Corona-Krise

Etwa 9 Millionen Sendungen pro Tag in Deutschland – Postboten müssen mit Sonntagsarbeit rechnen

Der Briefzusteller Deutsche Post AG hat wegen der Corona-Krise in Deutschland viel zu tun. 

Während viele Branchen durch die Coronakrise und die damit einhergehenden Ausgangsbeschränkungen lahm gelegt sind, sieht es bei anderen ganz anders aus. Die Briefzusteller der Deutschen Post AG haben derzeit ungewöhnlich viel zu tun. Außerdem bekommt Bayreuth eine neue Postfiliale.

2.000 zusätzliche Mitarbeiter

Die Briefträger der Deutschen Post können sich nicht über zu wenig Arbeit beklagen. „Derzeit stellen wir ein sehr hohes Paketaufkommen fest“, sagt Pressesprecher Erwin Nier von der Deutschen Post. An Werktagen stellen die Briefträger normalerweise 5,2 Millionen Sendungen zu. Momentan sind es circa neun Millionen Sendungen im ganzen Bundesgebiet. In der Vorweihnachtszeit sind es zwischen zehn und elf Millionen Sendungen.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: „Zur Bewältigung dieser Sendungsmenge hatten wir keine Vorbereitungszeit.“ Vor dem Weihnachtsgeschäft seien etwa drei bis vier Monate Zeit zum planen. Diese fehlen jetzt. Trotzdem seien Maßnahmen ergriffen und etwa 2.000 Menschen eingestellt worden. Allerdings sei jetzt die Kapazitätsgrenze erreicht, laut Nier. „Daher sehen wir es als notwendig an, an einzelnen Standorten in einzelnen Regionen Sondergenehmigungen für die Sonntagszustellung zu beantragen.“

Spätere Zustellungen in Bayreuth

Eben weil momentan so viele Pakete unterwegs sind und besondere Schutzmaßnahmen nötig sind, werden diese in zwei Wellen zugestellt. „Die erste Welle startet etwa um 9:30 Uhr und die zweite um 11:30 Uhr“, sagt Nier. Deswegen bekämen manche Menschen ihre Sendung erst am frühen Abend. „Die Zusteller arbeiten bis 18 Uhr, dass heißt die letzten Sendungen werden vielleicht so um 17:30 Uhr zugestellt.“

In Bayreuth sind 90 Briefzusteller tätig. 35 Mitarbeiter entlasten ihre Kollegen, wenn besonders viel ansteht. „Die fahren dann in der zweiten Welle raus.“ Im Raum Bayreuth stellt ein Zusteller bis zu 150 Pakete am Tag zu. Momentan sind es allerdings wesentlich mehr. „Bis zu 250 Pakete müssen an Werktagen momentan zugestellt werden“, sagt der Pressesprecher.

Sonntagszustellungen möglich

Wie lange die großen Sendungsmengen noch andauern, ließe sich nicht voraussagen. Deswegen wird im Laufe jeder Woche situationsbedingt entschieden, wo Sonntagsarbeit zwingend notwendig ist „um alle Sendungen in der sonst üblichen Zeit zu bearbeiten“. Entsprechende Anträge würden erst dann gestellt, wenn die Lage abschätzbar sei. „Für den kommenden Sonntag gibt es bundesweit keine Sonntagzustellung“, sagt Nier.

Der Pressesprecher betont, dass die Beschäftigten, die an der Sonntagszustellung teilnähmen, dies freiwillig täten. „Sie erhalten dafür Sonntagszuschläge und einen entsprechenden Freizeitausgleich.“
Nier versichert, dass alles mit den betreffenden Betriebsräten vorher abgestimmt werde. Trotzdem strebe die Deutsche Post keine regelmäßige, bundesweite Sonntagszustellung an. Dies geschehe nur in Ausnahmesituationen.

Hohes Sendungsaufkommen

Aber wie konnte dieses hohe Sendungsaufkommen entstehen. Es liegt wohl nicht nur daran, dass die Menschen ungewöhnlich viel bestellen. Es habe auch logistische Gründe. „Viele unserer auch größeren Versenderkunden „schieben“ derzeit noch Auftragsbestände und Versandmengen von bis zu einer Woche und mehr vor sich her“, sagt Nier. Das komme aus der Zeit, als die Geschäfte noch nicht wieder teilweise geöffnet waren. „Diese kommen jetzt nach und nach in den Folgetagen bei uns zeitversetzt an.“

Allerdings verzögern die notwendigen Schutzmaßnahmen auch die Umschlagprozesse. „So darf derzeit in einem Paketzentrum zum Beispiel nur ein Mitarbeiter eine Wechselbrücke entladen statt wie sonst zwei.“ Aber nicht nur das. „Zudem müssen Mitarbeiter – soweit es geht – die Mindestabstände einhalten sowie alle anderen Regularien wie eine regelmäßige Handhygiene zur Minderung einer Ansteckung berücksichtigen“, erklärt Nier.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler