Fake-News

Bayreuther Pizzadienst kämpft mit Fake-News – Mitarbeiter sind „total geschockt“

Der Pizzadienst Domino’s in Bayreuth weigert sich angeblich wegen Corona das Klinikum zu beliefern. Das berichtet zumindest ein Blaulicht-Portal aus Bayreuth. Das Unternehmen dementiert, doch der Schaden ist bereits angerichtet. 

Der Pizzadienst Domino’s Bayreuth hat Anfang Januar stillschweigend sein Liefergebiet verkleinert. Das sorgt jetzt für eine Menge Ärger, da ein Bericht eines Blaulicht-Portals aus Bayreuth einen anderen Eindruck erweckt hat.

Bayreuther Klinik-Mitarbeiter schikaniert

Alles begann mit einem emotionalen Posting des Klinikums auf Facebook. Demnach wurden Mitarbeiter der Klinikum Bayreuth GmbH wegen der Pendlerquarantäne und der aktuellen Situation schikaniert. Eine Mitarbeiterin wurde zum Beispiel aus einer Tankstelle gejagt. Das Kind einer anderen Mitarbeiterin wurde in der Kita separiert und durfte nicht mit den anderen Kindern spielen. Das sind nur zwei Beispiele, von denen Pressesprecher Frank Schmälzle auf Facebook berichtete.

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Grenzt auch Domino’s Bayreuth Klinik-Mitarbeiter aus?

Nun soll auch noch ein Pizza-Lieferservice wegen Corona das Klinikum schneiden. So berichtete zumindest ein Nachrichtenportal kürzlich. Dann verbreitete dieses auf Facebook einen entsprechenden Bericht – und löste so einen Shitstorm aus. Weit über hundert Hasskommentare lassen sich mittlerweile auf der Plattform finden. Einige User kündigten an, wegen der Ausgrenzung nicht mehr beim Lieferdienst bestellen zu wollen.

Als Mitarbeiter und Geschäftsführung von Domino’s von diesem Shitstorm erfahren haben, verzweifelten sie. Dass das Klinikum nicht mehr beliefert werde, habe andere Gründe, die nichts mit der aktuellen Situation am Klinikum Bayreuth zu tun haben. Die Verkleinerung des Liefergebiets sei bereits Anfang Januar erfolgt, damit Domino’s seine Pizzen zeitnah ausliefern könne. Im Bereich des Klinikums und einigen anderen weiter entfernten Orten an den Stadtgrenzen sei dies nicht möglich. Daraufhin hatte der Lieferdienst reagiert.

Entsprechende Gebiete können nun bei Online-Bestellungen nicht mehr als Empfänger der Bestellung angegeben werden. Anders sieht das bei telefonischen Bestellungen aus: Ab einem Bestellwert von 50 Euro werden auch Bestellungen aus weiter entfernten Gebieten angenommen, so auch vom Klinikum.

Bayreuther Pizzadienst wehrt sich gegen Vorwürfe

„Diskriminierungsvorwürfe gegenüber des Klinik-Personals, dessen großartige Arbeit besonders in diesen Zeiten unsere höchste Anerkennung und Wertschätzung verdient, weisen wir entschieden zurück“, erklärt das Franchise-Unternehmen auf Facebook.

Denn die Hohe Warte werde auch weiterhin beliefert und die gehört ja bekanntlich auch zur Klinikum Bayreuth GmbH. „Die kriminelle Vergangenheit des Verfassers der Falschmeldung über uns lassen im übrigen erhebliche Zweifel der Seriosität der Berichterstattung aufkommen“, wehrt sich Domino’s in dem Beitrag.

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Fake-News richten Schaden an

Trotzdem ist der Schaden angerichtet. Viele User erklären, nicht mehr bei dem Lieferdienst bestellen zu wollen. Es gibt auch die Beschwerde, dass es unlogisch sei die Hohe Warte zu beliefern, das Klinikum aber nicht mehr. Denn vom Weg her wären das gerade mal zwei Minuten Unterschied.

Doreen P. kommentiert den Facebook-Beitrag von Domino’s so: „Wenn das Kind mal in den Brunnen gefallen ist….auch ich bestelle NICHTS mehr, auch wenn ich in der Hohen Warte arbeite und ihr noch da hin liefert! Klinikum und Hohe Warte gehören zusammen. Der nächste Pizzadienst freut sich bestimmt!“ Solche und so ähnliche Kommentare finden sich unter dem Beitrag.

Die strengen Corona-Maßnahmen in den Kliniken der Klinikum Bayreuth GmbH wurden inzwischen wieder gelockert.

Positive Reaktionen auf Domino’s Erklärung

Es gibt aber auch Facebook-Nutzer, die versuchen, nüchtern an die Sache heranzugehen. Johannes B. ist einer von ihnen: „Das ist jetzt Quatsch. Es ist wie mit allen im Leben. Wo setzt man die Grenze? Und warum beliefert Dominos nicht auch Kulmbach?“, schreibt er. Denn egal wo eine Grenze gesetzt werde, gebe es immer jemanden, der zehn Zentimeter dahinter sitze und sich benachteiligt fühle.

„Nur eine schnell gelieferte Pizza ist eine leckere Pizza. Kein Kunde in der Badstraße versteht, dass er 50 Minuten auf sein Essen warten muss, weil ein Fahrer in Laineck, einer in Aichig und einer in Oberkonnersreuth ist. Jeder Kunde, den von uns Essen bekommt, soll die beste Qualität bekommen. Das geht nur mit einem kleinen Lieferradius“, erklärt Domino’s selbst.

Pizzadienst-Mitarbeiter sind „total geschockt“

Es gibt aber auch Kommentare, die den Pizzadienst nicht verteufeln, sondern sich positiv äußern. Julia L. schreibt zum Beispiel: „Geschmäcker sind verschieden…aber jemandem mit Absicht die Existenz zu ruinieren, geht überhaupt nicht!“

Das Franchise-Unternehmen selbst reagiert daraufhin und berichtet folgendes: „Wie schnell sich solche unseriösen Berichterstattungen verbreiten hat uns und unsere Mitarbeiter total geschockt. Und auch unsere Leute geben alles.“

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler