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Zuletzt aktualisiert am 30. August 2022 | 14:56

Wasserstoff

„Wird der Süden abgehängt, steht Deutschlands Zukunft auf dem Spiel.“: Bayern und Baden-Württemberg gründen Wasserstoffallianz

von bt-Redaktion

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag gaben die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg die Gründung einer Wasserstoffallianz bekannt und betonten die Bedeutung des ‚grünen‘ Wasserstoffs als Energieträger der Zukunft.

Ministerpräsident Söder zufolge müsste es einen Rettungsschirm für die Stadtwerke geben, um die Energiekrise zu bewältigen. Symbolbild: pixabay
Ministerpräsident Söder zufolge müsste es einen Rettungsschirm für die Stadtwerke geben, um die Energiekrise zu bewältigen. Symbolbild: pixabay

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag gaben die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg die Gründung einer Wasserstoffallianz bekannt und betonten die Bedeutung des ‚grünen‘ Wasserstoffs als Energieträger der Zukunft.

Wie es in einer Mitteilung der Bayerischen Staatsregierung heißt, wollen sich die beiden Bundesländer zukünftig stärker vernetzen und Vorreiter auf nationaler und internationaler Ebene bei der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie sein.

Bayern und Baden-Württemberg gründen eine Wasserstoffallianz

Mit der Gründung einer Wasserstoffallianz wollen sich Baden-Württemberg und Bayern zukünftig stärker vernetzen und Vorreiter auf nationaler und internationaler Ebene bei der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie sein. Die Ministerpräsidenten beider Länder betonten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag, 29. August 2022, die Bedeutung des ‚grünen‘ Wasserstoffs, der klimaneutral aus erneuerbarem Strom erzeugt wird, als Energieträger der Zukunft.

Markus Söder erklärte: „Für die Zukunft der Energieversorgung brauchen wir enge länderübergreifende Partnerschaften. Die Versorgung des Südens mit Wasserstoff, aber auch mit Gas, ist für ganz Deutschland von entscheidender Bedeutung. Wir werden nicht zulassen, dass der Süden benachteiligt wird – sei es bei Wasserstoff, Gasanbindung oder Pipelines. Wird der Süden abgehängt, steht Deutschlands Zukunft auf dem Spiel. Wir haben daher die Wasserstoffallianz ins Leben gerufen. Dafür ist unsere ‚Südschiene‘ Bayern/Baden-Württemberg wie gemacht. Deutschlands wichtigste Industrieregionen dürfen nicht abgehängt werden beim Zukunftsthema Wasserstoff.“ Lesen Sie auch: Corona-Regeln ab Oktober

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte: „Eine der vielen Erkenntnisse, die wir aus dem brutalen russischen Angriffskrieg mitnehmen können, lautet: Wir sehen, wie aufwändig, schwierig und teilweise unmöglich es ist, im Bereich der Energie kurzfristige Kurskorrekturen vorzunehmen. Deswegen müssen wir heute bei der Leitungsinfrastruktur bereits die entscheidenden Weichen für den Markthochlauf von Wasserstoff stellen. Die Zeit drängt, damit wir nach der Gasmangellage nicht künftig in einen Wasserstoffmangel kommen. Und dabei ist eine Forderung zentral: Der Wasserstoff muss da ankommen, wo er in Deutschland besonders gebraucht wird: In den industriellen Zentren, zu denen Bayern und Baden-Württemberg gehören. Deshalb bündeln Baden-Württemberg und Bayern ihre Kräfte, um sich als Technologiestandorte für Wasserstoff und Brennstoffzellen weiter zu stärken. Unsere renommierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie die hohe technologische Kompetenz und Innovationskraft unserer Unternehmen bieten dafür exzellente Chancen.“

Industriekooperationen der Länder sind denkbar

Mit der nun beschlossenen Wasserstoffallianz wollen Bayern und Baden-Württemberg u.a. gemeinsame Projekte im Bereich Produkt- und Fertigungstechnologien für Elektrolyseur-Komponenten voranbringen. Außerdem streben die Länder eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2B) und der Wasserstoffplattform H2BW in Baden-Württemberg sowie eine Verstetigung des am 27. Juni in Ulm begonnenen Länderdialogs Wasserstoff an. Auch der weitere Auf- und Ausbau gemeinsamer Industriekooperationen und eine vertiefte Zusammenarbeit in der Planung eines überregionalen Wasserstofftankstellennetzes werden geprüft.

Aufbau eines nationalen und europäischen Wassersstoffnetzes

Beide Ministerpräsidenten fordern den schnellen Aufbau eines nationalen und europäischen Wassersstoffnetzes sowie einen raschen und prioritären Anschluss von Industriestandorten wie Baden-Württemberg und Bayern bis spätestens 2030. Dabei dürfe man sich aber nicht nur auf einen direkten Anschluss aus dem Norden verlassen, sondern es sollten dringend auch neue und vor allem direkte Leitungskapazitäten aus dem Süden (z.B. Italien) nach Baden-Württemberg und Bayern in die Netzplanung aufgenommen werden. Außerdem sei es notwendig, die Bezugsquellen und Transportwege zu diversifizieren, um eine hohe Resilienz der Wirtschaft und der Energieversorgung zu erreichen. Das sei nicht zuletzt eine der zentralen Lehren aus Corona-Krise und Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.

Wasserstoffwirtschaft: Der Freistaat unterstütz mit rund 500 Millionen Euro

Für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft müssten Unternehmen zügig auf grünen Wasserstoff umstellen können, betonte Kretschmann. Daher habe Baden-Württemberg bereits im Dezember 2020 eine Roadmap Wasserstoff auf den Weg gebracht. In zentralen Leuchtturmprojekten werde die wirtschaftliche Umsetzung einer Wasserstoffwirtschaft in der Realität bereits erprobt, etwa in der Modellregion Hy-FIVE im Südosten des Landes, oder auch im Projekt H2 GeNeSiS im Großraum Stuttgart, wo eine zentrale Wasserstoff-Pipeline entlang des Neckars viele Möglichkeiten für die Anwendung von Wasserstoff für Quartiere, industrienahe Unternehmen und die Mobilität biete. Auch in der Forschung und in der Technologieentwicklung nehme Baden-Württemberg eine führende Rolle ein. Insgesamt stünden dafür Fördermittel von bis zu 500 Millionen Euro in den nächsten Jahren bereit.

Auch Bayern hat die Herausforderungen früh erkannt und bereits im Mai 2020 noch vor dem Bund eine eigene Wasserstoffstrategie beschlossen und mit dem Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B) und dem dort angesiedelten Wasserstoffbündnis einen Nukleus für die bayerische Wasserstoffwirtschaft geschaffen. Insgesamt unterstützt der Freistaat den nötigen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in den kommenden Jahren mit rund 500 Millionen Euro. Im Forschungsbereich werden diese Anstrengungen ergänzt durch die sogenannte „Wasserstoffbrücke“, einer Allianz der TU München, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, dem Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien und weiteren Institutionen. Außerdem hat der Freistaat im April 2022 eine eigene Wasserstoff-Roadmap vorgelegt, insbesondere um den zukünftigen Bedarf an Wasserstoff abschätzen zu können.

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