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Unterhaltung

Mentalmagier aus Franken trickst im US-Fernsehen berühmte Zauberkünstler aus

Mentalmagier Christoph Kuch aus Nürnberg hat sich in der Pandemie seinen Traum erfüllt. Das bt hat mit ihm gesprochen. 

„Es sind 90 Prozent Psychologie und zehn Prozent Intuition“, sagt Christoph Kuch aus Nürnberg über seinen Job. Er ist Mentalmagier. 2012 hatte er die Weltmeisterschaft in dieser Disziplin der Zauberkunst gewonnen. Anfang des Jahres hat sich einen lang ersehnten Traum erfüllt und das sehr erfolgreich: Kuch hat im US-Fernsehen die beiden weltbekannten Zauberkünstler „Penn & Teller“ in deren Show „Fool Us“ ausgetrickst. Aber wie geht das und wie geht Zauberkunst in der Pandemie? Das bt hat mit Christoph Kuch gesprochen.

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„Fooler!“ in der Pandemie: Mentalmagier aus Franken gewinnt im US-Fernsehen lang ersehnte Trophäe

„Penn & Teller Fool Us“ ist so etwas wie eine Casting-Show für Zauberkünstler. Es geht darum, Penn und Teller auszutricksen. Die beiden sind alte Hasen in dieser Zunft, haben ihre eigene Show in Las Vegas und sind für viele andere Vertreter der magischen Unterhaltungstäuschung weltweit das Nonplusultra. Die beiden reinzulegen, kommt einem Adelstitel gleich. Hat es einer geschafft, ist er ein „Fooler!“ und darf in der „Penn & Teller“-Show in Las Vegas auftreten.

Christoph Kuch aus Nürnberg beschäftigt sich mit der Zauberkunst, seitdem er sechs Jahre alt ist. Mit dem wachsenden Interesse begann er, sich für Psychologie zu interessieren und schließlich wechselte er von der klassischen Zauberkunst zur Mentalmagie. „Sie ist anders“, sagt er. „Viele Menschen glauben wirklich, dass ich Gedanken oder aus der Hand lesen kann.“ Das kann Kuch natürlich nicht. „Ich schaffe Bedingungen, die es mir möglich machen und mache mir Handlungsmuster zunutze“: eine unterhaltsame Form aus Psychologie und Intuition also. Damit hat er es zu „Penn & Teller Fool Us“ geschafft und sich seinen Traum erfüllt.

Zauberkunst in Zeiten von Corona: Wie der Nürnberger Christoph Kuch ins US-Fernsehen kam

„Mentalmagie ist immer schwierig“, sagt Kuch. Lange habe er an dem Effekt gearbeitet, mit dem er Penn und Teller schließlich „foolen“ konnte. 2017 hatte Christoph Kuch ein erstes Casting-Video zu „Penn & Teller Fool Us“ geschickt. 2020 kam nach mehrmaligen Hin und Her die Zusage. Wegen Corona ging es nur über eine Live-Schaltung von Deutschland nach Amerika.

„Penn & Teller Fool Us“ arbeitet mit Zauberern, auch hinter der Kamera. So gibt es eine Jury aus echten Zauberern, die bei Ungewissheit entscheidet, ob der Teilnehmer ein „Fooler!“ ist oder nicht. Das heißt, dass jeder dieser Jury seinen Effekt erklären muss. Das trägt dem Ehrenkodex der Zauberer-Zunft Rechnung, wonach man bekanntlich seine Tricks eigentlich nicht verrät.

Kuchs große Vorbilder Penn und Teller wissen nichts von dieser Erklärung. „Sie waren schon sehr nah dran“, sagt Kuch. „Genau erklären konnten sie den Effekt aber nicht.“ Das passiert bei „Penn & Teller Fool Us“ sowieso nicht. Die beiden Hosts sprechen in der Show mit dem Vorführenden mit Code-Wörtern, so dass der weiß, dass sie es wissen, wie es geht oder eben nicht. „Sie wissen sehr viel, sind beide sehr belesen in der Fachliteratur, treten seit Jahrzehnten auf und haben schon viel gesehen“, erklärt Kuch.

Christoph Kuch bei „Penn & Teller Fool Us“: Ein Franke legt im US-Fernsehen seine größten Vorbilder rein

Wenn unser Gegenüber genauso da sitzt wie wir, dann würden wir das als angenehm empfinden, so Christoph Kuch. Wenn jemand lügt, könne man das oft daran erkennen, dass er wenig bis gar nicht in der Ich-Perspektive spricht. Diese und andere Kenntnisse aus der Psychologie würden ihn aber nicht zu einem Geheimagenten mit Spezialisierung zum Gedankenlesen machen. Kuch kombiniert Methoden der Zauberkunst mit Psychologie.

„Ich habe nicht daran geglaubt“, sagt der Nürnberger zu seinem Erfolg bei „Fool Us“. Wegen der Corona-Pandemie konnte er nicht live auf der Bühne in Las Vegas spielen. Es sei anders ohne wirkliches Publikum aber der Erfolg gebe ihm Recht. Wichtig zu wissen: Die Produzenten der Show aber auch Christoph Kuch selbst achten penibel darauf, dass Zuschauer, die ein Magier auf die Bühne holt, nicht eingeweiht sind. Deswegen könne eine Nummer auch schon mal daneben gehen, so Kuch.

So meistert Christoph Kuch die Corona-Krise

Mit dm Weltmeistertitel in der Sparte Mentalmagie 2012 hat Christoph Kuch sein Hobby zum Beruf gemacht. Es folgten Auftritte in vielen bekannten Shows im Deutschen Fernsehen. „TV Total“, „DAS“, „Stern TV“, „ndr Talkshow“ und schließlich eben „Penn & Teller Fool Us“.

In seinem eigentlichen Job ist Christoph Kuch Manager in der Baubranche. „Das hat Vorteile“, sagt er „Corona ist für uns Künstler eine scheiß Zeit.“ Aufgrund seines anderen Berufs wurde Kuch vom Berufsverbot für Künstler aber nicht so hart getroffen wie andere. Demnächst will der Mentalmagier aus Nürnberg wieder loslegen. Mit dem 18. Juni startet er seine Tour. Für mehrere Termine sind wieder Karten erhältlich. Kuch spielt vor 150 bis zu 700 Zuschauern.

„Für diejenigen, die daran glauben, ist keine Erklärung nötig“, sagt Christoph Kuch. „Für diejenigen, die nicht daran glauben, ist jede Erklärung unzureichend.“ Er freue sich, schon bald wieder Menschen mit seiner Kunst verblüffen zu können. Aber: „Aus der Hand lesen kann ich nicht.“

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß