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„Mein Beruf ist mein Hobby“: Bäckermeister Reinhard Müller (69) aus Oberfranken denkt nicht ans Aufhören

Bäcker aus Leidenschaft: Sein ganzes Arbeitsleben lang steht Reinhard Müller (69) aus Kasendorf im Landkreis Kulmbach in aller Herrgottsfrühe auf.

„Mein Beruf ist mein Hobby“: Der Kasendorfer Bäckermeister Reinhard Müller fertigt bis heute alle Backwaren händisch mit Zutaten aus der Region. Ans Aufhören denkt der 69-Jährige noch lange nicht, dafür macht ihm der Beruf zu viel Spaß. Zuletzt in der Serie Berufe: Bayreuther Polizisten im Einsatz: Ein Traumjob mit Schattenseiten

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Bäcker aus Leidenschaft: Reinhard Müller aus Kasendorf in Oberfranken

Kokosmakronen, Walnussplätzchen oder Nougattaler – allesamt werden in der Kasendorfer Bäckerei Reinhard Müller von Hand gefertigt. „Wir machen alles selbst“, sagt er. Sogar die Füllung für die Apfeltaschen oder der Pudding für die Puddingschnecken werde selbst gekocht.

Selbstgemacht ist günstiger und schmeckt besser

Man möchte meinen, dass es in dem Traditionsbetrieb schon immer so war – die Bäckerei gibt es seit 65 Jahren – dabei hat sich auch Müller wie die meisten anderen Bäcker Ende der 1960er Jahre an den Fertigmischungen ausprobiert. Die kamen damals neu auf den Markt. Gefallen hat es ihm nicht.

„Warum soll ich teure Backmischungen kaufen, in denen Sachen drin sind, die ich gar nicht brauche“ (Reinhard Müller, Bäckermeister)

Damals sei er wieder davon abgekommen, weil es günstiger war, die Teigmischungen selbst anzurühren. Als Motto-Brote in Mode kamen, entwickelte er kurzerhand seine eigenen Rezepturen, etwa das „Feierabend-Brot“ mit Schrot und Dinkelmehl oder das Marktbrot, ein Roggenmischbrot mit frisch angesetztem Natursauerteig.

Gutes essen und dabei Gutes tun

Gemeinsam mit anderen Bäckereien der Kulmbacher Innung nimmt er mit dem „Frauenhaus-Brot“ an der Aktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ teil, bei der 50 Cent pro Verkauf an das Bayreuther Frauenhaus gespendet werden. Wann es welches Brot gibt, ist auf der Website der Bäckerei zu lesen. Die Seite aktualisiert der 69-jährige Bäcker jeden Tag persönlich.

„Ab Mittag habe ich frei“: Traumberuf Bäcker

Als seine Eltern von Küps nach Kasendorf zogen, war Reinhard Müller gerade erst vier Jahre alt. Der Vater, ein Bäckermeister, eröffnete in der Marktgemeinde eine Bäckerei, der Sohn ging ab 1965 bei ihm in die Lehre. Der Beruf war Reinhard Müller in die Wiege gelegt. Mit keiner Minute hat er es bereut, als Bäckermeister das Geschäft des Vaters weiterzuführen, im Gegenteil: „Mein Beruf ist mein Hobby“, sagt der Bäckermeister. Der Beruf mache ihm so viel Spaß, dass er gar nicht daran denke aufzuhören.

Dass er sein Leben lang mitten in der Nacht aufstehen musste, damit die Leute früh morgens frische Brötchen bekamen, hat ihn nie gestört. „Ab Mittag habe ich frei. Wer kann sich das schon erlauben“, so Müller. Im Sommer sei er dann immer ins Schwimmbad gegangen, während alle anderen noch arbeiten mussten.

„Was soll ich denn sonst essen“: Das Bäckerhandwerk hat goldenen Boden

Er könne sich nicht erklären, warum das Handwerk im Moment so wenig Nachwuchs findet, denn es werde ständig interessanter. Gesunde Lebensmittel seien wichtiger denn je. Ein Lebensmittelskandal jage den anderen. Er selbst habe sein Leben lang auf industriell gefertigte Fertigwaren verzichtet und fühle sich heute mit knapp 70 Jahren noch immer gesund und fit. Er ist sich sicher, dass auch seine Backwaren dafür verantwortlich sind, da er sie gänzlich ohne Lebensmittel-Zusatzstoffe anfertigt. Schon allein die Ernährung sei ein Grund beruflich aktiv zu bleiben, scherzt der Bäckermeister. „Was soll ich denn sonst essen?“

Mehl aus der Stadtsteinacher Partheimühle

„Wo es möglich ist, beziehe ich meine Zutaten aus der Region“, betont Müller. Er erinnert sich an seine Kindheit, als sein Vater bei der Kasendorfer Friesenmühle, heute nur noch Sägewerk, das Mehl geholt hatte. Auch heute kauft der Bäcker sein Mehl nicht aus dem Großhandel, sondern von der Partheimühle in Stadtsteinach, eine der letzten historischen Mühlen, die noch in Betrieb sind. Was die Wenigsten wissen ist, dass Müller das Mehl auch lose verkauft.

Wer also rings um Kasendorf die Rarität kosten will, braucht nicht erst den langen Weg nach Stadtsteinach antreten. Sogar die Wurstwaren für die Pizzastücke oder die Schinken-Käse-Hörnchen stammen von einem Metzger aus der Umgebung. Nicht alle Zutaten lassen sich in der Region organisieren. In der Weihnachtszeit findet man auch Christstollen in der Auslage der Bäckerei Müller. Das sind besonders reichhaltige Stollen mit viel Butter, Orangen, Citronat, Mandeln und Rosinen. Bereits ab Silvester gibt es Faschingskrapfen, traditionell fränkisch, gefüllt mit „Hiffenmark“, dem eingekochten Mark der roten Hagebutten. Das bezieht Müller aus Haßfurt vom Familienunternehmen „Maintal Konfitüren“.

Dorfbäckereien als „aussterbende Spezies“

Wenn in der Kasendorfer Bäckerei nach Geschäftsschluss Backwaren übrig bleiben, dann spendet Müller diese dem gemeinnützigen Verein Hollfelder Helfer, der die gesammelten Lebensmittel an bedürftige Menschen weiterreicht. Wie es mit der Bäckerei weitergehen wird, wenn Müller doch einmal aufhört, ist ungewiss. Einen Nachfolger gibt es derzeit nicht. Der Bäckermeister erinnert sich:

„Früher gab es in jeder Ortschaft mehrere Bäckereien, jetzt sind wir eine aussterbende Spezies.“ (Reinhard Müller, Bäckermeister)

Die Bäckerei ist zugleich auch ein Dorfladen, neben Backwaren kann man auch Nudeln, Marmelade oder Joghurt kaufen. Müller wünscht sich mehr Unterstützung durch die örtliche Bevölkerung: „Wenn die Leute nur alle ein bis zwei Wochen herein kämen und ein bisschen was kaufen würden, wäre uns schon sehr geholfen.“

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Bayreuther Tagblatt - Redaktion

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