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Markgrafen Bayreuth

Markgraf Friedrich Christian – der letzte regierende Markgraf von Bayreuth

In der Bayreuther Markgrafenzeit entstanden viele Prunkbauten, die das Bayreuther Stadtbild prägen. Stephan Müller blickt auf die sieben Markgrafen, die in dieser Zeit in Bayreuth residierten. 

Markgraf Friedrich Christian von Bayreuth. Repro: Stephan Müller
Markgraf Friedrich Christian von Bayreuth. Repro: Stephan Müller

Teil 6 der Bayreuther Markgrafen Serie beschäftigt sich mit Friedrich Christian und Alexander.

Die Kehrseite der kostspieligen Pracht hatten die Nachfolger von Friedrich und Wilhelmine zu tragen. Friedrichs Onkel und Nachfolger Friedrich Christian (1763 bis 1769) musste einen Schuldenberg von 2,4 Millionen Reichstaler übernehmen. Kunst und Kultur spielten bei dem kauzigen Onkel von Friedrich keine Rolle mehr.

Friedrich Christian war der letzte Markgraf, der in Bayreuth regiert hat. Endgültig aufgelöst wurde die Bayreuther Residenz durch Markgraf Karl Alexander (1769 bis 1792), der nach dem Aussterben der Bayreuther Zollern-Linie auch den oberfränkischen Landesteil von Ansbach aus regierte.

Der letzte regierende Markgraf von Bayreuth

Markgraf Friedrich Christian (1763 – 1769) war der letzte regierende Markgraf von Bayreuth. Er hatte als Nachfolger von Friedrich und Wilhelmine die Kehrseite der kostspieligen Pracht von Bayreuth zu tragen. Sein Neffe hinterließ ihm einen Schuldenberg von 2,4 Millionen Reichstaler. Kunst und Kultur spielten bei dem kauzigen Onkel Friedrichs keine Rolle mehr. Die Bayreuther Künstler, Kunsthandwerker und Architekten traten fast geschlossen in die Dienste des Preußenkönigs Friedrich des Großen und schufen in Potsdam erneut prächtige Rokokobauten. Nach Friedrich Christians Tod übernahm der Ansbacher Markgraf Karl Alexander (1736 – 1806) auch die Herrschaft über Brandenburg-Bayreuth. Zur Tilgung der Schulden verkaufte er 1777 Soldaten aus seiner Markgrafschaft nach Amerika.

Im Alten Schloss am Bayreuther Ehrenhof wird es bald eine neue Gaststätte geben. Archivfoto: Stephan Müller
Im Alten Schloss am Bayreuther Ehrenhof wird es bald eine neue Gaststätte geben. Archivfoto: Stephan Müller

Der Handel mit Soldaten hat in der Weltgeschichte Tradition: Der Landgraf von Hessen bekam schon 1676 Soldaten vom dänischen König. Als Wilhelm von Oranien 1688 in England landete, hatte er eine brandenburgische Truppe bei sich. Im spanischem Erbfolgekrieg kämpften „gemietete“ Soldaten auf beiden Seiten. Zum englischen Heer, das zu Beginn des Siebenjährigen Krieges in Westfalen stand, gehörte, von Offizieren abgesehen, kein einziger gebürtiger Engländer!

Durch Geldnot werden Soldaten verkauft

Als sich 1775 die Amerikaner gegen die englische Kolonialmacht erhoben, suchte London wieder nach fremden Truppen. Nachdem Holland und Russland die gewünschten „Großkontingente“ ablehnte, suchten die Engländer bei den kleinen deutschen Fürsten nach Soldaten. Als 1776 sogar ein markgräflicher Untertan, General Johann Kalb aus Hüttendorf bei Erlangen, als der fränkische Steuben“ an der Seite Washingtons die Sache der Freiheit vertrat, bekundeten bekanntlich mehrere deutsche Fürsten ihre Solidarität mit dem englischen König dadurch, dass sie ihm eigene Truppen für den Kampf in Amerika zur Verfügung stellten. Dies kam vor allem Markgraf Alexander gelegen, der durch die Prachtentfaltung seiner Vorgänger (vor allem Wilhelmine) aber auch durch Misswirtschaft in ständiger Geldnot war.

Insgesamt stellte Alexander den englischen Menschenhändlern 2.300 Bürgersöhne aus seinem Fürstentum für den Kriegsdienst im Solde Englands zur Verfügung. Die Gelder, die er dafür erhielt, steckte er allerdings nicht in seine Privatschatulle.

Es kamen nur die Hälfte der Männer – teilweise erst nach sechs Jahren – zurück. „Der Markgraf“, schrieb ein Unterhändler an seinen Außenminister, „bedankte sich ganz besonders dafür, dass der König so gnädig und herablassend gewesen sei, auf seinen Wunsch einen Teil der Ansbachischen Truppen in seine Dienste zu nehmen. Ich war jeden Morgen auf der Parade und fand ihre Waffen vortrefflich, exerzieren so regelmäßig, dass kaum eine Uhr bessergehen kann, und marschieren und schwenken sehr gut. Ihre Uniformen, blaue Röcke mit roten Aufschlägen und gelber Weste, sind neu und rein.“

Dazu Johann Wilhelm Holle in seiner Geschichte der Stadt Bayreuth: Mit großem Schmerze sahen die Bürger Bayreuths am 28. April 1777 ihre Söhne nach Amerika ziehen, welche die Bestimmung hatten, im englischem Solde die Freiheit der Amerikaner zu bekämpfen. Ohne dieses erreicht zu haben, kehrten sie, nachdem zweitausend derselben jenseits des Oceans ihr Grab oder auch ihre Versorgung gefunden hatten, im November 1783 in ihr Vaterland zurück. Am 21. Mai 1788 wurden wieder 1.500 Mann in holländischen Sold gegeben.

Markgraf Alexander tritt Bayreuth an Preußen ab

Dann kam eine Veränderung, die nach Holle „niemand vermuthet“ hatte. Markgraf Alexander trat nämlich wider allen Erwartens das Fürstenthum Bayreuth mit einem Flächenraume von 72 Meilen, auf welchen wenigstens 200.000 Menschen lebten, am 22. Dezember 1791 von Bordeaux aus an Preußen ab. So war endlich der Plan ausgeführt, welchen schon der erste preußische König Friedrich I. (also Wilhelmines Großvater) 1703 entworfen hatte, und er bis auf diesen Zeitpunkt von seinen Nachfolgern nie aufgegeben wurde.

Markgraf Alexander tritt das Fürstentum Bayreuth an Preußen ab. Repro: Stephan Müller
Markgraf Alexander tritt das Fürstentum Bayreuth an Preußen ab. Repro: Stephan Müller

Am 20. Januar 1792 wurde dem König Friedrich Wilhelm von Preußen von den „Collegien der Eid der Treue geleistet“. Preußen übernahm neben den Einkünften (662.700 Thaler) auch die Schuldenlast, die aber durch Alexanders Sparsamkeit und den Subsidiengeldern von England von 2,4 Millionen Thaler auf 1,4 Millionen Thaler geschmolzen waren.

600 Jahre Hohenzollern in Franken

Damit endete die rund 600-jährige Geschichte der Hohenzollern in Franken, die begonnen hatte, als Friedrich I. von Zollern, der Stammvater aller späteren Hohenzollern, um 1190 das Burggrafenamt auf der Nürnberger Kaiserburg übernahm.

Markgraf Alexander begab sich nach England, um daselbst, fern von den Sorgen der Regierung, auf seinem Landsitz „Brandenburghouse“ in stiller Zurückgezogenheit mit seiner geliebten Lady Craven zu leben.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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