Politik

Bayreuth soll digitaler werden: „Wir stehen vor einer Mammutaufgabe“

Bayreuth soll digitaler werden. Deswegen hat ein externes Unternehmen ein Digitalisierungskonzept erstellt. Den Stadträten ist klar, dass dieses Projekt sehr umfangreich und auch teuer wird. 

Der zweite Bürgermeister von Bayreuth will, dass die Stadt digitaler wird. Deswegen hat Andreas Ueckert vom Unternehmen urban mobility innovations ein Digitalisierungskonzept für die Stadt Bayreuth erstellt. Andreas Zippel koordinierte dieses innerhalb der Verwaltung.

Wie digital ist Bayreuth?

„Ich muss ein etwas düsteres Bild zeichnen“, beginnt Andreas Zippel (SPD). „Es gibt momentan kein Referatsübergreifendes Konzept für die Digitalisierung der Verwaltung.“ In den nächsten Jahren scheiden mehrere Mitarbeiter altersbedingt aus dem Verwaltungsdienst aus. Es gibt ein Bürgerportal, eine App und die Homepage, erklärt die Zippel.

„Digitalisierung ist keine Aufgabe des IT-Amtes. Es bedeutet Prozessmanagement“, sagt der zweite Bürgermeister. Für Zippel ist das kulturelle Fundament wichtiger. Es brauche eine gut eingearbeitete Führungsriege und gut eingearbeitete Mitarbeiter, bevor weitere Schritte eingeleitet werden können.

Fördermittel für Digitalisierung der Stadt Bayreuth

„Es sollte ein Konzept erstellt werden, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter digital unterstützt werden“, schlägt Zippel vor. Der SPD-Stadtrat wisse genau, dass das eine umfangreiche Aufgabe sei. Trotzdem hoffe er, dass Bayreuth dasselbe schafft wie Bamberg: Fördermittel für die Digitalisierung zu bekommen. Um digitaler zu werden, braucht die Stadt Bayreuth auch Hilfe aus der Bevölkerung.

Handlungsfelder des Konzepts

Um Bayreuth digitaler zu machen, stehen 16 Handlungsfelder auf der regionalen digitalen Agenda. Diese bestehen aus IT-Infrastruktur, Verwaltung, Dienste, Sicherheit, Gesundheit, Mobilität, Wohnen, Bildung, Bauen, Arbeiten, Energie, Handel, Umwelt, Kultur, Tourismus und Landwirtschaft.

Digitalisierung wird teuer

„Wir stehen vor einer Mammutaufgabe“, findet Stefan Specht (CSU). „Ich denke uns allen hier ist klar, dass wir diesen Einstieg schaffen müssen. Und das dieser teuer ist.“ 190.000 Euro soll die Stadt daher im kommenden Jahr 2021 in die Digitalisierung investieren.

Diese Summe setzt sich wie folgt zusammen:

  • 100.000 Euro sollen in externe Beratungsleistungen für die Umsetzung des Digitalisierungskonzepts im internen Bereich der Digitalen Verwaltung investiert werden.
  • 50.000 Euro sollen für die notwendigen Softwareanschaffungen bereitgestellt werden.
  • Für die Weiterentwicklung der Leuchtturmprojekte „Internes Flottenmanagement und Elektrifizierung des Fuhrparks inkl. Internes Sharing-Tool“ und „Kompetenzzentrum digitale Bildung“ werden 20.000 Euro benötigt. Zudem soll sich die Verwaltung hierfür um Fördermöglichkeiten bemühen.
  • Die Stadt Bayreuth soll sich am Förderprojekt „Modellprojekt Smart Cities“ des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat beteiligen. Für eine professionelle Unterstützung zur Förderantragsstellung werden 20.000 Euro benötigt.

Die Stadträte haben vier Wochen Zeit

Thomas Bauske (SPD) findet es gut, wenn die Weichen jetzt schon in die richtige Richtung gestellt werden.  Stephan Müller (BG) denkt, dass Bayreuth gar nicht so schlecht da steht wie gesagt wird.

„Damit man nicht verschlimmbessert, braucht man ein gescheites Konzept“, sagt Christopher Süss (JB). Er findet es gut, dass die Fraktionen nun vier Wochen Zeit haben, um sich in Ruhe über die Digitalisierung der Stadt Bayreuth zu unterhalten.

Digitale Legastheniker nicht vergessen

„Corona hat uns in die Digitalisierung katapultiert“, sagt Torsten Lange (BG). „Es muss jetzt nicht mehr heißen ‚Wer ist zuständig?‘, sondern ‚Wer hat ein Problem?'“ Auch digitale Legastheniker müssten mitgenommen werden. „Neben aller Spezialisierung darf nicht das übersetzen und anleiten vergessen werden.“

„In einem Zeitraum von fünf Monaten mit 16 Handlungsfeldern ist es natürlich nicht möglich, Ihnen einen 600-seitigen Schinken vorzulegen, wie es laufen soll“, sagt Zippel. Dafür besteht das Konzept bislang aus 62 Seiten, inklusive Literaturverzeichnis.

Der Stadtrat stimmte schließlich einstimmig dafür, sich innerhalb der nächsten vier Wochen in den Fraktionen zu beraten.

Bayreuther Tagblatt - Katharina Adler

 bt-Redakteurin Online/Multimedia
Katharina Adler