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Kaiserin Sisi – Ihr Großvater war ein Bayreuther

Der Film „Sissi“ ist ein Klassiker im Fernsehen. Doch was viele nicht wussten: Die Kaiserin, die sich ihrer Zeit „Sisi“ schrieb, hat Verbindungen zu Bayreuth. Denn ihr Großvater war ein Bayreuther. bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller hat sich auf Spurensuche begeben.

Im August 1853 feierte der österreichische Kaiser Franz Joseph seinen Geburtstag im Salzkammergut. Eingeladen waren auch die bayerische Prinzessin, Herzogin Ludovika, mit ihren beiden ältesten Töchtern Helene und Elisabeth.

Die Familie kam zwei Tage vor des Kaisers Geburtstag, am Abend des 16. August 1853 in Ischl an. Noch an diesem Abend verliebte sich Franz Joseph in seine 15-jährige Cousine Elisabeth und ließ dann an seinem Geburtstag über seine Mutter bei Herzogin Ludovika anfragen, ob diese ihn heiraten wolle. „Sisi“ sagte zu und weitere drei Tage später, am 19. August 1853, wurde die Verlobung öffentlich bekannt gegeben. Unsterblich wurde die Kaiserin Elisabeth durch die drei Kinofilme „Sissi“ (1955), „Die junge Kaiserin“ (1956) und „Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (1957) mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm in den Hauptrollen.

Franz Xaver Winterhalter schuf 1865 das wohl bekannteste Ölgemälde von Kaiserin Elisabeth von Österreich mit den „Edelweiß-Sternen“ im Haar. Foto: Wikipedia

Großvater war ein echter Bayreuther

Elisabeth entstammt der Linie der Herzöge von Bayern. Ihre Eltern waren Herzog Max Joseph in Bayern und Prinzessin Ludovika. Weitläufig bekannt ist, dass ihr Großvater mütterlicherseits der bayerische König Maximilian Joseph I. war. Weniger bekannt ist, wer ihr Großvater väterlicherseits war. Der Vater von Herzog Max Joseph war ein Bayreuther. Herzog Pius von Bayern.

Die Geburt seiner Enkelin erlebte Herzog Pius allerdings nicht mehr. Das Mädchen kam am Weihnachtsabend des Jahres 1837 um Viertel vor elf Uhr in München im Herzog-Max-Palais (an der heutigen Ludwigstraße) zur Welt. Herzog Pius starb wenige Monate vorher, am 3. August 1837 im Neuen Schloss (an der heutigen Ludwigstraße) zu Bayreuth.

Geboren in Landshut, gelebt in Bayreuth

Herzog Pius August, geboren im Jahre 1786 in Landshut, hatte seine Jugend in München und Düsseldorf verbracht. Im Jahr 1807 heiratete er die Prinzessin Amalie Luise von Arenberg und übersiedelte nach Bamberg.

In der Domstadt kam 1808 sein Sohn, der später so beliebte Herzog Max in Bayern, Sisis Vater, zur Welt. Die Ehe war nicht glücklich. Pius August und Amalie Luise lebten bald getrennt.

Pius August Herzog in Bayern. Lithographie von S. H. Jarwart. Foto: Bernd Mayer Stiftung

Der königlich bayerische Generalmajor und Inhaber des Infanterieregiments Nr. 8 siedelte im November 1819 über nach Bayreuth und lebte – mit einer kurzen Unterbrechung, als er wenige Wochen im Lustschloss Triesdorf bei Ansbach wohnte – bis zu seinem Tod in Bayreuth. Er starb im August 1837 und lebte damit fast zwei Jahrzehnte in Bayreuth.

Sisis Großvater wohnte in der Eremitage

Im Winter wohnte er im Neuen Schloss in Bayreuth und in den wärmeren Monaten im Alten Schloss der Eremitage. In der Eremitage fühlte er sich wohl. Er bewohnte die Vorderflügel des Alten Schlosses, während seine Dienerschaft in den kleinen Räumen der beiden Längsflügel Platz fanden.

Das vorher lange unbewohnte Schloss musste natürlich mit neuen Mobiliar ausgestattet werden. Der große Marmorsaal wurde als Speise- und Gesellschaftsraum genutzt und mit 24 neuen Rohrsesseln, mehreren Spieltischen und einigen kleineren Tischen ausgestattet.

Ein anspruchsloser Herzog

Die barocke Ausstattung wich dem bequemeren Biedermeier und auch die Wandbekleidung einzelner Zimmer hat sich – aus heutiger Sicht – so manche stilwidrige Modernisierung gefallen lassen müssen. Über einen Hofeingang des Schlosses ließ er sein Monogramm einmeißeln.

Der Herzog lebte in der einsamen Eremitage völlig anspruchslos. Er liebte es, durch den Park zu spazieren und ließ sich auf eigene Kosten zwischen Schloss und dem Römischen Theater ein mit Baumrinde überkleidetes Eremitenhäuschen mit einem Blumengärtchen und einer künstlich angelegten Quelle errichten. Damit griff er die Ästhetik der Eremitenhäuschen wieder auf, die 1819 zusammen mit Gartenfiguren und einigen kleineren Staffagegebäuden als veralteter Zierrat entfernt wurden.

Der Klausner-Pius

In Bayreuth nannte man den Herzog bald den „Klausner Pius“, der von der Bayreuther Lokaldichtung in wohlgemeinten Versen besungen wurde.

Der fürstliche „Eremit“ erhielt immer wieder hohen Besuch. Bayreuth war ein beliebter Haltepunkt an der großen Verkehrsstraße, die von München über Regensburg oder Nürnberg in den Norden führte. Da gerade in dieser Zeit das bayerische Königshaus mit mitteldeutschen Fürstenhäuser in mehrfacher Familienverbindung stand, kam es häufig zu „verwandtschaftlichen“ Besuchen.

Das Alte Schloss in der Eremitage: Hier wohnte Herzog Pius. Foto: Stephan Müller

Bekannt ist, dass König Max I. im Jahr 1821 in der Eremitage übernachtete und dessen Sohn König Ludwig I. weilte dort mit seiner Gemahlin Theresie vom 21. bis 23. Juli 1830. Am 22. August 1835 war König Otto von Griechenland mit seiner Frau Amalie auf der Durchreise zu Besuch und überreichte Herzog Pius den griechischen Erlöserorden.

In Bayreuth sehr beliebt

Während er in seiner Jugend als gewalttätiger Misanthrop galt, war er in Bayreuth sehr beliebt. So ließ er am 30. Juni 1835, als die Bayreuther mit großen Jubel die 25-jährige Zugehörigkeit zum Königreich Bayern feierten, 200 Gulden durch den „Armenpflegschaftsrath“ an die Bedürftigen der Stadt verteilen. Ebenfalls 1835 wurde er zum General Kommandanten der Landwehr des Obermainkreises ernannt.

Herzog Pius August starb am 3. August 1837 nach kurzer Krankheit im Neuen Schloss. Er wurde am 8. August 1837 im herzoglichen Schloss Banz bestattet. Dort blieb der Sarg des Herzogs bis 1883 die Gruft aufgelöst wurde. Der Sarg wurde in die Gruft des Schlosses Tegernsee überführt, wo der „Bayreuther Herzog“ seitdem ruht.


Text: Stephan Müller


Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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