Landwehr auf Facebook. „Auch wenn dann die Versorgung mit Medikamenten richtig übel wird.“

Der Sachverhalt

Das Problem ist nun aber Folgendes: Die Präsenzapotheken gehen mit dem Kauf der Masken bis Ende 2020 in Vorleistung und bekommen dafür dann eine Pauschale vom Bund. Diese errechnet sich Anhand der Größe der Apotheke. „Die Pauschale bekommen aber alle Apotheken unabhängig davon, ob sie Masken abgeben oder nicht“, erklärt Paul.

„Die, die sich gut vorbereitet haben, geben nun auch Masken raus für diejenigen die sich nicht gut vorbereitet haben und sich verweigern. Das finde ich nicht sozial“, sagt Paul.

Ab dem 7. Januar 2021 bekommen Risikopatienten Coupons von ihren Krankenkassen zugeschickt, mit denen sie dann FFP2-Masken in den Apotheken für nur 2 Euro kaufen können.

Für die Coupons bekommen die Apotheken dann eine Vergütung von 6 Euro pro Maske vom Staat. Landwehr und Paul finden das mehr als fair. Aber ab dem neuen Jahr können diese Coupons allerdings auch bei Online-Apotheken eingelöst werden. Und diese Tatsache finden die Bayreuther Apotheker nicht in Ordnung.

Bayreuther Apotheker regt sich auf

„Die öffentlichen Apotheken machen die Drecksarbeit im alten Jahr und die Belohnung kassieren dann DocMorris und Kollegen mit“, regt sich Landwehr auf Facebook auf. Für den Apotheker ist dies kein fairer Wettbewerb.

Deswegen fordert er von Spahn, dass die Maskenversorgung auch im neuen Jahr exklusiv über die Präsenzapotheken erfolgt. „Wir haben uns das hart erarbeitet und verdient“, findet er.

Keine Absprache mit Apotheken

Sein Geschäftspartner Andreas Paul versteht die emotionale Sicht seines Kollegen. Er sieht die Sache etwas differenzierter und wünscht sich – genau wie Landwehr – ein „danke, das habt ihr gut gemacht“ und „wir vertrauen in Zukunft darauf, dass ihr das könnt“ von oberster Stelle zu bekommen.

Denn diese Masken-Aktion war vorher nicht mit den Apotheken abgesprochen. Von Bekanntwerden der Nachricht bis zum in Kraft treten der Aktion hatten die Apotheken gerade mal zwei Werktage Zeit, sich einen Vorrat an FFP2-Masken zuzulegen. Das habe es gerade kleinen Apotheken schwer bis unmöglich gemacht, sich rechtzeitig gut einzudecken.

Maskenvergabe für Bayreuther Apotheken

Die Maskenvergabe startete am Dienstag, den 15. Dezember 2020. Der Bayreuther Apotheker schildert auch, wie der Dienstag für die Apotheken war: „Die Massen brandeten in die Apotheken, die mal besser, mal schlechter und teils noch gar nicht bevorratet waren.“ Deswegen gingen die Menschen dann natürlich zu Apotheken, die sie sonst nicht nutzen. Dort stauten sich die Menschenmassen dann in und vor dem Geschäft.

Im Endeffekt mussten dann die gut vorbereiteten Apotheken auch die Herausgabe der Masken für die nicht gut vorbereiteten Apotheken mit stemmen. Deshalb musste Landswehr innerhalb von zwei Tagen die Hälfte seiner kalkulierten Masken herausgeben. „Wenn das so weiter geht, ist das Kontingent bis allerspätestens Weihnachten weg und was machen wir dann bis 7. Januar? Ganz sicher draufzahlen!“, sagt Landwehr.

Apotheker werden beschimpft

Aber das ist noch nicht alles. Denn die Menschen zeigten sich über Wartezeiten wenig erfreut:
„Hinzu kommt, dass wir teils übel beschimpft wurden, als doch mal für 2 Stunden die Masken aus waren. Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung ist dank der Berichterstattung des Gesundheitsministeriums sehr groß“, berichtet Landwehr.

Andreas Paul erklärt die Sache anhand eines Beispiels: „Es ist wie bei Kindern. Der Papa verspricht etwas, was die Mama macht. Die Mama weiß aber nichts davon. Wie reagieren also die Kinder? Traurig und trotzig.“ In dem Fall hat Gesundheitsminister Jens Spahn etwas versprochen, was die Apotheken aufgrund der Kommunikationsfolge nicht einhalten konnten.

„Das heißt, einer verspricht und der andere enttäuscht. Und das ist eine Sache, die einfach weh tut“, sagt Paul. Denn normalerweise verspreche man nur Dinge, die man auch einhalten kann.

Kein schwarzer Peter für Jens Spahn

Jedoch wollen die Geschäftsführer von vier Bayreuther Apotheken Gesundheitsminister Jens Spahn nicht den schwarzen Peter zuschieben. Landwehr und Paul wollen auch nicht alles schlecht reden, was Spahn gemacht hat. Ihnen geht es bei der Sache um drei Dinge:

  • Die Kommunikation in der Sache sei suboptimal gewesen
  • Es sei unfair, die Online-Apotheken ab Januar zu beteiligen
  • Zudem wünschen die Apotheker sich Wertschätzung vom Gesundheitsminister
Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler