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Wirtschaft

„Mit jeder Woche bedrohlicher“: Brautgeschäft im Landkreis Bayreuth in der Krise

In Mistelbach im Landkreis Bayreuth gibt es die Brautboutique Loft & Liebe. Nun hat die Politik eine Entscheidung getroffen, die die Inhaberin nicht versteht.

Durch die Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen leiden viele Branchen. Eine davon findet meist wenig Beachtung: die Hochzeitsbranche. Jetzt hat sich die Inhaberin einer Brautboutique aus dem Landkreis Bayreuth in den sozialen Medien zu Wort gemeldet.

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Brautmodegeschäft im Kreis Bayreuth in der Krise

Corinna Hertel ist Inhaberin der Brautboutique Loft & Liebe in Mistelbach im Kreis Bayreuth. „Aktuell befinde ich mich mit meiner Boutique, meinem kleinen Team, unseren geliebten Kleidern und unseren wunderbaren Bräuten gefühlt im 100-jährigen Dornröschen-Schlaf“, schreibt sie auf Facebook und Instagram.

Hertel gehört nicht zu den Corona-Leugnern und zweifelt nicht an der Pandemie, ganz im Gegenteil sogar. Dafür habe sie sich mit zu vielen Menschen aus dem Gesundheitswesen unterhalten. „Dass wir gerade (wieder einmal) Kontakt meiden und Abstand halten sollen – auch wenn mir Familie, Freunde, soziale Kontakt und Umarmungen fehlen – ist für mich selbstverständlich“, erklärt sie.

Auch ein Friseur in Bayreuth hat mit der aktuellen Lage zu kämpfen. Deswegen hat er Puppenköpfe in sein Schaufenster gehängt.

Hoffen und Bangen in der Hochzeitsbranche

Mit ihrem Post in den sozialen Medien möchte sie auf die Situation in der Brautmodenbranche aufmerksam machen. „Wir sind permanent zwischen Hoffen & Bangen – gesundheitlich – physisch wie psychisch – und wirtschaftlich“, schreibt Hertel. Deswegen hat sie den Appell #wecktunsausdemdornröschenschlaf ins Leben gerufen.

Denn in kaum einem anderen Einzelhandels-/Dienstleistungsbereich sei es so einfach, Termine zu steuern. Die Anzahl der Gäste im Laden könne problemlos beschränkt werden und sogar Hygienekonzepte könnten vertieft umgesetzt werden.

Die Inhaberin und das Team von Loft & Liebe tragen daher schon seit der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown FFP2-Masken. Nur wenige Wochen vor Beginn des aktuellen Lockdowns hat das Team damit begonnen, FFP2-Masken an die Bräute auszugeben. „Sogar ein Luftreinigungsgerät haben wir uns angeschafft“, erzählt Hertel.

Bedrohliche Situation für Boutique in Mistelbach

Hertel will nur eines: Endlich wieder arbeiten. „Wir möchten und wir müssen Umsatz machen, denn wirtschaftlich ist die Situation mit jeder Woche bedrohlicher“, macht sie in den sozialen Medien deutlich. Denn Gesetz dem Fall, dass Mitte Februar die Anträge für die Überbrückungshilfe III gestellt werden können, hat die Boutique acht Wochen keinen Umsatz mehr gemacht, sondern nur Ausgaben gehabt.

„Meine Mädels habe ich diesmal nicht in Kurzarbeit geschickt, da auch sie sonst privat vor Zahlungsschwierigkeiten stehen. Die Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Strom, Telefon/Internet, Gründungskredit… auch diese Kosten laufen weiter“, sagt Hertel. Auch Brautkleider müssten bezahlt werden. Der fehlende Umsatz wirke sich auch auf das Privatleben der Inhaberin aus.

Schwierigkeiten in der Hochzeitsbranche

Denn die Brautmodengeschäfte hätten normalerweise gerade Hauptsaison, in der der meiste Umsatz gemacht wird. Aber das ist nicht die einzige Schwierigkeit. Die Hochzeitsbranche ist da nämlich etwas spezieller. Denn viele Brautpaare haben ihre Hochzeiten von 2020 auf 2021 verschoben. „Diese Bräute brauchen in der Regel kein zweites Kleid“, sagt Hertel.

Durch die „Verschieber“ sind aber auch Locations belegt, die also den „neuen“ frisch verlobten Brautpaaren in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen, erzählt sie. Diese müssen dadurch länger auf ihre Hochzeiten warten und somit gehen die Bräute natürlich noch nicht auf die Suche nach einem passenden Brautkleid. Corinna Hertel befürchtet, dass auch 2021 wieder Hochzeiten verschoben werden müssen. Und das bedeutet im Umkehrschluss wieder weniger Umsatz für sie.

Kein Verständnis für politische Entscheidung

„Jede Woche, die wir keinen Umsatz machen, entscheidet das wirtschaftliche Überleben von uns und all unseren Kolleginnen bundesweit“, schreibt Hertel. Also fast. Denn in Berlin und Brandenburg dürfen Brautläden mittlerweile wieder öffnen und Beratungen durchführen. „Ääääääh, nee, liebe Politik, da bin ich jetzt raus, das verstehe ich jetzt wirklich nicht mehr.“

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Bayreuther Tagblatt - Redaktion

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