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Coronavirus

“Die Verrückten werden überleben”: Bayreuther Gastronom über die Corona-Krise

Die Gastronomie ist besonders hart von der Corona-Krise betroffen. Im Gespräch mit dem bt erläutert Stadtcafé-Chef Andreas Opel die Lage in seinem Betrieb.

Corona vs. heimische Gastronomie: “Die Verrückten werden die Corona-Krise überleben”, sagt Andreas Opel. Er ist unter anderem Chef des Bayreuther Stadtcafés. Im Gespräch mit dem bt erläutert er die Lage seines Betriebes. Zuletzt ging es um die Taxifahrer am Beispiel des Unternehmens von Kurt Klein.

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Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Bayreuther Gastronom über die Corona-Krise

“Mir geht es gut”, sagt Andreas Opel. Er betreibt unter anderem das Stadtcafé in Bayreuth. Innerlich habe er bereits damit abgeschlossen, dass er nicht vor Mitte April wieder aufsperren darf. Er genieße jetzt die Zeit mit seiner Familie, insbesondere mit seinen beiden Kindern.

Was ihn stört, sei die Kommunikation der Politik zum Volk. “99 Prozent der Menschen haben den Ernst der Lage der Corona-Pandemie erkannt”, sagt Opel. “Das Problem ist, dass die sich ständig ändernden Regeln nur im Verwaltungsdeutsch erklärt werden.” Eine Lage mit gesamt-gesellschaftlichem Sprengstoff.

Staatlichen Hilfen als “Konjunkturpaket für die Steuerberater”

“Es ist nicht so, dass wir im Geld schwimmen”, sagt Andreas Opel. Er käme geschäftlich noch ganz gut um die Runden. Dennoch: “Es sind die kleinen Unternehmen, die gegängelt werden.” So hätten die Dokumentationspflichten in den vergangenen Jahren auch in der Gastronomie unverhältnismäßig zugenommen.

Von der Politik versprochene staatliche Hilfen in der Corona-Pandemie seien dagegen immer noch nicht eingegangen. Vergessen dürfe man hier auch nicht, dass man für die seitens der Politik als “unbürokratisch” angepriesenen Hilfen professionelle Unterstützung braucht. Das verursacht weitere Kosten in mittelständischen, kleinen und Kleinbetrieben. Nicht jeder Gastronom könne sich die leisten. “In Wirklichkeit ist das ein Konjunkturpaket für die Steuerberater.”

“Ich denke immer positiv”

“Wenn es im April weiter geht, ist alles gut”, sagt Andreas Opel für seine Betriebe. “Es hat keiner wissen können”, sagt er zur Corona-Pandemie. “Die gastronomische Landschaft wird sich dramatisch verändern”, sagt er zur Lage seines Berufsstandes.

Opel ist nicht nur Gastronom sondern auch Gemeinde- und Kreisrat und daneben Familienvater. “Ich bin schon froh, mal nicht 100 Stunden und mehr im Job zu stehen aber wenn man Gastronom ist, dann ist man das gewohnt und der Kontakt zu den Gästen fehlt.”

Stammgäste: Die wahre “unbürokratische” Hilfe für die Gastronomie in der Corona-Krise

Andreas Opels Geschäft dreht sich um die Nachspeise, das Dessert, um Kaffee und Kuchen. Diese Speisen zum Mitnehmen anzubieten rechne sich nicht. “Wir machen das, dass wir nicht vergessen werden”, sagt er. “Damit Geld zu verdienen? Daran ist nicht ansatzweise zu denken.”

Dennoch wolle er sich seinen Glauben behalten, dass es irgendwann weiter geht und die gesamte Gastronomie wieder öffnen kann. So stocke er das Kurzarbeitergeld seiner Mitarbeiter auf 100% des eigentlichen Gehaltes auf. Der Grund: Er will sein eingespieltes Team erhalten für dann, wenn es wieder losgeht.

“Es ist wie beim Fußball: Der Trainer hat die Verantwortung für seine Mannschaft. Ich habe die soziale Verantwortung für meine Mitarbeiter.”

(Andreas Opel, u.a. Stadtcafé Bayreuth)

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Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß