Corona

Söder mit falschen Aussagen zum Coronavirus: „Pandemie der Ungeimpften“ oder ahnungslose Experten

Ministerpräsident Markus Söder hat Virologen vorgeworfen, die vierte Welle nicht rechtzeitig erkannt zu haben: Das ist nachweislich falsch.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) tritt wieder täglich vor die Presse, um vor der Corona-Pandemie zu warnen. Allerdings stimmen seine Argumente und Vorwürfe nicht immer.

Experten hätten nach seinen Angaben die vierte Welle nicht richtig vorhergesagt oder es sei eine „Pandemie der Ungeimpften“.

Coronavirus: Söders Aussagen sind teilweise falsch

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat führenden Experten und Wissenschaftlern in der Corona-Pandemie vorgeworfen, die Entwicklung der vierten Welle nicht richtig vorhergesagt zu haben. Blickt man jedoch mehrere Wochen zurück, wird deutlich: Dieser Vorwurf ist schlichtweg falsch.

Mittlerweile hat die Politik in Bayern gehandelt: Seit Dienstag (16. November 2021) gilt eine strenge 2G-Regel.

„Es ist ja sehr beeindruckend, dass nahezu alle Virologen, Epidemiologen und Wissenschaftler auch die Wirkung dieser neuen Welle in ihrer Wucht und Geschwindigkeit nicht richtig eingeschätzt haben.“, sagte Söder nach Angaben von Focus Online.

Das Robert-Koch-Institut warnte bereits Ende Juli mit seinem Bericht: „Die vierte Welle hat begonnen.“ Sollte die Impfquote im Herbst bei etwa 65 Prozent liegen, modellierte das RKI einen dramatischen Anstieg der Infektionszahlen. Aktuell liegt die Impfquote in Deutschland bei 67,5 Prozent. Laut der Berechnungen der Forscher wäre das Erreichen einer 300-er Inzidenz, die Deutschland an diesem Montag (15. November 2021) überschritten hat, sogar schon Anfang November möglich gewesen.

Politik hat versagt: Experten warnen seit Monaten

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat nachgeforscht: „Die Behörde hatte in einem zehnseitigen Leitfaden dazu geraten, die sommerliche Corona-Pause zu nutzen, um Vorkehrungen für die kommenden Wochen und Monate zu treffen. Das Ziel: die Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle begrenzen, die Belastung des Gesundheitswesens klein halten und mit so wenigen Maßnahmen wie möglich durch den Winter kommen.“

Im Gegensatz zu den Warnungen und Vorschlägen des RKI, Virologen und Experten hatten Politiker die Corona-Regeln immer weiter gelockert. Erst Anfang Oktober wurde sogar die Maskenpflicht an Schulen in Bayern aufgehoben – die nur wenige Wochen später wieder eingeführt wurde.

Keine „Pandemie der Ungeimpften“

Virologe Christian Drosten sagte im Sommer voraus: Eine neue Welle werde ab Mitte Oktober starten. Im vergangenen Jahr hätte der exponentielle Anstieg der Infektionen Mitte Oktober begonnen. Außerdem kritisierte er den Begriff vieler Politiker „Pandemie der Ungeimpften“. „Wir haben eine Pandemie, zu der alle beitragen – auch die Geimpften, wenn auch etwas weniger“, erklärte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité. „Die Delta-Variante hat leider die Eigenschaft, sich trotz der Impfung zu verbreiten“, sagte Drosten in einem Interview der Zeit.

Virologen-Kollege Alexander Kekulé warnte Anfang September vor einer dramatischen Lage: „Wir haben nicht nur die berühmte Welle der Ungeimpften, sondern auch eine nicht erkannte, unsichtbare Welle der Geimpften“, berichtet Focus Online.

In einem sind sich viele Wissenschaftler, Intensivmediziner und das Robert Koch-Institut einig: Die Corona-Impfung schützt effektiv vor schweren Verläufen oder Tod. „Viele schwere Erkrankungen und Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn die Zielgruppen früher und vollständiger geimpft worden wären“, sagt etwa der Braunschweiger Epidemiologe Gérard Krause.