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Gefängnis

Als Frau im Gefängnis in Bayreuth arbeiten: So ist der Alltag in der JVA

Wie ist es, im Gefängnis zu arbeiten? Das bt hat mit einer Vollzugsbeamtin hinter die Kulissen der JVA Bayreuth geblickt.

Von der Arbeit mit Häftlingen haben viele Menschen ganz unterschiedliche Vorstellungen. Tina Riemer ist Vollzugsbeamtin in der JVA St. Georgen in Bayreuth. Sie erklärt, worauf es bei ihrer täglichen Arbeit ankommt.

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Das bt war deshalb in der JVA in der Markgrafenallee. Dort hat das bt hinter die Kulissen geblickt.

Arbeit im Gefängnis in Bayreuth: „angenehm“

Von 5:15 Uhr bis 12:45 Uhr oder von 12:45 Uhr bis 20:15 Uhr arbeitet Tina Riemer, je nach Schicht, in der JVA in St. Georgen. Seit vier Jahren ist sie hier im Dienst. Zwölf Jahre Berufserfahrung hat sie. Auf die Frage, warum sie diesen Beruf ausführe, findet sie eine klare Antwort: „Das Arbeiten ist einfach angenehm. Viele denken das vielleicht nicht, aber es ist wirklich ein eher ruhiger Job.“

Auch das Verwaltungstechnische und die Arbeitsbedingungen sind laut Riemer attraktiv: „Das Geld passt und die Dienstzeiten machen das Arbeiten in der JVA sehr familienfreundlich.“

Als Frau in der JVA arbeiten?

Als Frau in der JVA zu arbeiten, hat Riemer gar keine Probleme bereitet. Das Gegenteil sei der Fall: „Eine Frau lässt die Situation vielleicht sogar etwas herunterfahren. Bei Männern ist das Aggressionspotenzial tendenziell etwas höher.“

Auf das Geschlecht der Beamten komme es ohnehin nicht an: „Ich glaube, das ist manchmal auch eine Charakterfrage. Ich verfahre meistens nach dem Schema: Wie man in den Wald schreit, so schreit es auch wieder heraus. Bisher hatte ich dahingehend wirklich keine Schwierigkeiten hier.“

Die JVA St. Georgen – so ist sie aufgebaut

Fast 900 Insassen befinden sich in den Häusern A bis D der JVA. Tina Riemer ist hauptsächlich im Haus D eingesetzt. Dort sind über 190 Gefangene untergebracht, viele davon in „Einzelzimmern“, für die die Insassen auch eigene Schlüssel haben. Zu bestimmten Zeiten sind die Zimmer komplett aber abgeschlossen, teilt Riemer mit.

Telefonieren dürfen die Gefangenen dreimal 15 Minuten im Monat. Die Telefonate werden von den Vollzugsbeamten überwacht, um nachzuvollziehen, worüber die Gefangenen sprechen: „Gerade wenn die Häftlinge in einer fremden Sprache sprechen, ist es natürlich etwas schwierig, aber das muss dann auch etwas auf Vertrauensbasis funktionieren“, sagt Riemer.

Das Dienstzimmer für Einkäufe und Fragen

Vom Dienstzimmer aus, genau an der Schnittstelle zweier Zellengänge, können die Vollzugsbeamten die zwei Gänge gezielt beobachten. Allerdings hat das Dienstzimmer noch einen anderen Zweck: „Die Häftlinge können hier zum Beispiel Fragen stellen oder ihre Bestellungen für ihre Einkäufe aufgeben“, teilt Riemer mit.

Die Insassen können ihr eigenes Geld, das sie bei ihrer Arbeit in der JVA beispielsweise als Gärtner, Mechaniker, Schlosser oder Bauarbeiter verdienen, für Einkäufe ausgeben.

Auch interessant: Das bt war im Sommer in der Gemüsegärtnerei der JVA Bayreuth zu Besuch.

Von der Arbeit stehen einige Dienstleistungen teilweise auch für Bürger bereit. Auf Terminbasis könne man beispielsweise die Kfz-Werkstatt der JVA in Anspruch nehmen. Riemers Ansicht nach profitiert eine Stadt von einer JVA: „Eigentlich ist so eine JVA eine Bereicherung für die Region, wenn man bedenkt, was alles daran hängt. Die Arbeiter, die die Einkäufe erledigen, oder die Insassen in Berufen ausbilden, müssen ja auch angestellt werden.“

„Freizeitmöglichkeiten“ für andere Gedanken

Abgesehen von ihrer Arbeit stehen den Häftlingen mehrere „Freizeitmöglichkeiten“ zur Verfügung, denen sie zu bestimmten Zeiten nachgehen können: so gibt es einen Fitnessraum oder eine Küche, wo sie sich selbst ihr Essen kochen können. In der Sozialtherapie gibt es einen Aufenthaltsraum mit einer Dartscheibe und einem Kicker. Und für die Kreativen gibt es einen Musikraum mit mehreren Instrumenten.

Auf dem Sportplatz im Freien können die Häftlinge außerdem Fußball oder andere Team-Sportarten spielen. Für Riemer ist dies ein wichtiger Aspekt im Gefängnis-Alltag – auch für die Häftlinge: „Team sein ist wichtig. Da lernen die Herren auch den Zusammenhalt.“ Die Freizeitmöglichkeiten dienen nach Riemers Angaben der Beruhigung. „Zum einen können die Insassen auf andere Gedanken kommen und zum anderen zum Beispiel beim Sport auch ihre Aggressionen etwas ablassen.“