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Schließung

Traditionsbäckerei in Bayreuth schließt nach 85 Jahren: „Man will nicht nur für die Arbeit leben“

Die Bayreuther Traditionsbäckerei Nitschke schließt zum Jahreswechsel nach 85 Jahren ihre Türen. Aufgrund von Personalmangel sei das Arbeitspensum zu hoch, um das Geschäft weiterzuführen.

  • Bäckerei in Bayreuth schließt
  • Das Geschäft bestand seit 85 Jahren
  • Personalmangel ist der Grund

85 Jahre Bäckerei Nitschke – eine stolze Zahl. Jetzt, nach drei Generationen, schließt die Traditionsbäckerei aus Bayreuth ihre drei Filialen.

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Am 31.12.2021 wird Inhaber Stefan Nitschke zum letzten Mal Brot, Brötchen und Kuchen für seine treuen Kunden zubereiten. Das bt hat bei ihm nach den Gründen für die Schließung gefragt.

Bäckerei in Bayreuth schließt nach über 80 Jahren

Geschäftsaufgabe in Bayreuth: Seit Samstag, 18. Dezember 2021, klebt das Schild an der Eingangstür der Hauptfiliale in der Bernecker Straße, das die Schließung zu Silvester verkündet. Begründet wird die Entscheidung von Bäckereimeister Nitschke mit dem Personalmangel in seinem Geschäft und im Handwerk allgemein. Seit September hat die Bäckerei Nitschke an Montagen ihre Filialen geschlossen.

„Es fehlen schlichtweg die Fachkräfte, die die Backvorgänge bei uns, wie beispielsweise Langzeitführung, umsetzen können“, sagt Nitschke dem bt. Auch einen Nachfolger habe er nicht sichern können, nachdem in den letzten 85 Jahren sein Großvater, sein Vater und letztlich er die Bäckerei führten.

Personalmangel in Bäckerei sorgt für zu hohes Arbeitspensum

Geplant hatte Nitschke ursprünglich, das Geschäft noch etwa drei Jahre aufrechtzuerhalten, auch um den Laden noch abbezahlen zu können. Aufgrund des Personalmangels jedoch fehle ihm mittlerweile auch der Spaß. Auch das Privatleben leide zu sehr darunter: „Ich arbeite Montag und Sonntag alleine, meine Frau ruft am Samstag an, ob ich zum Mittagessen komme, die Tochter sagt zu mir ‚Papa, du bist nie zuhause’… Das Arbeitspensum ist einfach zu hoch.“

Unter der zu hohen Belastung leide nicht nur die Familie, auch die Gesundheit werde bei derartiger Belastung in Mitleidenschaft gezogen: „Ich habe kaputte Bandscheiben und müsste eigentlich seit Jahren eine Kur machen und außerdem will man auch nicht nur für seine Arbeit leben“, sagt der Bäcker.

Bäckerei Nitschke in Bayreuth – das kommt als Nächstes

Nitschke tue die Schließung sehr weh, insbesondere wenn er sieht, wie voll das Geschäft derzeit ist. Dennoch glaube er, dass, gemessen an den Umständen, jetzt der beste Zeitpunkt dafür sei: „Mir würde es widerstreben, das Geschäft jetzt runterzufahren und unseren Kunden, die sich so lange auf uns verlassen haben, weniger anzubieten. Der Nächste kann aus unserem Laden gut etwas machen.“

Nitschke habe schnell einen Abnehmer gefunden – eine Filiale von Beck’s Backstadl werde am Hauptstandort bald ihren Platz einnehmen. Die beiden anderen Bäckereien in der Tannhäuserstraße und am Wilhelmsplatz würden schließen. Nitschkes Mitarbeiter würden übernommen, inklusive der beiden Bäcker, die bei ihm noch tätig sind: „Unsere Brötchen, die Nitschis, wird es im neuen Laden auch weiterhin geben. Meine Bäcker werden den Neuen auf jeden Fall zeigen, wie man die macht“, verspricht er.

Und Nitschke selbst? „Ich werd‘ erstmal ausschlafen und mich um mich selbst kümmern“, sagt er. Lange still sitzen werde er nicht, allerdings wollte er sich auch noch nicht festlegen, welche Beschäftigung für ihn nun anstehe. Sein Fazit zur Schließung lautet: „Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung ist. Wir sind dankbar, dass wir so lange so eine große und treue Kundschaft hatten und machen das wirklich mit Wehmut.“ Lesen Sie auch: Diese Metzgerei aus Bayreuth kämpft gegen ein übles Gerücht.