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Frau stirbt bei Unfall in der Fußgängerzone WM-Public Viewing in und um Bayreuth Jean Paul Platz soll aufgehübscht werden

Carl Maria von Weber: Als Knabe auf Bayreuths Bühnen

14. September 2019/in 15_Serien_Kolumnen, Bayreuth Historisch/von Redaktion

Bayreuth im September 1793. Der Schriftsteller Jean Paul besucht die alte Residenzstadt und lernt in diesen Tagen Emanuel Osmund kennen. Es entsteht eine lebenslange enge Freundschaft. Vielleicht haben die beiden Männer einen Spaziergang von der Friedrichstraße, vorbei am „Theater im Reithaus“ zum Neuen Schloss und über den Kutscherplatz zum Markgräflichen Opernhaus gemacht. Möglicherweise ist Jean Paul auf dem Weg der siebenjährige Carl aufgefallen, der lustig um seine Eltern sprang, und möglicherweise sah er den 23-jährigen Alexander, der vom preußischen Oberbergdépartement, das sich entweder in der Kanzlei oder im Alten Schloss befand, nach Hause ging.

Es ist eine fiktive Vorstellung, aber bei nur 9.000 Einwohnern, die Bayreuth damals hatte, sicher keine unwahrscheinliche, meint Hobby-Historiker Stephan Müller. Denn der Dichter Jean Paul, der spätere Komponist Carl Maria von Weber und der Bergmann und spätere Naturforscher Alexander von Humboldt waren gleichzeitig in Bayreuth.

Auch wenn Jean Paul, der ab 1804 bis zu seinem Tod im Jahr 1825 in Bayreuth sesshaft wurde, nicht wusste, wer ihm vielleicht im September 1793 begegnet ist, gehört und gelesen hat er später mit Sicherheit von diesen beiden Bayreuthern: Von Carl Maria von Weber, der 1821 mit der Uraufführung des „Freischütz“ einen unglaublichen Erfolg feierte, oder von Alexander von Humboldt, der viele Jahre als Forscher in Südamerika unterwegs war, wissenschaftliche Aufsätze schrieb und im diplomatischen Dienst für die preußische Krone unterwegs war. „Richtige Bayreuther“ waren natürlich beide nicht: Carl Maria von Weber ist in Eutin geboren und Alexander von Humboldt in Berlin. Aber dennoch eint sie, dass sie beide ab dem Frühjahr 1793 Lebensjahre in Bayreuth verbracht haben und sie mit Sicherheit den noch unverfälschten Dialekt der Einheimischen nur schwer verstanden haben.

Alexander von Humboldt und Jean Paul verbrachten ebenso wie Carl Maria von Weber einige Jahre in Bayreuth. Fotos: Bernd-Mayer-Archiv

Heute wenden wir uns aber Carl Maria von Weber zu, der am 18. oder 19. November 1786 in Eutin geboren wurde. Sicher ist, dass er am 20. November in der dortigen Schlosskapelle getauft wurde. Sein Vater, der fürstbischöfliche Kapellmeister Franz Anton von Weber, gründete 1789 eine eigene Theatertruppe, die ab März 1793 ihren Dienst in Bayreuth antrat. Als Prinzipal trug Anton von Weber, der mit seiner Familie im „Goldenen Anker“ logierte, der Mode und den Wünschen des Publikums offenbar Rechnung und bot ein ausgewogenes Angebot aus Lustspiel, Drama und Oper. Sein Ensemble muss sich schnell gut eingeführt haben, denn in einem Schreiben vom 10. April 1793 machte Freiherr von Hardenberg dem „Generalgouverneur von Anspach und Bayreuth“, Herzog Friedrich Eugen von Württemberg, den Vorschlag, das Ensemble fest anzustellen und aus den Mitteln der Hofkasse „zu unterstützen“.

Ein zweites Theater in Bayreuth

Die leidige Tatsache, dass das Opernhaus nur in halbwegs wärmender Jahreszeit bespielbar war, hatte noch unter Markgraf Karl Alexander 1785 zur Einrichtung eines kleineren, einigermaßen heizbaren Theaters in der Reithalle geführt. In diesen beiden Spielstätten führte Anton von Weber Goethes Trauerspiel „Clavigo“, Haydns Singspiel „Der Freibrief“ oder Schillers Dramen „Die Räuber“, „Don Carlos“ oder „Kabale und Liebe“ ebenso auf, wie im Frühjahr 1794 die erst 1791 uraufgeführte Mozart-Oper „Die Zauberflöte“. Gerade das Interesse an Mozarts Werken war groß, schließlich war Mozarts Ehefrau Constanze, geborene Weber, Antons Nichte und somit Carl Marias Cousine. Somit sei m Rande bemerkt, dass also nicht nur Mozarts „Bäsle“ (Cousine) Marianne Thekla Mozart von 1814 bis 1841 in Bayreuth lebte, sondern zehn Jahre vorher auch schon der Cousin von Wolfgangs Frau.

In der ehemaligen Markgräflichen Reithalle wurde Ende des 18. Jahrhunderts das „Theater im Reithaus“ eingerichtet. Im Jahr 1841 wurde das Jean-Paul-Denkmal vor der Reithalle aufgestellt. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung.

In der Weberschen Gesellschaft bildete die Familie Weber den Kernstock: Vater, Mutter, Sohn und Schwiegertochter waren beachtenswerte Künstler, die Ergänzung in Kinderrollen war der kleine Carl Maria gut zu verwenden. In so manchen Stücken war der Knabe auf den beiden Bayreuther Bühnen zu sehen. In „Hamlet“ trat er als Page der Königin auf, in Brahms Lustspiel „Der ungegründete Verdacht“ war er Lucindes Söhnchen „Tom“ und in dem Singspiel „Die Jagd“ spielte er das „Hänschen“. Belegt ist auch seine Mitwirkung in Kotzebues „Menschenhass und Reue“, in „Der  schwarze Mann“ und in Mozarts „Zauberflöte“. Von der Aufführung des Schauspiels „Albrecht Achilles. Markgraf von Brandenburg“ gibt es im Stadtarchiv Bayreuth einen Theaterzettel vom 17. Mai 1793 in dem „d. kleine C. v. Weber“ sogar namentlich als Johannes, der erstgeborene Prinz, erwähnt wird.

Ein Theaterzettel vom 17. Mai 1793 von der Aufführung des Schauspiels „Albrecht Achilles. Markgraf von Brandenburg“ aus dem Stadtarchiv Bayreuth. Der „kleine C. v. Weber“ wird als Johannes, der erstgeborene Prinz, namentlich erwähnt. Autor des Stückes war der Bayreuther Kammersekretär bei der Königlichen Regierung Johann Christoph Krauseneck. Foto: Stadtarchiv Bayreuth.

Finanziell war Anton von Weber jedoch kein Erfolg beschieden. Er legte die Direktion nieder und übergab seine Truppe an den Schauspieldirektor Daniel Gottlieb Quandt, der ab 4. Mai 1794 das Bayreuther Ensemble leitete. Vielleicht auch, weil seine Frau Genovefa eine lukrative Anstellung am Weimarer Hoftheater in Aussicht hatte. Von Juni bis Oktober 1794 wirkte sie am Hoftheater in Weimar, Lauchstädt, Rudolstadt und Erfurt. In dieser Zeit gab der junge Carl Maria wohl in Weimar auch sein erstes Konzert.

Ein Wiedersehen in Bayreuth

Zu einem unerwarteten Wiedersehen der Bayreuther Musikfreunde mit dem 20-jährigen Carl Maria von Weber kam es im Juni 1807. Am 20. Juni 1807 zeigte der befreundete Stadtmusikus Heinel an, dass der junge Pianist, der bereits als Elfjähriger in Salzburg von Michael Haydn ausgebildet wurde, eine „Akademie“ geben werde. Das Konzert, das von dem Singchor unterstützt wird, fand am 29. Juni 1807 im Neuen Schloss statt. Untergebracht war er im Hotel „Goldenen Adler“, dem heutigen „Reichshof“-Gebäude. Schon wenig später machte er eine große Karriere: Von 1813 bis 1816 war er Operndirektor in Prag, ab 1817 wirkte er als Direktor und  Königlicher Kapellmeister am Dresdner Hoftheater.

Im Jahr 1807 gab Carl Maria von Weber eine „Akademie“ im Neuen Schloss. Foto: Stephan Müller.

Von Weber und Richard Wagner

Als Hofkapellmeister war ein großer Förderer von Richard Wagners Bruder Albert. So lernte der siebenjährige Richard Wagner um 1820 Carl Maria von Weber kennen, als der bereits mit 34 Jahren sehr erfolgreiche Komponist Wagners Stiefvater Ludwig Geyer in Dresden besuchte. Die bereits fertig komponierte Ouvertüre von Webers „Freischütz“ animierte den Knaben fleißig am Klavier zu üben, um diese Musik immer wieder hören zu können. Dieses Werk, mit dem er die damalige Vorherrschaft der italienischen Oper durchbrach, wurde nach seiner Uraufführung am 18. Juni 1821 in Berlin zur deutschen Volksoper und wurde bereits am 27. September 1822 erstmals auch in Bayreuth gespielt.

Am 5. März 1826 reiste von Weber nach London, um die Uraufführung seiner Oper „Oberon“ einzustudieren. Die Premiere fand am 12. April 1826 unter seiner musikalischen Leitung im Royal Opera House Covent Garden statt. Von einer chronischen Tuberkulose-Erkrankung geschwächt stirbt er am 5. Juni 1826 in London und wird dort in der Gruft der katholischen Moorsfield Chapel beigesetzt.

Richard Wagners Bruder Anton Wagner und sein Schwiegervater Ludwig Geyer. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung.


Text: Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

 

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