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Tiere im Zirkus. Symbolbild pixabay

Wildtiere im Zirkus: Tierquälerei oder unproblematisch?

Tiere im Zirkus erregen weiterhin die Gemüter. Tierquälerei, nicht artgerechte Haltung – die Vorwürfe wiegen schwer gegen die Zirkusbetreiber. Doch was steckt dahinter und um welche Tiere geht es dabei eigentlich?

Tiere im Zirkus: Verbot von Wildtieren

Vor wenigen Jahren stellte Tim Pargent, Kreisvorsitzender der Grünen und Mitglied des Bayerischen Landtags, den Antrag, Zirkusse mit Wildtieren auf städtischen Flächen auszuschließen. Dieser Antrag scheiterte mit einer knappen Mehrheit, erläutert Pargent.

Aktuell ist in Bayreuth der Zirkus Renz zu Gast, der auch Aufführungen mit Tieren im Programm hat: Pferd und Kamele. Nach Aussagen des Bundestierärztekammer e.V. wäre der Zirkus Renz von einem möglichen Verbot jedoch ohnehin nicht betroffen: “Kamele und Lamas sind so weit domestiziert, dass man sie nicht zu den Wildtieren zählen”, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage des Bayreuther Tagblatts.

Zirkus Renz in Bayreuth: Tiere an erster Stelle

“Die Tiere stehen immer an erster Stelle”, sagte Giovanni Renz bei einem Interview mit dem Bayreuther Tagblatt (wir berichteten am 7. November 2019). Um 6 Uhr ist die Nacht vorbei: Tiere werden ausgemistet und gefüttert. Nach einer kurzen Pause geht es weiter: Striegeln, Auslauf und Hygiene stehen auf dem Programm, erläutert Renz weiter.

Kontrolle der Tiere im Zirkus: Verterinäramt

Das Veterinäramt kontrolliert einen Zirkus, sobald er Tiere im Programm hat. In Bayreuth wurde deshalb auch der Zirkus Renz überprüft, bei dem keine wesentlichen Beanstandungen festgehalten wurden, sagt der Dienststellenleiter Kai Braunmiller.

Dabei werden unter anderem die Flächen der Ställe, das Auslaufgehege, Gesundheitszustand, Transportboxen, Futter oder der Umgang mit den Tieren unter die Lupe genommen. Falls es zu einer Beanstandung kommen sollte, werde das eingetragen, so dass bei der nächsten Prüfung für jeden ersichtlich ist, was der Zirkus verbessern musste.

Ein Kamel. Symbolbild: Pixabay.

Zirkustiere stehen im Vordergrund

Auch bei den Ortswechseln würden im Zirkus Renz zuerst die Tiere versorgt werden: Ställe, Boxen, Freilaufgehege aufbauen – erst danach kommen Wohnwagen und Zirkuszelt an die Reihe.

Doch genau diese Reisen sind ein Kritikpunkt von Tierschützern und Politikern. “Der regelmäßige Transport und das damit verbundene neue Umfeld” sei nicht artgerecht, erklärt Tim Pargent.

Tier im Zirkus: Umgang mit Tieren

Bei der Kritik des Politikers gehe es dabei aber ausschließlich um Wildtiere: “Tiger, Löwen, Robben – ein Zirkus hatte sogar mal ein Flusspferd dabei”, sagt Pargent. Die Haltung von Nutztieren wie Hunde oder Pferde sei allerdings in Ordnung.

Dem Politiker ist es auch wichtig zu verstehen, dass es “nicht darum geht, dass die Menschen im Zirkus die Tiere schlecht behandeln”. Es gehe vielmehr um das Gesamtkonzept. Zu diesem zählen eben auch die Aufführungen und Kunststücke der Tiere. Diese seien nicht artgerecht, sagt Pargent.

Der Zirkus Renz, der in Bayreuth gastiert, hat weder Löwen noch Flusspferde. Sie treten mit Pferd und Kamelen auf. Für Kritiker und Tierschutzorganisationen hat Giovanni Renz wenig Verständnis: „Es hat sich viel verändert seit 40 Jahren. Es gibt beispielsweise keine Stallanbindung mehr.“ Auch Misshandlungen der Tiere um Tricks zu erleben, gebe es nicht. „Wie bringen sie einem Hund bei, stubenrein zu werden? Mit Liebe und Belohnung.“ So funktioniere das auch bei den Zirkustieren.

Ein Elefant. Symbolbild: Pixabay.

Verbote von Zirkussen mit Wildtieren

Einige Städte versuchen die Aufführung von Zirkussen mit Wildtieren zu verbieten, indem sie Verbote aussprechen. Doch diese Verbote halten bei einer Klage des Zirkus meist wenig Stand. In den vergangenen Jahren haben Zirkusbetreiber immer wieder gegen ein Auftrittsverbot geklagt: mit Erfolg. Die Verwaltungsgerichte entschieden zugunsten der Zirkusse: Berufsfreiheit oder das Rechts auf Bundesebene.

Nur der Bund könne eine solche Entscheidung treffen. Wenn eine Kommune ein Verbot des Auftritts von Wildtieren einführe, verstoße das gegen Bundesrecht. Das kritisiert auch Tim Pargent. Auf Bundesebene müsse ein Verbot geschaffen werden. “So liegt das den Kommunen auf der Backe”, sagt Pargent.

Auch andere Länder seien da weiter, meint Pargent. In den Niederlanden dürfen beispielsweise seit 2014 keine Wildtiere im Zirkus auftreten. Auch Österreich, Finnland oder Großbritannien haben ähnliche Gesetze. In Deutschland sind solche Anträge bisher immer im Bundestag gescheitert, sagt Pargent.

Tierschutz in Deutschland

Bayreuth konnte sich allerdings schon gegen eine solche Klage erwehren. Sie haben einem anderen Zirkus nicht gestattet in der Stadt zu gastieren, der deshalb Klage einreichte. Grund für das Untersagen: Der Zirkus ist häufiger aufgefallen, habe Auflagen nicht eingehalten und war unzuverlässig, sagt Braunmiller. Deshalb sei dem Zirkus ein Gastspiel nicht gestattet worden.

Er bemängelt zudem den Tierschutz in Deutschland. Die Richtlinien seien mal wieder überholungsbedürftig, die seien zuletzt im Jahr 2000 geändert worden. “Der Tierschutz wird nicht ernst genug genommen”, kritisiert Braunmiller. Zuständig für ist das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Doch da habe sich zuletzt in Sachen Tierschutz nichts getan, sagt Braunmiller.

Zirkus Renz in Bayreuth: Eine Familie das ganze Jahr auf Reisen

Das Leben im Zirkus Renz ist “hart aber schön”, beschreibt der Artist Giovanni Renz. Er ist quasi hinein geboren, schmunzelt er. Noch bis zum 10. November gastiert der Zirkus Renz in Bayreuth zwischen Kulmbacher Straße und Heugasse.

Zirkus Renz in Bayreuth: Eine Familie auf Reisen

Das älteste Mitglied in der Manege ist der Vater von Giovanni Renz mit 60 Jahren. Die Jüngste Akrobatin ist seine Tochter, Milena. “Kinder müssen beim Zirkus nicht mitmachen, sie können auch studieren oder sich einen anderen Job suchen”, erzählt Renz, “aber zu 99 Prozent sehen sie das von den Eltern und wollen dann auch mitmachen.”

So war es bei ihm und bei seiner Tochter: “Sie hat beim Supertalent ein Schlangenmädchen gesehen und wollte das dann machen.” Deshalb tritt die Achtjährige bei den Vorstellungen als Schlangenmädchen auf, indem sie ihren Körper verbiegt.

Die Rollen im Zirkusleben sind klar verteilt: “Papa ist der Boss”, sagt Giovanni Renz. Und auch wenn er seinen Chefposten ablegen sollte, wird er “bis zum Ende beim Zirkus bleiben”. Die weiteren Rollen: Die Männer bauen auf, die Frauen sind für Restauration, Verpflegung und Haushalt zuständig.

Ein Arbeitstag im Zirkus Renz in Bayreuth

Um 6 Uhr ist die Nacht vorbei: Tiere werden ausgemistet und gefüttert. In einer kurzen Pause frühstücken dann die Akrobaten und Artisten, bis es weiter mit den Tieren geht: Striegeln, Auslauf und Hygiene. Am Vormittag wird das Zelt gereinigt, Stühle gewischt und die Manege aufbereitet und geprobt: Ab 14 Uhr fangen Vorbereitungen für die Show an.

“Die Mädels brauchen schon so eineinhalb Stunden mit Schminken”, erzählt Giovanni Renz, “denn Schminken ist das A und O.” Bei den ihm dauere das Schminken maximal zehn Minuten, schmunzelt er.

Zirkus Renz in Bayreuth Feuershow und Kamelkarawane

Er selbst sorgt für eines der Show-Highlights: Eine Feuershow mit Feuerschlucken und – spucken. “Zu einem Zirkus gehören Tiere dazu – sonst wäre es Varieté”, ergänzt Janine Renz. Deshalb seien die Auftritte von Pferd oder Kamelen auch besonders beliebt beim Publikum.

Knapp zwei Stunden dauert eine Vorführung im beheizten Zelt. In der Pause “können alle die Tiere anschauen”. Das sei der Familie Renz wichtig: “Sie sollen sehen, wie es unseren Tieren geht”, erklärt Giovanni Renz.

Für Kritiker und Tierschutzorganisationen hat er wenig Verständnis: “Es hat sich viel verändert seit 40 Jahren. Es gibt keine Stallanbindung.” Auch Misshandlungen der Tiere um Tricks zu erleben, gebe es nicht. “Wie bringen sie einem Hund bei stubenrein zu werden? Mit Liebe und Belohnung.” So funktioniere das auch bei den Zirkustieren.

Zirkus Renz auf Reisen

“Jede Woche reisen wir von A nach B”, sagt Renz. Alles muss mit: Tiere, Zelt, Wohnwagen. An erster Stelle stehen die Tiere, “die immer zuerst reisen”. Ställe, Boxen, Freilaufgehege aufbauen – erst danach kommen Wohnwagen und Zirkuszelt an die Reihe.

Einen festen Wohnsitz gibt es nicht, da die Familie das gesamte Jahr unterwegs ist. 20 Menschen sind beim Zirkus Renz beteiligt. “Sieben gehören zur Familie” und 13 seien Artisten, die jährlich wechseln. So ändere sich das Programm automatisch von Jahr zu Jahr.

Die Vorstellungen beginnen unter der Woche um 16 Uhr. Am Sonntag findet Aufführung bereits um 14 Uhr statt.