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Partnerschaft

Die Beziehung beenden – dieses Seminar hilft bei der Trennung vom Partner

Kann man eine Beziehung für beide Partner gut beenden? Ja, sagt Torsten Geiling. Er hat ein Trennungsseminar für Menschen entwickelt, die in ihrer Beziehung unglücklich sind.

Was tun, wenn die Beziehung in eine Sackgasse gerät und Besserung nicht in Sicht ist? Zusammenbleiben? Oder lieber trennen? „Trennen“ sagt ein Seminar – und gibt professionelle Hilfe. Nach einem ausgeuferten Beziehungsstreit in Oberfranken haben sich beide Partner gegenseitig bei der Polizei angezeigt.

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„TrennDICH – Hab den Mut und geh“ – so hilft das Seminar beim Beenden der Beziehung

Im besten Fall hält eine Liebe ein Leben lang. Die Realität sieht oft jedoch anders aus. Jede dritte Ehe wird in Deutschland mittlerweile geschieden. Tendenz steigend. Corona, Lockdowns und Homeoffice könnten diesen Trend noch beschleunigen.

Die Beziehung hat keinen Sinn mehr – und nun? Zu dieser und vielen weiteren Fragen hat sich Torsten Gerling Gedanken gemacht. Er ist Coach und Inhaber der Agentur ja|ge|ba aus Mistelgau. „Wichtig ist, dass man den Leuten vermittelt, dass sie glücklich sein dürfen. Und wenn es dazu gehört, dass man sich vom Partner trennen muss, dann ist das auch völlig in Ordnung“, sagt der Experte.

Seminar und Einzelcoachings: Wer leidet, hat ein Recht, die Beziehung zu beenden

Geiling hat das Seminar „TrennDICH – Hab den Mut und geh“ gemeinsam mit Lisa Jahns und Kerstin Debudey entwickelt. Ihr Ansatz unterscheidet sich von anderen Beziehungstrainings grundsätzlich. Beziehungsratgeber empfehlen oft zu kämpfen, mit dem Ziel, die Partnerschaft um jeden Preis zu erhalten. Gerade das will Geilings Konzept nicht.

Viele der Klienten hätte lange Zeit gelitten und um die Partnerschaft gekämpft, so Geiling. Das Seminar soll eine Hilfestellung für all jene sein, die sich trennen möchten und die mit Zweifeln, Gewissensbissen und Vorwürfen zurechtkommen müssen. „Was zählt, ist Ehrlichkeit. Möglichst von demjenigen, der die Trennung vorantreibt, im besten Fall auch von der Person, die verlassen wird“, unterstreicht er.

Nicht nur Frauen werden Opfer von Gewalt in Beziehungen, sondern auch Männer. Für sie gibt es in Bayreuth eine Anlaufstelle bei Gewalt in der Beziehung.

Das ist der richtige Zeitpunkt für eine Trennung

Geiling betont, dass sich am Ende von Beziehungen nicht nur der verlassene Partner schlecht fühlen dürfe. Dieses Recht stehe auch dem Partner zu, der die Beziehung beende. „In Filmen, Romanen und Liedern geht es fast immer um die Verlassenen. Ihnen schlagen Sympathie und Mitgefühl entgegen. Freunde und Familienangehörige nehmen Anteil an ihrem Leid. Und daran ist auch nichts verkehrt. Eine Trennung ist oftmals ein traumatisches Erlebnis – allerdings nicht nur für den, der übrig bleibt“, sagt Geiling. Diejenige Person, die die Beziehung beenden möchte, müsse sich keinesfalls schuldig fühlen. An diesem Punkt setzt „TrennDICH – Hab den Mut und geh“ an.

Hoffnung nennt Geiling als überlebenswichtig für eine Beziehung. Das Ende einer Beziehung ist dann sinnvoll, „wenn wir aufhören zu hoffen“. Er schildert, dass sich viele Klienten erschöpft fühlten und permanent unglücklich seien „Darüber können auch das größte Haus, das schönste Auto und der interessanteste Beruf nicht hinwegtäuschen. Die Klienten können den Moment oft beschreiben, in dem ihnen klar wurde, dass es vorbei ist. Und trotzdem dauert es bei vielen noch Wochen und Monate, bis sie in der Lage sind, zu gehen.“

So läuft das Trennungsseminar ab

Geiling, Jahns und Debudey haben „TrennDICH – Hab den Mut und geh“ in zwei Teile geteilt.

Im ersten Teil geht es um die Grundlagen einer Trennung. Wo stehe ich und was will ich wirklich? Wie sage ich es dem Partner und den Kindern? Was muss ich bei einer Scheidung wissen? Fragen wie diese werden an drei Abenden in jeweils zwei Stunden besprochen. Während der Corona-Pandemie findet dieser Teil online statt.

Im zweiten Teil stehen persönliche Einzelgespräche im Fokus. Diese finden meist wöchentlich als Video-Call statt. Hier gibt Geiling Tipps für ein konstruktives Trennungsgespräch. „Wenn man weiß, was man zu einer fairen Trennung beitragen kann, dann vermindert das die Schuldgefühle“, sagt Geiling über die Absicht der Einzelgespräche.

Jürgen Lenkeit

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Jürgen Lenkeit