Bildung

„Auffälligkeiten und Entwicklungsstörungen“ bei Kindern: Bayreuther Schule bittet um Hilfe – Stadt sieht aber keinen Bedarf

Die Markgrafenschule in Bayreuth beantragte bei der Stadtverwaltung Hilfe für beeinträchtigte Schüler. Die Stadt wollte die kalte Schulter zeigen – der Jugendausschuss jedoch nicht.

Die Markgrafenschule in Bayreuth sieht dringenden Bedarf der Förderung für ihre benachteiligten Kinder. Im Juli 2021 hat sie eine Stelle der Jugendsozialarbeit beantragt.

Die Stadtverwaltung sah diesen Bedarf nicht und wollte der Markgrafenschule die kalte Schulter zeigen. Sie hat jedoch die Rechnung ohne den Jugendausschuss gemacht.

Hilfe für benachteiligte Schüler der Markgrafenschule in Bayreuth

Die Markgrafenschule in Bayreuth hat im Juli 2021 die Einrichtung einer Stelle für Jugendsozialarbeit beantragt. Dies begründete die Schule wie folgt: Schüler ihrer Schule wiesen „häufig massive und umfängliche Beeinträchtigungen in der sprachlichen Entwicklung auf.“ Zudem wachse der Förderbedarf auch im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung. Seit heute gilt wieder die Maskenpflicht für bayerische Schüler.

Die Stadtverwaltung sah hier keinen Bedarf zur Förderung. Die von der Schule beschriebenen Probleme lägen eher im familiären Bereich. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) der Stadt sei hierfür Ansprechpartner. Außerdem: Nur ein Drittel der Schüler der Markgrafenschule kämen aus Bayreuth. Die Verwaltung empfahl daher dem Jugendausschuss, den Antrag abzulehnen.

Schüler haben neigen zu Auffälligkeiten und haben Entwicklungsstörungen

Und diese Empfehlung kam bei den Ausschussmitgliedern nicht wirklich gut an. „Das bedrückt mich schon“, bekannte Ingrid Heinritzi-Martin (CSU). Die Markgrafenschule mit ihrem oderpädagogischen Schwerpunkt Sprache habe hier definitiv Bedarf an zusätzlicher Unterstützung. Schüler der Markgrafenschule tendierten demnach vermehrt zu Auffälligkeiten und Entwicklungsstörungen.

SPD und Grüne gingen in ihren Wortbeiträgen mit. An die Markgrafenschule sei zwar eine Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) angeschlossen, doch „deren Personal arbeitet nicht während der gängigen Schulzeiten der Schüler, sondern nachmittags“, wie Louisa Hübner anmerkte. Auch wegen der HPT zeigte sich die Verwaltung dem Antrag gegenüber kritisch.

Bayreuther Jugendausschuss stellt sich geschlossen gegen Vorschlag der Verwaltung

Die Stelle der Jugendsozialarbeitstelle kann sogar gefördert werden. Der Bund stellt den  Ländern Mittel zur Verfügung, mit denen Lernrückstände im Zuge der Corona-Pandemie aufgeholt werden können. Abrufbar ist die Förderung seit September 2021 bis zum Ende des Schuljahres 2022/23. Ob die Stadt denn Angst habe, auf Kosten für diese Stelle sitzenzubleiben, wenn das Förderprogramm auslaufe, fragte Dr. Silke Launert rhetorisch. „Jede Schule sollte eine Stelle für die Jugendsozialarbeit haben. Wir sollten das Programm ausnutzen“, stellte auch sie sich wenig überraschend gegen den Vorschlag der Verwaltung. Anfang des Jahres forderte der Bezirk Oberfranken Schüler der Markgrafenschule im Homeschooling dazu auf, ihre Monatswertkarte für den Bus zurückzuschicken.

Der komplette Ausschuss plädierte für die Stelle an der Markgrafenschule – und stellte sich damit gegen die Stadtverwaltung. Am Ende stand ein Kompromiss: Die Verwaltung prüfe eine Vollzeitstelle, die bis Juli 2023 befristet sei – so lange, wie das Förderprogramm läuft. Ein entsprechendes Gutachten soll zeitnah dem Stadtrat vorgelegt werden, der hat dann das letzte Wort.