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Zuletzt aktualisiert am 19. Oktober 2023 | 13:30

Oberfranken

Saft und Glühwein aus Oberfranken: So zufrieden sind die Keltereien mit der Ernte

von Hans Koch

Die Obsternte ist in vollem Gange – auch in Oberfranken. Doch wie zufrieden sind die Keltereien mit dem diesjährigen Ertrag?

Frisches Obst und frischer Saft kommen bei vielen im Herbst auf den Tisch. Symbolbild: Pixabay
Frisches Obst und frischer Saft kommen bei vielen im Herbst auf den Tisch. Symbolbild: Pixabay

Apfelsäfte, Edelbrände und Glühwein: Die oberfränkischen Keltereien produzieren derzeit ihre Leckereien.

Das bt sprach mit drei oberfränkischen Keltereien.

Plassenburg zufrieden mit Apfelernte

“In Oberfranken läuft die Ernte besser als im letzten Jahr”, sagt Markus Wolfrum, Vorstand der Plassenburg-Kelterei in Bad Berneck. Dabei merkt er an, dass die Ernte bayern- und deutschlandweit dieses Jahr insgesamt schlechter läuft – Oberfranken ist demnach eine Ausnahme.

Auch die Produktion der Apfelsäfte habe sich im Vergleich zum Vorjahr erhöht. So habe die Plassenburg-Kelterei dieses Jahr bisher etwa 25 Prozent mehr produzieren können. Laut Wolfrum ist dies aber nicht das volle Potenzial der diesjährigen Ernte.




Leute lassen Äpfel liegen

“Wir stellen fest, dass nicht alles, was am Baum dranhängt, zu uns kommt” sagt Wolfrum. Einer der Gründe, warum das Produktionspotenzial nicht voll ausgeschöpft werden kann, liegt laut ihm daran, dass die Leute die Äpfel liegen lassen.

Bei dieser Entwicklung stellt er einen Generationsunterschied fest. “Der alte Opa weiß noch, dass man das aufheben muss”, sagt er, “die Jungen vergleichen den Arbeitsaufwand mit dem Arbeitslohn und stellen für sich fest, dass es sich nicht lohnt.”

Wolfrum geht davon aus, dass dieses Jahr eine doppelte Produktion im Vergleich zum Vorjahr möglich gewesen wäre, wenn es denn alle Äpfel zur Kelterei geschafft hätten.

Trockenheit und Pilze beeinflussen Ertrag

Ungefähr 50 Tonnen Äpfel pro Tag presst man in der Kelterei Plassenburg und etwa 500 Tonen im Monat – die Kelterei läuft nur an wenigen Tagen in der Woche. “Vor gut zwanzig Jahren haben wir ungefähr 4.000 Tonnen Äpfel im Jahr verarbeitet”, so Wolfrum, “zurzeit befinden wir uns bei 1.200 Tonnen pro Jahr”.

Ein Grund für den Rückgang ist auch das Wetter. “Man merkt den Klimawandel auch bei uns”, sagt er. Demnach sorgt die Trockenheit im Frühjahr für kleinere Fruchtkörper. Ein höheres Schädlingsaufkommen sorge zusätzlich noch dafür, dass die Äpfel an den Bäumen verfaulen.

Aber nicht nur Insekten machen den Apfelbäumen zu schaffen. Durch die Trockenheit breiten sich Pilzkrankheiten unter den Apfelbäumen aus. Diese sorgen dafür, dass diese geschwächt werden und schließlich absterben.

Saftkonsum ist zurückgegangen

Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage und der höheren Preise bemerkt Wolfrum einen Rückgang beim Saftverzehr. In den letzten zwei Jahren hat seine Kelterei daher einen Umsatzverlust von 20 Prozent verzeichnet.

Auch die Orangensaftproduktion schlägt sich negativ auf den Umsatz aus. Für den Orangensaft importiert die Kelterei Plassenburg Orangensaftkonzentrat aus Brasilien. Die Preise für das Konzentrat sind wegen Ernteausfällen und Schäden an den Pflanzen besonders gestiegen. Konnte man früher das Kilo Konzentrat für 2,50 Euro kaufen, bezahlt die Kelterei nun bis zu sechs Euro.

Da die Kelterei bereits Verträge mit den Händlern hat, kann diese Preiserhöhung auch nicht direkt an diese weitergegeben werden. Dadurch entstand bis jetzt ein Betriebsverlust von ungefähr 200.000 Euro. “Da müssen wir einfach durch”, sagt Wolfrum.

Glühwein aus fränkischen Äpfeln

Die Kelterei nimmt auch Obst von Privatpersonen entgegen. So kauft die Kelterei 100 Kilogramm Äpfel für 10 Euro an. Auch ein Lohnmost-Guthaben ist möglich. Kunden bekommen dann eine Vergünstigung von elf bis zwölf Cent pro Flasche.

Aus diesen Äpfeln stellt man bei der Plassenburg-Kelterei zum Beispiel auch Glühwein her, der aus fränkischen Äpfeln gemacht wird. Verfeinert wird dieser mit roten Beeren wie Holunder und Brombeeren sowie Gewürzen.

“Eine allgemein bessere Saison”

Auch die Süßmosterei Senger aus Ebensberg im Landkreis Lichtenfels zeigt sich zufrieden mit der Saison. Laut Steffen Senger konnten sie bisher “ungefähr doppelt so viel” ernten und verarbeiten. Auch die Birnenernte läuft dieses Jahr etwas besser, jedoch nicht so gut wie die Apfelernte.

“Es ist egal, wie viele Äpfel es gibt, es zählen nur die Äpfel, die in die Kelterei gebracht werden”, sagt Senger. Deshalb können auch Privatkunden ihre Erträge zur Süßmosterei bringen. Für 50 Kilogramm bekommt man sechs Euro. Auch eine Lohnmost ist möglich. Dafür bezahlt der Kunde dann nur den Herstellungspreis des Getränkes und spart somit bis zu 40 Cent pro Liter für Mischgetränke.

Auch in der Süßmosterei Senger ist die Glühweinabfüllung im vollen Gange. “Es ist wichtig, dass man schon einen Vorrat angelegt hat”, sagt Senger. Ihr Glühwein “Götterhämmerung” ist demnach besonders beliebt in der Winterzeit.

Nicht überall war die Ernte besser

Etwas anders sieht es bei der Kelterei und Brennerei Rabenstein in Goldkronach aus. Beim Familienunternehmen vermerkt man eine durchschnittliche Ernte dieses Jahr. Zudem merkt Karl Rabenstein an, dass die Qualität dieses Jahr etwas schlechter sei. Die Äpfel hätten mit Würmern und Fäulnis zu kämpfen und die Birnen sind durch die Trockenheit kleiner als sonst.

Auch hier können Privatpersonen ihre Ernte abgeben. Dieses Jahr verzeichnet Rabenstein eine hohe Abgabe von Quitten. “Wir haben soviel, dass wir die nächsten zwei Jahre keine Quitten brennen und annehmen werden”, sagt Rabenstein. Doch auch Äpfel und Williams-Birnen und Schnapsbirnen nimmt man ab.

Trotz der durchschnittlichen Ernte zeigt man sich gelassen. “Ich habe genug auf Lager, dann brenne ich dieses Jahr eben etwas weniger”, sagt er. Rabenstein bietet neben Apfelsäften auch verschiedene Edelliköre, Edelbrände, Spirituosen und vieles mehr an.

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