Coronavirus

Ein Intensivbett am Klinikum Bayreuth frei: Experte fordert härtere Maßnahmen

Nur noch ein Intensivbett soll in Bayreuth frei sein. Ein Arzt aus dem Klinikum Bayreuth beschreibt die Lage vor Ort. Es müsse jetzt gehandelt werden.

Laut Intensivregister DIVI gibt es am Klinikum Bayreuth (Stand 19.11.2021) nur noch ein freies Intensivbett.

Klinikum Bayreuth: Mangel an Intensivbetten

Bei DIVI wird ein freies Intensivbett am Klinikum Bayreuth angezeigt. Wie ist die Lage aktuell? „Letztlich ist diese Zahl eine Momentaufnahme, dahinter verbergen sich kontinuierliche Aufnahmen und Abverlegungen auf unseren Intensivstationen mit denen wir auch in dieser sehr angespannten Situation die Notfallversorgung in der Region sichern. Das heißt, hätten wir zum Beispiel fünf Betten frei, würden diese zügig mit Patienten belegt, die normalerweise in anderen Häusern versorgt würden. Es herrscht allgemein ein Mangel an Intensivbetten, in dieser Situation kann es nicht gelingen, Betten in größerem Umfang freizuhalten“, teilt das Klinikum Bayreuth auf Nachfrage mit.

Die Bettenanzahl wird in Bareuth mit 53 angegeben. 52 seien laut DIVI belegt. „Neun“ Patienten liegen wegen einer Covid-19-Erkrankung in Bayreuth auf der Intensivstation, teilt das Klinikum Bayreuth mit. Insgesamt befinden sich 40 Patienten wegen einer Corona-Infektion im Klinikum Bayreuth.

Falls alle Intensivbetten belegt sein sollten – und dennoch eines benötigt werden würde, gibt es folgendes Szenario: „Dann wird über den ärztlichen Leiter Rettungsdienst eine Verlegungsoptionen eventuell auch außerhalb von Bayerns organisiert. Um dieses Szenario zu vermeiden, wird man natürlich bereits im Voraus Patienten verlegen und Optionen prüfen“, erläutert Doktor Thomas Bollinger vom Klinikum Bayreuth.

Angespannte Situation am Klinikum Bayreuth: Personal kündigt

Um genügend Betten zur Verfügung zu haben, werden auch in Bayreuth planbare Eingriffe teilweise verschoben: „Wir fahren unser Elektivprogramm aktuell soweit herunter, dass wir die zur Versorgung der COVID-Patienten notwendigen Kapazitäten soweit wie irgend möglich erhöhen können. Außerdem beurteilen wir Tag und Nacht die Indikation zur Intensivbehandlung und verlegen Patienten auf Normalstationen, sobald es medizinisch angezeigt ist – auch am Abend oder in der Nacht. So wird gewährleistet, dass Intensivbetten zur Verfügung stehen“, heißt von Doktor Thomas Bollinger am Klinikum Bayreuth

Schlimmer sei allerdings der Mangel an Intensivpflegekräften: „Aufgrund des Mangels an Intensivpflegekräften kann man an dieser Situation akut wenig ändern – und dieser Mangel bestand bereits vor der Pandemie. Wir haben dem durch die Ausbildung von Intensivpflegekräften sowie Akquise entgegengewirkt. Aber die Belastungen durch die Pandemie haben auch zu Kündigungen geführt, weshalb wir letztlich keine Kapazitäten aufbauen konnten.“

Trotz der angespannten Situation, sei diese in Bayreuth aber noch nicht überlastet: „Die Situation auf den Intensivstationen ist angespannt, aber noch kann man nicht von einer Überlastung sprechen“, teilt Pressesprecherin Xenia Pusch auf Nachfrage mit.

Größtenteils Ungeimpfte Corona-Patienten in Bayreuth

Wie in vielen anderen Regionen in Bayern liegen in Bayreuth größtenteils Ungeimpfte Corona-Patienten auf der Intensivstatiion: „SARS-CoV-2 Positive gibt es sowohl im geimpften als auch ungeimpften Kollektiv. Aber es sind überwiegend Ungeimpfte, die auf der Intensivstation wegen COVID-19 versorgt werden.“

Impfdurchbrüche sind am Klinikum Bayreuth auch vorhanden, allerdings werden diese häufig nicht wegen Covid-19 behandelt: „Geimpfte mit SARS-CoV-2-Nachweis liegen fast ausschließlich wegen anderer Diagnosen auf der Intensivstation, der positive Befund stellt sich oft erst bei der Aufnahmeuntersuchung zufällig heraus. Tatsächlich an COVID-19 erkrankt sind diese Patienten in der Regel nicht“, teilt Thomas Bollinger mit.

Weiter führen die Veratnwortlichen des Klinikums aus: „Seit dem Sommer haben wir nur drei Geimpfte mit schwerer COVID-19-Pneumonie versorgt. Ein Patient war stark immunsupprimiert, zwei mit AstraZeneca geimpfte Patienten gehören zur Risikogruppe für schwere Verläufe.“ Dabei wird Thomas Bollinger deutlich: „Wer sich nicht impft, gefährdet die Patientenversorgung der Region – insbesondere die Notfallversorgung – und nimmt die Überlastung des medizinischen Personals in Kauf. Impfen ist jetzt eine Bürgerpflicht!“

Härtere Maßnahmen erforderlich: Katastrophale Verhältnisse möglich

Noch vor der Pressekonferenz von Markus Söder hat das Klinikum Bayreuth harte Maßnahmen gefordert. „Natürlich sind jetzt harte Maßnahmen notwendig. Wir steuern sonst auf katastrophale Verhältnisse zu. 2Gplus im öffentlichen Leben, Schließung von Clubs und Discotheken und keine Großveranstaltungen – das gilt auch für volle Sportstadien. Diese potentiellen „superspreading events“ spielen in Pandemien eine große Rolle und sind echte Pandemie-Booster“, erklärt Thomas Bollinger.

Viele dieser Forderungen wurden erfüllt: In Bayern gibt es einen Lockdown für Ungeimpfte und viele Einschränkungen für Geimpfte.

Thomas Bollinger sieht die Verantwortung auch bei jedem Menschen selbst: „Unabhängig davon hat auch jeder ganz persönlich Verantwortung zu tragen, beispielsweise, indem er sich vor privaten Feiern selbst testet. Es müsste nicht alles per Gesetz geregelt werden – nichts ist so hilfreich wie gesunder Menschenverstand.“