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Zuletzt aktualisiert am 10. März 2024 | 09:51

Bayreuth

Neue Fünfte Jahrgangsstufe für Städtische Wirtschaftsschule – Lange Diskussion im Ausschuss

von Benedikt Günther

Die städtische Wirtschaftsschule fordert die Einführung einer fünften Jahrgangsstufe. Die Stadt hat etwas dagegen.

Archivfoto: Jennifer Burgmayr
Archivfoto: Jennifer Burgmayr

Die städtische Wirtschaftsschule Bayreuth bekommt aller Voraussicht nach die lang ersehnte fünfte Klasse.

Das wurde im Haupt- und Finanzausschuss beschlossen.

Lange Diskussion um neue Jahrgangsstufe

Aktuell läuft in Bayern ein Schulversuch, bei dem die staatlichen wie privaten Wirtschaftsschulen um eine fünfte Jahrgangsstufe erweitert werden. Bisher ist die Norm gewesen, dass der Übertritt erst zur sechsten Klasse erfolgt.

Auch die städtische Wirtschaftsschule (SWS) Bayreuth will sich die Genehmigung dafür beim Kultusministerium einholen, ein formloser Antrag würde dafür schon genügen. Vorher jedoch müsste der Stadtrat zustimmen – und da gibt es scheinbar bei einigen Bedenken.

Ein Antrag der Stadträtinnen Luisa Funke-Barjak (FDP), Angelique Lautner (BG) und Silke Lautert (CSU) wurde in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am heutigen Donnerstag, den 7. März 2024, lange diskutiert – und angenommen. Lesen Sie auch: Die Stadt Bayreuth hat über die Nutzung des Eisstadions entschieden – Forderungen des EHC wurden dabei nicht erfüllt.

SWS leistet „hervorragende Arbeit“

Von der Einführung der neuen Klassenstufe erhoffe man sich laut Luisa Funke-Barjak unter anderem einen leichteren Übertritt auf die weiterführende Schule. Manchen Schüler würden gleich zwei Schulwechseln innerhalb eines Jahres bevorstehen, wenn sie von der Grundschule erst ein Jahr auf die Volks- und dann weiter zur Wirtschaftsschule gehen würden.

Die SWS mit Schulleiter Jürgen Meier, der ebenfalls in der Sitzung anwesend war, leiste seit Jahren hervorragende Arbeit, so Funke-Barjak. Stolze 95 Prozent der Absolventen blieben als Fachkräfte in der Region, hieß es in der Eingangsrede der Stadträtin. Bayernweit belege man dazu regelmäßig Spitzenplätze bei den Abschlussprüfungen.

Gerade daher sei es wichtig, die Schule in ihrem Wunsch zu unterstützen und diese fünfte Klasse einzuführen. Zumal dies, laut Jürgen Meier, völlig ohne Mehrkosten geschehen könnte – in diesem Punkt war die Stadtverwaltung jedoch anderer Meinung.

Mehr Schüler, mehr Personal, mehr Platz?

Dem Antrag lag ein Beschlussvorschlag der Verwaltung bei, die dem Ausschuss empfahl, den Antrag der drei Stadträtinnen abzulehnen. Begründung unter anderem: „In Hinblick auf die Kostenlast kann derzeit keine Einführung empfohlen werden“.

Laut Ausführungen der Verwaltung sowie von OB Ebersberger rechne man damit, dass bei einer hohen Nachfrage für die neue fünfte Klasse bald weitere Klassen zugelassen werden müssten. Aktuell arbeitet die SWS mit einer Deckelung von 13 Klassen, die man auch beibehalten könne und wolle – so Jürgen Meier.

Sollten weitere Klassen aufgrund wachsender Nachfrage eingeführt werden müssen, bräuchte es laut Ebersberger nicht nur weiteres Personal, sondern vor allem auch neue Räumlichkeiten – so entstünden also weitere Kosten.

SWS will kostenneutral arbeiten

In der Ausschusssitzung kam es bei der Thematik zu einer angeregten Diskussion mit viel Input. Ein weiteres Argument für OB Ebersberger und Sozialreferentin Manuela Brozat war, dass der Freistaat eigentlich Mittel zur Verfügung stellen müsste, um sich um derlei Anträge von Schulen zu kümmern – dies aber nicht Sache der Stadt sei.

Für die Antragstellerinnen stellte sich jedoch die Frage nach finanzieller Zuständigkeit überhaupt nicht – schließlich sähe der Plan ja vor, dass Schulleiter Jürgen Meier alles kostenneutral, mit vorhandenem Personal und Räumlichkeiten regeln könne.

Luisa Funke-Barjak sah es kritisch, dass die private Wirtschaftsschule Bayreuth die fünfte Klassenstufe bereits eingeführt hat, die SWS aber nicht nachziehen könnte. So würde dieses Angebot, das für sie „nur Vorteile“ habe, nur von denen genutzt werden, die sich die zusätzlichen Schulgelder leisten können.

Überzeugende Argumente

Für Angelique Lautner war die Sache ebenfalls klar. Noch handle es sich zwar um einen Schulversuch, schon bald werde die fünfte Klassenstufe aber ohnehin Pflicht. „Es geht hier auf dem Papier nur um ein Jahr“, so die BG-Stadträtin.

Gabriele Hemmer, selbst Rektorin der Grundschule St. Georgen, stimmte hier zu. „Es gab noch nie einen bayerischen Schulversuch, der dann nicht umgesetzt wurde“, erklärte die Stadträtin. Hemmer gab zu, dass sich während der Diskussion ihre Meinung zu dem Antrag geändert habe.

Vor der Sitzung sei sie noch „wild entschlossen“ gewesen, sich am Vorschlag der Verwaltung zu orientieren und den Antrag abzulehnen. Obwohl es einen weiteren Nachteil für die Mittelschule bedeuten würde, könne es nicht sein, dass man den Kindern schade, „nur weil die Politik versagt“ – hierbei in Bezug auf die fehlenden Zuschüsse des Freistaats.

Frage nach den Kosten

Auch die Stadträte Stephan Müller, Frank Hofmann (beide BG) und Wolfgang Gruber (DU) sprachen sich für den Antrag aus. Besonders wurde immer wieder kritisiert, dass zwar mit entstehenden Kosten seitens der Stadt argumentiert wurde, dabei jedoch keine konkreten Zahlen genannt wurden.

„Ich bin immer ein Freund des Sparens“, erklärte Wolfgang Gruber, aber im Angesicht dessen, welche Bedeutung den Bayreuther Schulen bei den Haushaltsdiskussionen beigemessen wurde, „passt mir da das Verhältnis nicht“, so der DU-Stadtrat.

SWS-Schulleiter Meier legte abschließend noch einmal dar, wie die Schule verfahren könnte, um sicherzustellen, dass die Deckelung auf 13 Klassen weiter umgesetzt werden würde. Die Argumente der Befürworter jedenfalls haben ganze Arbeit geleistet: mit 11 zu 6 Stimmen wurde der Antrag für die fünfte Klasse angenommen.

Die endgültige Entscheidung über die Einführung wird aber erst in der nächsten Sitzung des Stadtrats fallen.

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