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Markgrafen Bayreuth

Der Bayreuther Markgraf Georg Wilhelm – Seeschlachten in St. Georgen

In der Bayreuther Markgrafenzeit entstanden viele Prunkbauten, die das Bayreuther Stadtbild prägen. Stephan Müller blickt auf die sieben Markgrafen, die in dieser Zeit in Bayreuth residierten. 

Teil 3 der Bayreuther Markgrafen-Serie beschäftigt sich mit Markgraf Georg Wilhelm, der ganz im Zeichen seiner Kunstgenüsse und im Repräsentationsbedürfnis des fürstlichen Absolutismus lebte.

Markgrafenzeit in Bayreuth

Nicht weniger als 109 Jahre lag die Regierung der Markgrafschaft Bayreuth in den Händen der beiden ersten Markgrafen Christian und Christian Ernst. Erbprinz Georg Wilhelm (1712 bis 1726) war dabei zunächst in einer Situation, die sich heute durchaus mit der englischen Königin Elisabeth II. und Sohnemann Charles vergleichen lässt. Er durfte zwar nicht regieren, aber sich zumindest den Künsten und der Repräsentation ganz im Sinne des fürstlichen Absolutismus widmen.

Markgraf Georg Wilhelm mit eigener See-Kriegsflotte

Georg Wilhelm hatte einen Hang zu theatralischen Auftritten vor ausgewählten Publikum. Er war aufgeschlossen gegenüber den Strömungen der Zeit und auch ihrer Moden. Die Stadt Bayreuth war ihm hierfür wohl zu eng. So ließ der Erbprinz ab 1701 in der Nähe von Bayreuth am Ufer des Brandenburger Sees die planmäßig angelegte Stadt Sankt Georgen mit dem Schloss und der Sophienkirche – einer der bedeutendsten evangelischen Sakralbauten des Spätbarocks in Oberfranken – errichten. Noch heute finden wir die geometrisch streng geplante und kunstvoll angelegte Vorstadt mit Ordens- und Stiftskirche, Friedhof, markgräflichem Schloss und 24 gleichartigen Häusern mit Walmdächern am Marktplatz fast unverändert.

Auf dem See unterhielt der Markgraf eigens eine kleine „Kriegsflotte“, die im Sommer zur Ergötzung des Bayreuther Hofes Seegefechte veranstaltete. An die Seeschlachten der markgräflichen Kriegsflottille erinnern nur noch die engen Häuschen in der Matrosengasse in St. Georgen und einige Schiffsmodelle im Stadtmuseum.

Georg Wilhelm – verantwortlich für viele Schlösser in Bayreuth

Für seine übersteigerte Hinwendung zu Maskeraden, Umzügen und Feierlichkeiten ließ er das „Redoutenhaus“ für barocke Theaterveranstaltungen erbauen. Daneben entstanden die Nebenresidenz in Erlangen (1715 bis 1721), das Alte Schloss in der Bayreuther Eremitage (nach Plänen des Hofbaumeisters David Räntz von etwa 1715 bis 1722), das weitläufig umzäunte Jagdschloss Thiergarten (1716 bis 1721), der Sommersitz Himmelkron mit Prinzenbau (bis 1719) und Jagdschlösschen Falkenhaube (bis 1722), das Landgut Neustädtlein am Forst und das Ordensschloss St. Georgen (bis 1727) sind im Auftrag von Georg Wilhelm entstanden.

So ist Georg Wilhelm durch das Eremitenspiel mit Stab und Kutte, durch die Seeschlachten und Feuerwerke, die phantastischen Kostümierungen und in der geradezu unterwürfigen Anbetung seiner notorisch untreuen Ehefrau der Nachwelt als Exzentriker in Erinnerung geblieben.

Fürsorglicher Landesherr

Dabei war er auch ein fürsorglicher Landesherr. Zu seinen Verdiensten gehören die Förderung von Handwerk und Manufakturen oder die Verbesserung des Stadtbildes durch die Anlage von Privatgärten und Alleen vor der Stadtmauer. Nach seinem Regierungsantritt im Jahre 1712 gelang es ihm, die Position Bayreuths als führende protestantische Macht innerhalb des Fränkischen Kreises, dem bis zum Ende des Spanischen Erbfolgekrieges insgesamt 27 Fürsten und Stände angehörten, weiter auszubauen. Für den Fränkischen Kreis waren somit nur die Hochstifte Würzburg und Bamberg, die Markgrafschaften Bayreuth und Ansbach und die Reichsstadt Nürnberg von größerer Relevanz.

Besonders enge familiäre Bindungen pflegten die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth im 17. und 18. Jahrhundert mit dem benachbarten Kurfürstentum Sachsen. Georg Wilhelms Vater Christian Ernst war mit einer geborenen Kurprinzessin von Sachsen, Erdmuthe Sophie, verheiratet gewesen und Georg Wilhelm heiratete am 16. Oktober 1699 in Leipzig die nur wenig begüterte Prinzessin Sophie von Sachsen-Weißenfels. Er setzte sich damit über die ehrgeizigen Heiratspläne seines Vaters hinweg, der sich bereits in Berlin und Polen mögliche Schwiegertöchter ausgesucht hat. Für die bekannteste Verbindung zwischen Bayreuth und Dresden sorgte jedoch die Vermählung der älteren Schwester Georg Wilhelms, Christiane Eberhardine, mit Friedrich August von Sachsen (August dem Starken) in der Bayreuther Stadtkirche (1693). An diese Hochzeit erinnert noch heute der kleine Zwerg auf dem Markgrafenbrunnen, den August der Starke von seinem Schwiegervater, dem Markgraf Christian Ernst, zur Vermählung geschenkt bekam.

Aufgewachsen in Bayreuth

Christian Ernst und sein Sohn Georg Wilhelm waren die beiden einzigen Bayreuther Markgrafen, die auch in Bayreuth aufgewachsen sind. Nachdem Georg Wilhelm keinen Sohn hatte, wurde die Markgrafschaft Bayreuth nun von der Weferlinger Linie regiert. Markgraf Georg Friedrich Karl (1726 bis 1735) verzichtete auf Prunk und Theater.

Etwa fünf Jahrzehnte nach Georg Wilhelms Tod ließ Markgraf Alexander den Brandenburger See – der etwa die Größe des Weißenstädter Sees hatte – trockenlegen. Vergangen sind die rauschenden Feste im Freilichttheater am See – vergangen die Chance eines herrlichen Badesees vor den Toren von Bayreuth…

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Markgraf Friedrich Christian von Bayreuth. Repro: Stephan MüllerMarkgraf Friedrich Christian von Bayreuth. Repro: Stephan Müller
Markgraf Georg Friedrich Karl. Repro: Stephan MüllerMarkgraf Georg Friedrich Karl. Repro: Stephan Müller
Markgraf Christian Ernst von Bayreuth. Repro: Stephan MüllerMarkgraf Christian Ernst von Bayreuth. Repro: Stephan Müller
Markgraf Christian von Bayreuth. Repro: Stephan MüllerMarkgraf Christian von Bayreuth. Repro: Stephan Müller