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Vandalismus

Randale in der Wilhelminenaue: Kameras, Sicherheitsdienst, Konzepte, Jugendarbeit – das wollen die Politiker

In der Wilhelminenaue ist es wieder zu Vandalismus gekommen. So reagieren Bayreuther Politiker auf die neuen Vorfälle.

Die Tage werden länger, Temperaturen steigen – Menschen zieht es in die Natur. In Bayreuth bietet sich dafür die Wilhelminenaue an. Doch nachts kommt es hier immer häufiger zu Randalen und Vandalismus.

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Bereits im vergangenen Jahr hat der Kulturkiosk zur Seebühne einen emotionalen Post geschrieben und sich ein Handeln der Bayreuther Politik gewünscht. Nach etwa einem Jahr meldet sich der Kiosk wieder mit Facebook-Post an die „asozialen Arschlöcher“, die dort in der Nacht randalieren. Das bt hat bei den Politikern der Stadt Bayreuth nachgefragt, wie sie das Problem nun angehen möchten.

Randale an der Wilhelminenaue: „Das Problem ist vorhanden“

Die Stadt Bayreuth hat bisher einen Sicherheitsdienst eingesetzt, erklärt Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) auf Nachfrage des bt. Dieser sei auch grundsätzlich in den Abendstunden aktiv.

Täglich werden zwischen zwei und vier Personen bei diesem Sicherheitsdienst eingesetzt, erläutert Ebersberger weiter. Die genauen Zeiten werden allerdings nicht veröffentlicht: „Die Zeiten waren von 16 Uhr bis 2 Uhr“, sagt der Oberbürgermeister.

Doch die Stadt Bayreuth kennt das Problem, „es ist vorhanden“. Weiter erläutert Ebersberger: „Es ist sicherlich ein Problem, dass manche nicht wissen, was eine gute Kinderstube gewesen ist.“

Weitere Maßnahmen der Stadt Bayreuth hätten das Problem der Finanzierung sowie der Verhältnismäßigkeit: „Überwachungskameras sind kein Menschenliebling“, weiß Ebersberger. Es ist also problematisch.

Der Oberbürgermeister rät deshalb folgendes: „Wenn dort etwas vorhanden ist, sollte direkt die Polizei verständigt werden, um die Rowdys noch zu erwischen.“ Nur so könnten dann auch fällige Bußgelder ausgesprochen werden.

Keine Non-Stop-Überwachung der Wilhelminenaue

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Politik aktiv. Sabine Steininger (Grüne) erklärt: „Die Stadt Bayreuth hat seit Bekanntwerden der ersten Vandalismusschäden einen Sicherheitsdienst beauftragt, das Gelände in der Wilhelminenaue zu begehen. Darüber hinaus wurde der Aufbau von mobiler aufsuchender Jugendarbeit beschlossen. Ziel ist es, das Gespräch mit den Jugendlichen zu suchen, um derartige Vorkommnisse künftig zu vermeiden.“

Eine dauerhafte Überwachung des Geländes hält die Fraktion der Grünen für nicht sinnvoll: „Eine Non-Stop-Überwachung kann nicht geleistet werden, und soll nach Ansicht unserer Fraktion auch nicht erfolgen. Stattdessen sollte regelmäßig in den zuständigen Gremien und somit auch in den Medien über die Vorkommnisse berichtet und für eine ordnungsgemäße Nutzung geworben werden.“

Weiter erklärt Steininger, dass ein runder Tisch mit allen verantwortlichen geschaffen werden könnte, „um zu erörtern, was man gemeinsam zur Verbesserung der Situation unternehmen könnte“.

Um weiteren Vandalismus vorzubeugen, schlägt Steininger „ein attraktives Freizeitprogramm und Räume für Jugendliche, Paten für Spielplätze und Parkanlagen, hochwertiges und robustes Stadtmobiliar sowie eine rasche Reparatur, Reinigung oder Austausch der beschädigten Gegenstände vor, um Nachahmungstäter*innen kein leichtes Spiel zu bieten“.

Bayreuther Bürger als Vorbild gefordert

„Die erneuten Verwüstungen in der Wilhelminenaue und die Beschädigungen am Kulturkiosk kann man nur verurteilen. Wer so mit öffentlichem und privaten Eigentum umgeht, müsste automatisch Platzverbot bekommen“, erklärt Thomas Hacker (FDP) auf Nachfrage des bt.

Auch er erinnert sich an die Maßnahmen der Stadt aus dem vergangenen Jahr: höhere Präsenz der Polizei, Sicherheitsdienst und Jugendarbeit. Nach den erneuten Fällen erklärt Hacker auf Nachfrage: „Kurzfristig kann nur eine höhere Präsenz von Sicherheitsdiensten und Polizei helfen, aber genauso sind alle Bürgerinnen und Bürger gefordert – durch eigenes Vorbild und durch gezielte Hinweise an andere – mit unserer so beliebten Wilhelminenaue sorgsam umzugehen.“

Weiter sagt Hacker: „Es bleibt zu hoffen, dass nach dem ersten Überschwang, der verständliche Wunsch zu feiern auch Rücksicht auf die Belange Anderer nimmt, und alle gemeinsam Wilhelminenaue und Kulturkiosk genießen können.“

Vandalismus in Bayreuth: Rücksichtnahme darf kein Fremdwort sein

Stephan Müller (BG) erklärt auf Nachfrage des bt: „In Bayreuth gibt es seit dem Jahr 2019 den Einsatz zusätzlicher Security auf dem Gelände der Wilhelminenaue. Diese werden selbstverständlich auch in den Abend- und Nachtstunden eingesetzt. Das Zusammenleben von Menschen gelingt immer dort am besten, wo gegenseitige Rücksichtnahme kein Fremdwort ist. Dies muss das Ziel sein. Wo dies nicht zu erreichen ist und Appelle ihr Ziel verfehlen, bleiben nur Bußgeldbescheide für die Änderung von Verhaltensweisen.“

Weiter sagt Müller: „Grundsätzlich tragen wir alle in Bayreuth Verantwortung für unsere Parks und Grünflächen. Leider gibt es immer wieder Menschen, die hier ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und durch Vandalismus oder sorglosen Umgang mit öffentlichen Eigentum auffallen. Dies ist jedoch kein Bayreuther Phänomen, sondern in vielen Städten zu beobachten. Schon vor Jahren hat beispielsweise die Schlösser- und Seenverwaltung über eine Schließung der Parks in München nachgedacht.“

Strengere Maßnahmen gefordert für Wilhelminenaue

„Ich habe volles Verständnis, dass sich Bayreutherinnen und Bayreuther, vor allem nach dem langen Lockdown, die tolle Parkanlage der Wilhelminenaue nutzen. Kein Verständnis habe ich, wenn Müll liegen gelassen wird und Sachen und Pfalnzen beschädigt oder zestört werden. Sehr schade und besonders wütend macht mich, dass gerade der Kulturkiosk unter der Situation leiden muss, da dies ein toller Platz in Bayreuth ist“, sagt Christopher Süss (JB) zu den Vorfällen in der Wilhelminenaue.

Nach seiner Auffassung sind deshalb nun strengere Maßnahmen erforderlich, da sich diese Vorfälle häufen: „Es ist sinnvoll den Wachdienst auch in der Nacht einzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt ereignen sich die meisten Vorfälle. Solange sich die Situation nicht bessert, auch wenn man es sich wünschen würde, ist der verstärkte Einsatz von Wach- bzw. Sicherheitsdiensten notwendig, um weitere Sachbeschädigungen zu verhindern.“

Aus Sicht der JB soll der Sicherheitsdienst auch mit höheren Personalkosten eingesetzt werden. „Am Ende sind die höheren Personalkosten jedoch geringer, als die Kosten für die Wiederherstellungs- und Reparaturarbeiten der zerstörten Sache. Der reine Appell ist nicht mehr ausreichend. Ebenso ist aus unserer Sicht auch die Polizei gefordert, verstärkt, etwa durch Fuß- oder Fahrradstreifen, die Wilhelminenaue im Blick zu haben.“

Konzept von Stadt und Polizei gefordert

„Wir haben zum Thema Randale und Vermüllung in der Wilhelminenaue bereits im Sommer vergangenen Jahres eine umfangreiche Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet, weil es seinerzeit bereits wiederholt zu unschönen Vorfällen gekommen ist“, sagt Gert-Dieter Meier (DU) auf Nachfrage des bt. Nach einer Anfrage von FDP/DU/Frauenliste antwortete die Stadt damals, dass „die Problematik inzwischen eine Dimension annimmt, die die Kompetenz von Stadtgartenamt als Fachdienststelle für Grünflächenpflege und -unterhalt übersteigt“.

Weiter sagt Meier: „Offenbar aber reicht beides nicht aus, um die wenigen Leute zur Vernunft zu bringen, die die Wilhelminenaue nicht nur als idealen Ort für Erholung und Entspannung nutzen, sondern immer wieder für Vermüllung und Zerstörung sorgen. Das Schlimme daran: Es sind nur einige wenige Wirrköpfe, die da offensichtlich immer wieder über die Stränge schlagen.“

Deshalb fordert er Stadt und Polizei auf, „endlich ein wirksames Konzept zu entwickeln, damit es nicht länger zu nächtlichen Ruhestörungen, Aggressionen und Zerstörungen kommt“.

Meier schlägt deshalb vor: „Nun macht es natürlich keinen Sinn, dort eine Spezialeinheit zu stationieren oder nach Bürgerwehren zu rufen. Aber es reicht auch nicht aus, gebetsmühlenartig auf allgemeine gesetzliche Vorschriften, Verhaltensregeln und Satzungen hinzuweisen, wenn diese erkennbar nicht eingehalten bzw. akzeptiert werden. Nein, es braucht zumindest effektive und regelmäßige Kontrollen, es braucht auch Sozialarbeiter, die vor Ort agieren, und es braucht eine Grundübereinkunft von uns allen, dass wir alle in der Wilhelminenaue keine Randale tolerieren. Zudem müssen endlich jene zur Verantwortung gezogen werden, die sich nicht an die allgemeingültigen Spielregeln halten.“

SPD fordert mehr Jugendarbeit

„Wie wir bereits von einem Jahr vorgeschlagen haben, halten wir einen verstärkten Polizeieinsatz nicht für die beste Wahl, zumal es bereits eine Nachtpräsenz gibt. Besser wäre es, an solchen Orten mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und mit ihnen daran zu arbeiten, warum so etwas passiert und dass es in Zukunft nicht mehr passiert“, erklärt Andreas Zippel (SPD).

Nach den Randalen im vergangenen Jahr hatte die SPD-Fraktion vorgeschlagen, „lieber präventiv als reaktiv mit den jungen Menschen zu arbeiten und daher eine sogenannte mobile Jugendhilfe beantragt. Deren Aufgabe soll es sein, explizit auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten und der Jugendzentren die Jugendlichen aufzusuchen und dort auf sie zuzugehen, wo und wann sie sich eben treffen“.

Diese Arbeit habe sich nach Zippels Angaben schon am Menzelplatz ganz hervorragend bewährt. Die Stelle wurde letztlich auch einstimmig in den Stellenplan ab 2021 aufgenommen. „Dieser muss jedoch zusammen mit dem Haushalt von der Regierung von Oberfranken genehmigt werden, ehe die Stelle ausgeschrieben werden kann. Dies ist unseres Wissens noch nicht passiert“, erklärt Andreas Zippel.

Bayreuther Tagblatt - Christoph Wiedemann

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Christoph Wiedemann