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Sozialer Dienst

Gewalt an Männern in der Beziehung: Hilfetelefon und “Männerhaus” in Bayreuth eingerichtet

Auf Betreiben von Stadträtin Ingrid Heinritzi-Martin gibt es in Bayreuth jetzt eine Anlauf- und Beratungsstelle für Männer, die in ihrer Beziehung Opfer von Gewalt geworden sind. Das bt hat mir ihr gesprochen.

Häusliche Gewalt ist kein Problem, das ausschließlich Frauen betrifft. Vielmehr ist jedes fünfte Opfer von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt männlich. Auf Antrag von Stadträtin Ingrid Heinritzi-Martin (CSU) gibt es nun auch für Betroffene in Bayreuth und Umgebung Hilfe. Am 10. Oktober 2020 hatte ein Mann seiner eigenen Freundin mehrfach gegen den Kopf geschlagen.

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Gewalt an Männern in der Beziehung: Hilfetelefon und “Männerhaus” in Bayreuth eingerichtet

Es war eine schockierende Meldung, die Stadträtin Ingrid Heinritzi-Martins Aufmerksamkeit erregte: Bei Polizeieinsätzen im Rahmen von häuslicher Gewalt sind mehr Männer das Opfer, als man so denken mag, auch in Bayreuth. Während sie sich umhörte, sei sie auf Berichte gestoßen, “da denkt man gar nicht dran, dass so etwas möglich ist.” Nicht immer gehe es bei solchen Fällen um körperliche Gewalt. So habe sie unter anderem auch von Männer erfahren, die im Dachgeschoss oder Gartenhaus wohnen müssen, weil die Partnerin/der Partner das so will.

Nicht nur Frauen sind Opfer

Jede vierte Frau in Deutschland ist schon einmal Opfer von Gewalt geworden. Da geht es nicht immer nur um körperliche Gewalt. Worte können auch verletzen, gar psychischen Druck und/oder Abhängigkeit auslösen. Eine weitere Form ist die systematische Gewalt: Sie darf nicht mehr ans Telefon, Handy oder Führerschein werden ihr abgenommen. Als letzte Stufe steht dann die tatsächliche Gewalt, von Schlägen angefangen bis “man kann sich das gar nicht vorstellen”. Dass das Thema Gewalt an Männern meist belächelt wird, sei ihr Klar, so Ingrid Heinritzi-Martin weiter. “Da denken wir an die Frau, die zuhause mit dem Nudelholz auf ihren Mann wartet, der wieder einmal besoffen aus dem Wirtshaus kommt.”

Hilfe-Telefon und “Männerhaus” jetzt auch in Bayreuth

“Als ich erfahren hatte, dass all das auch Männer treffen kann”, erklärt Heinritzi-Martin, “habe ich mir gedacht, dass es auch für sie auch Anlaufstellen geben müsste.” Die gibt es auch: in Form eines Hilfetelefons. Unter 0800 123 99 00 können sich Hilfesuchende beraten lassen. Online geht es über eine Email beratung@maennerhilfetelefon.de. Das Beratungsangebot ist auch für Angehörige oder Fachpersonal offen, die sich über Hilfsmöglichkeiten für von Gewalt betroffene Männer informieren möchten. Bei Gefahr sollte umgehend die Polizei kontaktiert (Telefon-Nummer 110) werden. Das Hilfetelefon ist ein Projekt der Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Von Gewalt betroffene Männer in Bayreuth können sich auch ratsuchend an den Sozialen Dienst der Stadt Bayreuth, Telefon 0921 25-1378, wenden. Darüber hinaus besteht seit Oktober die Möglichkeit, schutzbedürftige Männer in einer städtischen Verfügungswohnung unterzubringen. Weitere Beratungsstellen und Unterbringungsmöglichkeiten gibt es in Nürnberg und in Augsburg.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß