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Coronavirus

„Danke, liebe Regierung!“ – Unternehmer aus dem Landkreis Bayreuth dreht sarkastische Facebook-Videos

Mit zwei sarkastischen Facebook-Videos hat am Montag (12.4.21) ein Einzelhändler aus Bindlach im Landkreis Bayreuth auf seine verzweifelte Lage in der Corona-Krise aufmerksam gemacht.

Neue Corona-Regeln in Bayern: In seiner Verzweiflung über den Lockdown und die seit Montag (12. April 2021) geltenden Einkaufsregeln dreht ein Reisemobilvermieter aus Bindlach zwei sarkastische Facebook-Videos.

Auch interessant: In der Stadt Bayreuth werden die Corona-Regeln am Montag erneut verschärft.

Unternehmer aus Kreis Bayreuth maßlos von Corona-Regeln enttäuscht

Montag, 12. April: Es ist ungefähr 10:30 Uhr, als Dominik Neise zum Smartphone greift. In einem Selfie-Video verschafft er seinem Frust über die neuen Corona-Regeln Luft. Zeit dafür hat er genügend. In seinem Geschäft Der Camper in der St.-Georgen-Straße in Bindlach befindet sich kein Kunde. Dies führt Neise auf die neuen Corona-Regeln beim Einkaufen zurück.

Für diese Regeln hat Neise beißenden Sarkasmus übrig: „Ich möchte mich ganz recht herzlich bei der Bundesregierung bedanken. Wenn das so weitergeht, wird der Einzelhandel sterben“, sagt Neise in seinem Video. Danach lädt er es bei Facebook hoch.

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Den ganzen Tag kein einziger Kunde bei Reisemobilvermieter in Bindlach

In einem zweiten Video gegen 16 Uhr zieht er Bilanz vom Tag. Diese lautet: kein einziger Kunde. Zwei Kunden seien beim Camper gewesen. Reinlassen durfte er keinen von beiden, da sie keine negativen Corona-Tests dabei hatten. Viele Leute zeigten sich solidarisch in Form von Likes oder Kommentaren. Auch in anderen Geschäften in Bayreuth und dem Landkreis berichten Geschäftsführer von stark verunsicherten Kunden.

Kreis Bayreuth: „Pulverfass, auf dem wir sitzen“

Das bt sprach mit Neise und dessen Geschäftspartner Udo Bergmann. Im Mai gehe die Saison los und dauere bis September, erläuterten die Unternehmer. Normalerweise liefen im April bei den Besitzern von Campern längst die Vorbereitungen mit Reparaturen und Zubehör. Nicht so in diesem Jahr, berichteten die Geschäftspartner.

Je weiter im Jahr der Einkauf nach hinten verschoben werde, desto kritischer sehen es die beiden: „Ein bisschen halten wir noch durch. Dann ist Schluss. Das ist ein Pulverfass, auf dem wir sitzen“, klagte Bergmann. Modegeschäfte in Bayreuth Stadt und Land haben ähnliche Erfahrungen gemacht und wehren sich gegen den Vorwurf, Infektionstreiber zu sein.

Bergmann bemängelte zudem die schlechte Kommunikation seitens der Behörden: „Wir wissen am Samstag nicht, unter welchen Bedingungen wir Montag aufmachen dürfen. Von der Gemeinde Bindlach oder dem Landratsamt spricht kein Mensch mit uns. Ein Verzeichnis der Gewerbetreibenden liegt doch vor, da müssen die aktuellen Informationen besser fließen.“

So stark bricht der Umsatz ein

An einem normalen Tag hat das Unternehmen immer einen Umsatz im vierstelligen Bereich, so Neise. Aktuell liege der bei rund 50 Euro am Tag. Auf die Frage des bt, woher der komme, antwortet Neise mit ironischem Lächeln: „Von den vier Kunden, die sich ab Dienstag diese Woche noch zu uns verirrt haben.“

Jürgen Lenkeit

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Jürgen Lenkeit