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Ein Bayreuther als Vorreiter im Kampf gegen den Katzendreck

26. September 2019/in 15_Serien_Kolumnen, Bayreuth Historisch/von Redaktion

Der Bayreuther Stadtförster Gotthard Eitler traut seinen Augen nicht. In den 70er-Jahren besucht er seinen Freund Ludwig Hahn in seiner Heimat im Erzgebirge und kann nicht glauben, was er dort sieht. Der einstmals dichte Bilderbuch-Wald bietet ein gespenstisches Bild. Von dem vollen Nadelwald, den er aus seiner Jugend kannte, ist nur noch ein Gerippe zu sehen. Hobby-Historiker Stephan Müller erzählt seine Geschichte.

Pioniere im Kampf gegen das Waldsterben

Die beiden Männer mussten vorsichtig sein. Ihre geheime Absprache hätte für Ludwig Hahn schlimme Folgen haben können. Doch der Oberförster aus dem Erzgebirge vertraute seinem Kollegen aus dem Westen, den er noch aus seiner Kindergartenzeit kannte. Die beiden Naturschützer gingen ihr gewagtes Unternehmen an.

Schon seit dem Ende der sechziger Jahre hatte Eitler die zunehmenden Schädigungen am Baumbestand im Erzgebirge beobachtet. Den beiden Fachleuten war klar, dass das „Waldsterben“ auf die zunehmende Luftverschmutzung zurückzuführen war. Als ihm sein Freund Ludwig Hahn die schlimmsten Stellen gezeigt hatte, stand für Eitler endgültig fest, dass gehandelt werden musste.

Hahn sollte weitere Informationen beschaffen, Eitler würde im Westen an die Öffentlichkeit gehen. In der DDR waren die sterbenden Wälder ein Tabu-Thema. Welches Risiko Ludwig Hahn einging, muss also nicht betont werden.

Kampf dem Katzendreck

Im Jahr 1978 gab Eitler seine erste Dokumentation „Kampf dem Katzendreck“ heraus, in der er feststellte, dass das Waldsterben auch das Fichtelgebirge längst erreicht hätte. Verzweifelt schrieb er seinen berühmten „Försterbrief“ an Bundeskanzler Helmut Kohl und wurde dafür aus der Bayerischen Staatskanzlei als „Übertreiber“ getadelt.

Der Forstamtmann ließ sich aber nicht beirren: Im Februar 1983 brachte er Josef Ertl, den damaligen Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zum Umdenken. Von Ertls provozierenden Fragen – Wann habt ihr das letzte Mal richtig ausgeforstet? Sind das nicht Schäden vom Schneebruch? Die Bäume stehen halt zu dicht! – ließ er sich nicht beirren, sondern öffnete dem Minister mit einem beeindruckenden Diavortrag die Augen.

Ich habe heute viel gelernt.

(Fazit von Josef Ertl)

Eitler war der Durchbruch gelungen.

Wenig später hielt Eitler seinen Vortrag im Bundeskanzleramt, ehe im April 1983 eine Forstexpertengruppe aus 17 Ländern direkt aus Genf ins Fichtelgebirge reiste.

UNO gründet eine Kommission

Nach Eitlers Ausführungen gründete die UNO die Kommission „Air Pollution“ (Luftverschmutzung). In dieser Zeit hielt Eitler seinen Vortrag über 270 Mal und klärte über die Ursachen des Waldsterbens durch Schwefeldioxid und Stickoxide auf. Seine Forderung nach Dreiwege-Katalysatoren und Tempolimit fand Gehör.

Vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Dieter Mronz stammt das Zitat: „Vom einsamen Rufer zum geehrten Preisträger“. Bei der Verleihung des Umweltpreises der Stadt Bayreuth lobte Mronz den Stadtförster, der sich nicht hätte beirren lassen und „alle Anfeindungen mannhaft und tapfer durchgestanden“ hätte.


Text: Stephan Müller

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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