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Beruf

Tätowiererin Valle Kunterbunt aus Bayreuth: „Einen normalen Beruf wollte ich nicht machen“

Wenn Valeria bei einem Beratungsgespräch merkt, dass der Kunde nicht genau weiß, was er will, schickt sie ihn lieber weg. „Dann sag ich, Komm doch in einem halben Jahr wieder und mach dir bis dahin Gedanken.“

Valeria Brawanski (30) ist Tätowiererin und hat ein eigenes Tattoostudio in Bayreuth – Valle Kunterbunt. Das bt hat sich mit ihr über ihren Job, Tattoos unterhalten. Außerdem hat ein Bestatter aus Bayreuth über seinen Job berichtet: „Manche Leute wolle nicht, dass wir ihnen ‚Auf Wiedersehen‘ sagen.“

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Kein normaler Beruf, sondern was kreatives

Valeria Brawanski liebt ihren Beruf über alles. „Gezeichnet habe ich eigentlich schon immer“, sagt die 30-Jährige. Nach ihrer mittleren Reife wusste sie nicht, was sie machen soll, doch eines war ihr klar: „Einen normalen Beruf wollte ich nicht machen, sondern schon was kreatives.“ Um sich über ihre beruflichen Ziele klar zu werden, besuchte sie für drei Jahre den Gestaltungszweig der Fachoberschule Bayreuth (FOS). Während ihrer Zeit an der FOS musste Valeria auch Praktika machen. „Eins hab ich dann im Kunstmuseum gemacht und eins in einer Druckerei, aber das war nicht so mein Fall.“

Eines von Valeria Brawanskis Watercolor-Tattoos. Foto: Privat

Praktikum beim Tätowierer

Die Wende kam, als sie 19 Jahre alt war. „Da habe ich jemanden kennengelernt, der sehr viele Tattoos hat, auch Großflächige. Der hat mich so fasziniert, dass ich mich auch tätowieren lassen wollte.“ Ein paar Wochen später, wollte sie ein Praktikum in einem Tattoostudio machen, doch „die von der FOS haben das nicht so gerne gesehen“. Gemacht hat Brawanski das Praktikum dennoch: in den Ferien. Nach ihrem Abschluss ging sie dann direkt wieder zu demselben Tattoostudio: sie wollte nochmal ein Praktikum zu machen. „Dann bin ich dort nicht mehr weggegangen“, lacht sie.

Eines ihrer Lieblingskunstwerke. Foto: Privat.

Keine anerkannte Ausbildung

Valeria Brawanski wurde in eben jenem Tattoostudio ausgebildet. „Aber es ist ja kein anerkannter Beruf und keine anerkannte Ausbildung“, sagt sie. „Aber der Gedanke Tätowiererin zu werden, hat mich gar nicht mehr losgelassen, weil ich es so schön fand, Sachen in meinem Stil zu zeichnen.“ Dennoch sei es etwas anderes auf Papier zu zeichnen, als auf Haut. „Da muss man erst umdenken.“

Sie sei jedoch regelrecht versessen darauf gewesen, alles nötige zu lernen. Aber im ersten Jahr ihrer Ausbildung habe sie selbst noch nicht an der Nadel arbeiten dürfen. „Da habe ich viel geputzt, Hygienemaßnahmen gelernt und war das Mädchen für alles“, erinnert sie sich.

In Valeria Brawanskis Studio hängen die Wände voll mit ihren Zeichnungen und Bildern. Foto: Privat

Das erste Tattoo ist unvergessen

In Valerias Ausbildungsstudio haben vier oder fünf Tätowierer gearbeitet. Bei denen habe sie viel zugeschaut, sowohl bei der Arbeit, als auch bei Kundengesprächen. Von jedem habe sie sich auch etwas abgeschaut. Ihr erstes selbstgestochenes Tattoo wird sie nie vergessen: „Das war der Kopf einer Hello Kitty Katze am Knöchel. Den hab ich dann noch um ein kleines Skelett ergänzt“, erzählt sie.

„Ich war wahnsinnig aufgeregt und hatte schweißnasse Hände. Ich hatte Angst zu tief zu stechen. Außerdem ist es eine Überwindung, weil man dem Menschen weh tut.“ Doch am Ende war die Person zufrieden und alles ist gut gelaufen. In der ersten Zeit als Tätowiererin habe sie auch jedem gesagt, dass sie noch am Anfang ist. Die Kunden wussten, worauf sie sich einließen. Dafür mussten sie auch kein Geld für die Tattoos bezahlen.

Valeria Brawanski macht viele bunte Tattoos. Dafür braucht sie auch viele Farben in ihrem Studio. Foto: Privat

Mandalas, Schriftzüge und Watercolor

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Valeria hat ein eigenes Studio. Es ist zwar klein, aber gemütlich. Denn die Wände hängen voll mit ihren Zeichnungen. Sie ist sehr beliebt bei ihren Kunden. „Ich habe einen festen Kundenstamm, der immer wieder kommt.“ Das macht sich auch bei der Terminvergabe bemerkbar – sie ist momentan auf eineinhalb Jahre im Voraus ausgebucht. Viele Menschen erkennen ihren Stil sofort, dennoch würde Brawanski niemals sagen, dass sie sich auf einen Stil festgelegt hat. „Ich mache Mandalas, Schriftzüge und Watercolor.“ Außerdem weiß sie nicht, ob ihr das bisherige schon reicht. „Es ist ein Prozess.“

Im Tattoostudio Valle Kunterbunt hängen die Wände mit Valeria Brawanskis Bildern voll. Foto: Privat

Individuell und einzigartig

Wenn Valeria bei einem Beratungsgespräch merkt, dass der Kunde nicht genau weiß, was er will, schickt sie ihn lieber weg. „Dann sag ich, „Komm doch in einem halben Jahr wieder und mach dir bis dahin Gedanken“. Ich lehne auch Aufträge ab, bevor ich einem Kunde am Ende was aufschwatze und der damit unglücklich ist. Am Ende bin ich dann Schuld.“

Valeria legt auf Individualität und Einzigartigkeit großen Wert. „Es gibt kein Tattoo von mir, dass ich genau so wieder gestochen habe.“ Die Ausnahme seien Freundschaftstattoos, die absichtlich gleich aussehen sollen. Wenn jemand zu ihr in den Laden komme mit einem Bild von Google oder Pinterest und sich genau dieses Motiv von ihr wünsche, schicke sie ihn nach Hause. „Der kann dann woanders hingehen, wo sich der Tätowierer keine Mühe macht und das genau so abpaust. Ich investiere ein bis drei Stunden in meine Zeichnungen vor dem Termin.“

Auf das Krümelmonster-Tattoo ist sie besonders stolz. Foto: Privat

„Kein gröberer Fehler passiert“

Doch natürlich sind auch ihr schon mal Fehler passiert. „Zweimal ist mir ein Fehler unterlaufen und beide Male war es ein Schriftzug-Tattoo“, erzählt Valeria. Einmal habe sie sich verschrieben und das „th“ vertauscht. „Also statt „th“ hab ich „ht“ geschrieben.“ Das andere mal habe eine Kundin einen Satz auf spanisch übersetzen lassen und die Übersetzung falsch aufgeschrieben. „Da stand dann statt „el“ eben „la““. Doch beide Fehler habe sie so ausbessern können, dass es heute nicht mehr auffällt. „Zum Glück ist mir kein gröberer Fehler passiert.“

Valeria Brawanski kann auch „schwarz-weiß“. Foto: privat

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler