Coronavirus

„Sehr schlimmes Weihnachtsfest“: RKI-Chef prophezeit düsteren Winter – und fordert harte Einschränkungen

Ein „sehr schlimmes Weihnachtsfest“ steht Deutschland bevor. Das sagt RKI-Chef Robert Wieler. Er fordert deshalb harte Corona-Maßnahmen – und wirft der Politik schwere Versäumnisse vor.

RKI-Chef Lothar Wieler hat sich in einer Brandrede den Frust über die Corona-Politik von der Seele geredet. Ungewöhnlich für den sonst nüchternen Redestil Wielers.

Wieler hat ein dramatisches Bild der Corona-Lage in Deutschland gezeichnet. „Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern“, sagte er am Mittwochabend (17. November 2021) bei einer Online-Diskussion mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU).

Corona Deutschland: 400 Tote in den nächsten Wochen

„Die Untererfassung der wahren Zahlen verstärkt sich.“ Hinter den mehr als 50.000 Infektionen, die derzeit pro Tag neu registriert würden, „verbergen sich mindestens noch einmal doppelt oder dreimal so viele“, sagte der RKI-Chef.

Zuletzt seien 0,8 Prozent der Erkrankten gestorben. Das bedeute, dass von den mehr als 50.000 Infizierten pro Tag in den nächsten Wochen 400 sterben würden. „Daran gibt es nichts mehr zu ändern.“ Weiter schildert er dramatsich: Niemand könne diesen Menschen noch helfen, selbst mit bester medizinischer Versorgung nicht.

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Wieler wirft Politik schwere Fehler vor

„Sie sehen, die Prognosen sind superdüster. Sie sind richtig düster“, sagte Wieler. „Es herrscht eine Notlage in unserem Land. Wer das nicht sieht, der macht einen sehr großen Fehler.“ Entgegen der Behauptungen mehrerer Politiker hatte das RKI bereits im Sommer vor diesem Szenario gewarnt und Handlungsempfehlungen ausgesprochen, erklärt Wieler erneut.

„Wir haben zu schnell in zu vielen Bereichen geöffnet“, kritisierte Wieler. „Clubs und Bars sind Hotspots. Aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden.“ Großveranstaltungen dürften nicht stattfinden und Kontaktbeschränkungen sollten nach seinen Angaben wieder eingeführt werden.

Wieler Fordert: Mann und Maus sollen impfen

„Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen“, sagte Wieler weiter, wobei er eine harte Umsetzung der 2G-Regel fordert.

„Ich sag das jetzt mal ganz klar: Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen aufgrund von irgendwelchen Umständen nicht gestattet, zu impfen. Wir sind in einer Notlage“, betonte Wieler. „Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff.“

Wieler forderte die Politik dazu auf, endlich zu handeln. „Wir müssen nicht ständig etwas Neues erfinden. Alle diese Konzepte und Rezepte sind vorhanden“, sagte er. „Das ist ’ne klare Sprache, aber ich kann nach 21 Monaten es auch schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es nicht vielleicht erkannt wird, was ich unter anderem sage und auch viele andere Kolleginnen und Kollegen.“