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Zuletzt aktualisiert am 03. Juni 2023 | 12:54

Bayreuth

„Mehr als Richard-Wagner-Stadt“: Wie sich die Bayreuther Kultur entwickeln soll

von Johannes Pittroff

Die Bayreuther Kultur steht vor Veränderungen – und muss zugleich sparen. Der Kulturreferent der Stadt erklärt, wie das gehen soll.

Bayreuths Kultur- und Tourismusreferent Benedikt Stegmayer verlässt zum Sommer die Wagnerstadt. Foto: Johannes Pittroff
Bayreuths Kultur- und Tourismusreferent Benedikt Stegmayer verlässt zum Sommer die Wagnerstadt. Foto: Johannes Pittroff

Benedikt Stegmayer ist seit dem 1. Mai 2019 zuständig für das Kultur- und Tourismus-Referat der Stadt Bayreuth.

Das bt hat sich mit ihm darüber unterhalten, wie die Bayreuther Kultur sich weiterentwickeln soll – in Zeiten klammer Kassen.

Weniger Geld für Bayreuther Kultur

bt-Redaktion: Herr Stegmayer, die Bayreuther Kultur muss sparen. Wie schlecht ist die Stimmung gerade bei Ihnen?
Das Budget im Kulturbereich ist gekürzt worden – wie das in allen anderen Bereichen auch. Für mich gibt es natürlich keinen Grund zur Freude, ich beschwere mich aber auch nicht.

Die Stadt Bayreuth will sich aufgrund der leeren Kassen vorerst auf unbedingt notwendige Projekte beschränken. Welche kulturellen Projekte müssen Sie streichen?
Das wird sich noch im Laufe des Jahres herausstellen.

Was bleibt auf jeden Fall erhalten?
An den Festspielen wird bestimmt nicht gekürzt. Und wir haben das Glück, dass viele Kulturstätten in Bayreuth nicht von der Stadt getragen werden, sondern vom Freistaat: beispielsweise das Markgräfliche Opernhaus, die Eremitage, das Neue Schloss.

Könnte es beispielsweise Einschränkungen bei den städtischen Museen geben: gekürzte Öffnungszeiten etwa?
Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt leider nichts ausschließen – aber auch nichts bestätigen.

Ist „Bayreuth Baroque“ zu teuer?

Nun kam wiederholt Kritik am „Bayreuth Baroque“-Festival von der Bayreuther Gemeinschaft-Fraktion im Stadtrat. Die Stadt gebe zu viel Geld dafür aus und für die kleinen Kulturvereine bleibe zu wenig übrig, so der Vorwurf.
Ich halte die Kritik für nicht stichhaltig. In diesem Jahr kommen nur knapp über 20 Prozent der öffentlichen Zuschüsse von der Stadt Bayreuth. Und es generiert viel Kaufkraft in der Stadt.

Wie viel?
Pro Euro, den die Stadt investiert, kommen zwischen 5,30 Euro und 7,90 Euro in die Stadt. Das ist Geld, das wegen des Festivals in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel fließt. Außerdem: Zwischen dem 29. April und dem 15. Juli dieses Jahres werden 116 Aufführungen von „Bayreuth Baroque“ live im Fernsehen ausgestrahlt. Das sind 250 Stunden Fernsehwerbung für Bayreuth.




Das Friedrichsforum soll „eine Lücke füllen“

Das größte kulturelle Bauprojekt ist das Friedrichsforum. Das Budget kratzt mittlerweile an den 100 Millionen Euro. Wird das Friedrichsforum sein Geld einspielen?
Ich denke nicht, dass wir damit Gewinn machen.

Es bleibt also ein Draufzahl-Geschäft?
Davon ist auszugehen. Aber ich kenne kein öffentliches Theater in Deutschland, bei dem es anders wäre.

Welchen Stellenwert wird das Friedrichsforum für die Stadt Bayreuth haben?
Das Friedrichsforum wird ein ganz großer kultureller Grundversorger. Der große Saal mit 800 Sitzplätzen etwa füllt eine Lücke in Bayreuth. Veranstaltungen dieser Größenordnung können im Friedrichsforum stattfinden. Außerdem soll es dafür sorgen, dass die Menschen für ihre kulturellen Bedürfnisse nicht mehr aus Bayreuth wegfahren müssen.

Volksmusik und Hochkultur

Welche Arten von Kultur soll das Friedrichsforum abdecken?
Es soll für alle Altersklassen und Neigungen etwas dabei sein. Populäre und klassische Kultur soll es gleichermaßen geben – und auch das Lokale soll eine Rolle spielen.

Wie könnte die lokale Kultur im Friedrichsforum aussehen?
Die Kultur der Bayreuther Vereine oder auch Volksmusik beispielsweise soll eine Rolle spielen. Übrigens nicht nur die oberfränkische Volksmusik, sondern auch die aus anderen Kulturen – das, was wir Weltmusik nennen.

Wie sieht es in Sachen Theater aus?
Alle Sparten des Theaters werden im Friedrichsforum präsent sein. Gerade Landesbühnen reisen durch Deutschland, die haben wir im Blick. Vor allem natürlich das Städtebundtheater Hof.

Wie sehr müssen Sie bei den Veranstaltungen im Friedrichsforum aufs Geld schauen?
Wir werden bei allen Veranstaltungen betriebswirtschaftlich denken. Es geht ja bei der Kultur nie darum, so viel Geld wie möglich auszugeben und so wenig wie möglich einzunehmen. Sondern darum, mit begrenzten Ressourcen das Bestmögliche rauszuholen.

NS-Dokumentationszentrum als großes Zukunftsprojekt

Welchen anderen wichtigen kulturellen Projekte stehen an?
Der Neubau des Stadtarchivs ist eine große Sache. Das Historische Museum hat nach einer Renovierungsphase gerade neu geöffnet. Es gibt Pläne für ein Dokumentationszentrum zur NS-Ideologiegeschichte. Das halte ich für sehr wichtig. Das würde bedeuten, dass das Jean Paul-Museum in das Jean Paul-Haus in der Friedrichstraße umzieht.

Aber der Umzug ist noch nicht beschlossen, oder? Das Jean-Paul-Haus gehört ja nicht der Stadt Bayreuth.
Richtig, es ist noch nicht beschlossen, es gibt noch keinen Mietvertrag. Wir sind zurzeit an der Planung. Dann werden wir mit einer Beschlussvorlage an den Stadtrat herantreten.

Was für eine Stadt soll Bayreuth künftig sein?

Nachdem Sie 2019 angetreten sind kam erst Corona, nun der Ukraine-Krieg mit gravierenden finanziellen Folgen. Wie haben die Krisen Ihre Arbeit beeinflusst?
Wir sind immer wieder gezwungen, neu zu denken. Wir haben beispielsweise in der Pandemie mit „Bayreuth Summertime“ ein Projekt aus der Not heraus ins Leben gerufen, weil es einfach nicht möglich war, in Innenräumen zu spielen. Und haben damit ein wunderschönes Festival geschaffen, das die Pandemie überdauert hat.

Wenn Sie mehr Geld zur Verfügung hätten, was würden Sie in der Bayreuther Kultur verändern?
Wir haben so großartige reale Projekte vor uns: das Friedrichsforum, Bayreuth Baroque, das Dokumentationszentrum. Da braucht es erstmal keine Utopien.

Bisher hat Bayreuth außerhalb vor allem den Ruf der Richard-Wagner-Stadt. Soll sich das ändern?
Bayreuth bleibt Richard-Wagner-Stadt – und wird zugleich mehr als das.



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