Klimaschutz

Klimaschutz in der Stadt Bayreuth: „eine riesige Hausnummer“ – Klimamanagerin macht deutliche Ansage

Die Klimapolitik soll in der Bayreuther Politik eine stärkere Rolle spielen. Der Stadtrat hat nun eine Entscheidung zu einem Klimaschutzkonzept getroffen.

Die Stadt Bayreuth muss mehr für den Klimaschutz machen. Um überhaupt noch eine Chance auf eine klimaneutrale Stadt zu haben, müssen CO2-Emissionen drastisch reduziert werden.

Wie das konkret umgesetzt werden soll, darüber hat der Bayreuther Stadtrat am 27. Oktober beraten.

Konzept für Klimaschutz in Bayreuth

Großes Ziel der Beratung war ein Klimaschutzkonzept. Das soll in Zukunft anhand einer vorliegenden Treibhausgasbilanz sowie Potenzialstudien und eines Maßnahmenkatalogs weiter forciert werden. Aktuelle Zahlen aus einem ersten Klimabericht verhießen vor Kurzem im Umweltausschuss nichts Gutes für Bayreuth.

Die Klimaschutzmanagerinnen Jana Edlinger und Gesa Thomas bezifferten im Umweltausschuss die Emissionen der Stadt Bayreuth. Demnach wurden im Jahr 2019 696.411 Tonnen CO2 in der Stadt Bayreuth ausgestoßen. Heruntergerechnet auf die Bayreuther Bürgerschaft heißt das: 9,3 Tonnen C02 pro Kopf. Deutschlandweit sei das ein überdurchschnittlicher Wert laut der Expertinnen.

Edlinger und Thomas stellten nicht nur dar, wie viel CO2 schon emittiert wurden, sondern auch, wie viel noch ausgestoßen werden darf, um klimaneutral werden zu können: das sind noch noch 30.000 Tonnen Treibhausgase pro Kopf – wohlgemerkt bis zum Jahr 2040. Diese 30.000 Tonnen gelten laut Thomas weltweit, nicht nur in Bayreuth. Mit den 9,3 Tonnen ist damit ein Drittel bereits verbraucht. „ein Trauerspiel“ nannte Thomas die Zahlen mit Blick auf das Restbudget an C02. Das, was an CO2 eingespart werden müsse sei „eine riesige Hausnummer“, so Thomas abschließend.

Klimaschutz in Bayreuth: Stadt muss „vor der eigenen Tür kehren“

Nun erhielt das Klimaschutzkonzept also die große Bühne des Gesamtstadtrats. „Wir müssen noch wesentlich mehr machen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Ebersberger. Es gehe vor allem darum, große Temperaturschwankungen und Wetterextreme zu minimieren, so gut es nur geht. Seit Anfang Oktober arbeitet die Verwaltung an jenem Konzept. Mittelfristig werde sich der Klimaschutz in der Bayreuther Kommunalpolitik auch im Geldsäckel bemerkbar machen. Das ging aus dem Kurzbericht zur aktuellen Lage an die Stadträte hervor.

Dem erneuten Vortrag der Klimaexpertinnen lauschten die Stadträte mit spürbar großer Aufmerksamkeit. „Nach vorne schauen ist der richtige Weg“, äußerte sich Stephanie Anna Kollmer von der CSU. Man müsse Anreize setzen um Energie einzusparen. „Bei Die Bürger müssten mitgenommen werden, so Kollmer abschließend.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger ging einen Schritt weiter: „Die Bürger sind teilweise schon viel weiter als die Stadt Bayreuth.“ Auch bei großen Sanierungen könne und müsse die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen. Sie nannte die Gewerbliche Berufsschule, die modernisiert wird. Mit einer Ölheizung heize man dort noch im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster raus.

Klimaschutz: „Jeder muss mitmachen!“

Frank Hofmann von der BG ging da mit. Bedarf sei zu Genüge da. Er teilte die vorher geäußerte Einschätzung der Klimaexpertin. „Die Stadt Bayreuth muss vor der eigenen Tür kehren“ was den Klimaschutz betrifft.

Wie groß die Einsparungen an CO2-Emissionen in Bayreuth sein müssen verdeutlichte Thomas an einem Beispiel: wenn in Bayreuth alle städtischen Gebäude, die Universität, der komplette ÖPNV klimaneutral wären, dann wären das Einsparungen von 50.000 Tonnen. Die notwendigen Einsparungen belaufen sich aber mit 270.000 Tonnen auf ein Vielfaches. Die Lösung sei so einfach wie herausfordernd. Sie formulierte sie als allgemeinen Appell: „Jeder muss mitmachen!“ Unmittelbar vor der Sitzung demonstrierten Aktivisten vor dem Rathaus für eine klimafreundliche Politik in Bayreuth.

BG scheitert mit kurzfristigem Antrag zu Klimaschutzmaßnahmen

Nach fast zwei Stunden Redezeit steuerte dieser eine Tagesordnungspunkt seinem Ende entgegen – obwohl von Anfang an Einigkeit bezüglich des Handlungsbedarfs bestand. BG-Fraktionsvorsitzender Stephan Müller wollte in den Beschluss noch einen Zusatz aufnehmen. Bei der kommenden Stadtratssitzung sollten der Oberbürgermeister und die Klimamanagerinnen zehn von 105 den Stadträten zugegangenen Maßnahmen vorstellen, bei in der Zwischenzeit angegangen würden. Dies lehnten die Stadträte mit einer knappen Mehrheit von 22 Gegenstimmen ab.