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Corona

Bayreuther Friseur lernt mit Azubis auf Zwischenprüfung und wird wegen Schwarzarbeit angezeigt

Friseurmeister Andreas Nuissl lernte vergangene Woche mit seinen Auszubildenden in seinem Friseursalon in Bayreuth auf die bevorstehende Zwischenprüfung. Plötzlich stand die Polizei vor der Tür. 

Die Friseur-Azubis von Andreas Nuissl haben gemeinsam mit ihm auf die Zwischenprüfung trainiert. Dafür gab es eine Anzeige wegen Schwarzarbeit.

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Schwarzarbeit bei Bayreuther Friseur?

Trotz des Corona-Lockdowns und dem Berufsverbot für Friseure stehen im März die Zwischenprüfungen für die Azubis im Handwerk an – auch im Friseurhandwerk. Die Azubis können aber ihre Fähigkeiten ohne Übung nicht verbessern. Deswegen hat Friseurmeister Andreas Nuissl mit seinen Lehrlingen vereinbart, jeden Freitag um 10 Uhr mit ihnen für ihre Zwischenprüfung zu lernen.

So also auch am 29. Januar 2021. In seinem Geschäft Cutting Crew Hair Design in der Badstraße brannte also Licht. „Wir übten gerade die Dauerwelle, als plötzlich die Polizei vor der Tür stand“, erzählt Nuissl. Diese teilt dem überraschten Friseurmeister mit, dass er wegen Schwarzarbeit von einem Passanten angezeigt worden war.

Passant ruft bei Polizei in Bayreuth an

Nuissl konnte die Situation aber rasch auflösen. „Die Polizisten waren sehr nett. Sie mussten dem Anruf ja nachgehen“, sagt er. Er sei dem Anrufer auch nicht böse. Ganz im Gegenteil sogar. Der Friseur finde es gut, wenn durch aufmerksame Mitbürger Schwarzarbeit unterbunden werde. „Ich bin gegen Schwarzarbeit und dem Anrufer dankbar“, sagt er.

Nach einem Gespräch mit den Streifenbeamten rief Nuissl beim Ordnungsamt an und klärte die Situation. „Ich habe gesagt, dass wir wegen der anstehenden Zwischenprüfung jeden Freitag um 10 Uhr im Laden üben.“ Weder vom Ordnungsamt noch von der Polizei gab es deswegen ein Problem. Das bestätigt auch Ernst Barth von der Polizeiinspektion Bayreuth Stadt.

Puppen statt lebende Modelle

Denn es ist Nuissl erlaubt, mit seinen Lehrlingen auf die Prüfung zu lernen. Nur eines ist wichtig: „Die Azubis dürfen weder beim Üben noch in der Prüfung am lebenden Modell arbeiten“, erklärt Nuissl. Stattdessen müsse ein Übungskopf benutzt werden.

„Das war eine ganz lustige Situation für die Kollegen“, erzählt Barth. „Die Azubis haben an Puppenköpfen herumfrisiert, den Abstand eingehalten und FFP2-Masken getragen.“ Deswegen gab es von Seiten der Polizei auch nichts zu beanstanden.

Gerade solche Köpfe hat der Handwerksmeister in die Schaufenster seiner beiden Salons gehängt. Damit will er auf die Notsituation in seiner Branche aufmerksam machen.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler